Der erste Tag – Verzweifelt auf der Suche nach dem Klo (Kurzgeschichte)

Der erste Tag
Verzweifelt auf der Suche nach dem Klo

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 26.11.2020

Nachdem Maja sich in der Vergangenheit mit der Auswahl des passenden Lehrberufs schwergetan und dadurch einiges an Zeit verloren hatte, stand sie nun an diesem frühen Morgen vor der Tür ihrer neuen Ausbildungsstelle.

Es war die Großküche des riesigen Uniklinikums, in dem sie den Ausbildungsplatz zur Köchin in letzter Minute hatte ergattern können und aus der es durch die offenen Fenster bereits nach einer Mischung aus frisch gebrühtem Kaffee und den Dämpfen des Industrie-Geschirrspülers roch. Mit ihren mittlerweile 18 Jahren war es langsam an der Zeit gewesen, sich eine Lehrstelle zu suchen, wie ihre Eltern einstimmig meinten, und worin Maja ihnen heimlich recht geben musste.

 

Bereits beim Betreten des kühl anmutenden Raums schlug ihr der hohe Geräuschpegel entgegen, der in einer solch riesigen Küche typischerweise herrschte. Begleitet von dem rauen Umgangston, den das Personal untereinander pflegte, während jeder einzelne von ihnen geschäftig und flink zwischen sauber-polierten Edelstahl-Geräten hin und her flitzte.

Im nebenliegenden Umkleidebereich war es ein wenig ruhiger, doch statt des Lärms sah Maja sich hier dem harschen Ton einer langjährigen Mitarbeiterin ausgesetzt, die ihr einen schmalen Metallspind zuwies und ihr das künftige Arbeitsoutfit überreichte. Beflissen zog sie sich um und verstaute ihre Straßenkleidung in dem metallenen Schrank.

 

Sofort wurde die junge Frau, die sich vom hektischen Geschehen zu recht eingeschüchtert fühlte, in den Trubel der allgemeinen Frühstückszubereitung eingebunden. Die immense Menge an Klinikpatienten, die auf die erste Mahlzeit des Tages warteten, machte es erforderlich, einen strikten Arbeitsablauf einzuhalten. Aus diesem Grund schickte man sie mit lauter Stimme mal hierhin, mal dorthin, ließ sie einfache Tätigkeiten verrichten und hatte weder Zeit, ihr Einzelheiten zu erklären, noch ihr die Örtlichkeiten zu zeigen. So hatte Maja keine Ahnung, welche Art von Räumlichkeiten es im näheren Umfeld der betriebsamen Großküche sonst noch gab und wo insbesondere die Toiletten untergebracht waren. Eine Tatsache, die ihr zu Beginn der Schicht noch belanglos erschien, sich aber im weiteren Verlauf des Tages als ganz und gar nicht unwichtig herausstellen sollte. Denn wie verzweifelt sie auf der Suche nach dem Klo noch sein würde, ahnte sie zu diesem frühen Zeitpunkt nicht.

 

Infolge des hohen Arbeitspensums, das man ihr schon auferlegte, obwohl es gerade der erste Tag ihrer Ausbildung war, liefen die Zeiger der Uhr rasend schnell ihre Runden.

Die junge, hübsche Frau, die ihre langen Haare zu einem Zopf gebunden trug, schwitzte und kam öfter außer Atem, als sie es von ihrem bisherigen Alltag gewohnt war. Und noch eines war von nun an neu in ihrem Leben: Sie hatte solch großen Stress, dass es ihr an Zeit fehlte, einen Klobesuch einzuplanen. Abgesehen von der Tatsache, dass sie gar nicht wusste, wo sich der WC-Bereich für das Küchenpersonal überhaupt befand. Allmählich begann sie, sich über diesen Umstand Sorgen zu machen – natürlich hätte sie einen der dort arbeitenden Menschen fragen können, doch als Neuling war sie von der ruppigen Gemeinschaft der lauten Großküche zu sehr verunsichert, als dass sie den Mut für jene Erkundigung fand.

 

Je weiter der Tag voranschritt, desto stärker füllte sich die Blase des 18-jährigen Lehrmädchens. Bald musste sie derart dringend pinkeln, dass ihre Gedanken sich fast ausschließlich um die Toiletten drehten, deren Existenz sie irgendwo dort draußen, jenseits der imposanten Küchentür vermutete.

Da sie jedoch zu scheu war, um kurzerhand nach dem Weg zum Klo zu fragen, blieb Maja nichts anderes übrig, als weiterhin tapfer durchzuhalten und die Zähne zusammenzubeißen.

Sie spürte das Pochen in ihrer Blase überdeutlich. Zudem nahm die Heftigkeit des Drucks so gewaltig zu, dass sie die Schenkel fast durchgehend gegeneinander drängte. Die Hände für ein etwaiges kurzes Zuhalten hatte die Azubiene nicht frei, da man ihr auferlegt hatte, die Nudelsuppe in den großen Töpfen pausenlos umzurühren. Zu gern wäre sie das eine oder andere Mal zur Entlastung in die Knie gegangen und hätte sich die Finger in den Schritt gedrückt, doch daran war beim besten Willen nicht zu denken.

 

Einzig der glühend heiße Wunsch, schnellstmöglich zum Personal-WC zu kommen und endlich pinkeln zu können, beherrschte die junge Auszubildende, als sie zur Mittagszeit mit zusammengekniffenen Beinen extrem nötig müssend am Kochfeld stand. Sie konnte dem Drängen ihrer übervollen Blase kaum noch standhalten, dennoch gab sie penibel darauf acht, ständig zu rühren und die Suppe auf diese Weise nicht anbrennen zu lassen.

Über die Schultern hinweg schaute Maja immer wieder verstohlen in Richtung Tür, versuchte, bei jedem Öffnen einen Blick nach draußen in das Foyer des Klinik-Untergeschosses zu erhaschen, in dem der Großküchenbereich lag. Zu ihrem Bedauern reichte das flüchtige Aufschwingen der ausladenden Tür bei weitem nicht aus, um etwas Relevantes, wie etwa ein Hinweisschild erkennen zu können. Alles, was sie sah, waren die gestressten, übel gelaunten Kollegen ringsherum, von denen sie im Traum nicht wagen würde, einen anzusprechen und um eine Wegbeschreibung zu den Toiletten zu bitten.

 

Wenige Augenblicke später erreichte das machtvoll pulsierende Gefühl in Majas Unterbauch einen bis dahin unerreichten Höchststand. Tief im Inneren ihrer prall gefüllten Blase zuckte und zitterte es dermaßen bedenklich, dass sie den Schließmuskel mit aller Kraft anspannen musste, um ungewollt nasse Spritzer in ihr Höschen zu vermeiden.

Oh je, was soll ich nur machen, warum muss ich denn ausgerechnet jetzt so ultradringend zum Klo, fragte sie sich mit wachsender Verzweiflung. Lange, so spürte sie deutlich, würde sie dem vehementen Fordern ihres Körpers nach Freigabe der gewaltigen Urinmenge nichts mehr an Muskelkraft entgegenzusetzen haben. In den Kochtöpfen ihres zugewiesenen Herdplatten-Areals brodelte und blubberte es Majas Empfinden nach ähnlich heiß, wie es sich mit dem üppig angesammelten Urin in ihrem Unterleib verhielt.

 

Als nach zwei weiteren, qualvollen Minuten des zitternden Einhaltens eine alteingesessene Köchin mit genervtem Gesichtsausdruck an Maja vorübereilte, fasste diese sich ein Herz und sprach die Vorgesetzte mutig an.

»Oh, bitte Entschuldigung«, sagte sie kleinlaut, »ich müsste mal eben zur Toilette, wenn ich darf …« Die Küchenmatrone stoppte ihren schnellen Schritt und bedachte die Auszubildende mit einem missmutigen Blick.

»So so, müsstest du?« Maja nickte verschüchtert und senkte die Augen.

»Und was glaubst du, wer hier deine Arbeit übernimmt?«, herrschte die Ältere sie an. »Merke dir eines gleich: Auf’n Pott gehen wir alle nur in der Pause oder falls wir sonst nix zu tun haben. Und wie ich sehe, hast du zu tun. Also junges Fräulein, verkneife es dir bis zur Mittagspause.« Nach Beendigung dieser niederschmetternden, und wenig freundlichen Auskunft, stiegen Maja die Tränen in die Augen. Wie sollte sie nur einen Ausweg aus dieser schrecklichen Situation finden?

 

Es gelang der jungen Frau nicht, sich weiter auf ihre simple Aufgabe des Umrührens zu konzentrieren. Ihre Gedanken waren einzig und allein auf die massive Pinkelnot fokussiert, die sie um jeden Preis im Zaum halten wollte. Sie trat von einem Fuß auf den anderen und in Momenten des Unbeobachtetseins nahm sie die Hand vom Griff des ausladenden Kochtopfs fort und zwängte sie sich fest zwischen die Beine, wähnend sie gleichzeitig wimmernd in den Knien einknickte. Sie war am Ende ihrer Kräfte und dermaßen kurz davor, sich unrettbar nasszupinkeln, wie sie es seit Kleinkindertagen nicht mehr erlebt hatte.

Die blanke Angst stieg in Maja auf, welche schlagartig zunahm, als sie fühlte, dass urplötzlich ein warmer Schwall aus ihrer Harnröhre in den Slip hinein jagte. Oh Hilfe, es läuft was, ganz von allein, realisierte sie entsetzt und presste sich die Hand noch stärker in den Schoß.

In ihrer aufwallenden Panik ließ das Lehrmädchen achtlos den großen Rührlöffel in einen der Töpfe fallen und rannte einen Augenblick später kopflos aus der Großküche mit ihrem lauten, wuseligen Schaffen heraus.

 

Im Foyer des Untergeschosses schaute sie sich hektisch zu allen Seiten um. Da sie jedoch keine Beschilderung mit dem Hinweis auf ein WC ausmachen konnte, stürmte sie die Treppe empor und fand sich einige Sekunden darauf in der großzügigen Empfangshalle des Uniklinikums wieder. In dieser herrschte reges Treiben; Patienten, Besucher und Mitarbeiter strebten in sämtliche Richtungen durcheinander.

Erneut glitten ihre Blicke rastlos auf der Suche nach einer Info-Tafel umher und blieben jäh an zwei Türen in der hinteren rechten Ecke haften. Diese trugen jeweils das Zeichen des Damen- und Herrenklos, wie die 18-Jährige innerlich jubelnd erkannte.

Wie auf ein Signal, welches von diesem Anblick ausgelöst wurde, gab der Schließmuskel ihrer Blase in dieser Sekunde ein zweites Mal nach und schickte wiederholt einen beträchtlichen Strahl in das mittlerweile feuchte Höschen hinein. Nein, bitte nicht, flehte Maja inständig. Sie nahm buchstäblich die Beine in die Hand und rannte, so schnell es ihr inmitten der vielen Leute möglich war, in Richtung der Toiletten.

Oh, ich muss so irre nötig, bestätigte sie sich das Offensichtliche im Geiste selbst, obwohl es unsinnig war und ihr kein bisschen weiter half. Einzig auf das Tempo kam es nun noch an, in welchem es ihr gelänge, den Po aus der Kochhose mit dem Pepita-Muster herauszubekommen und sich den Slip herunterzuzerren.

 

In absoluter Verzweiflung und kurz davor, in ihrer Not hemmungslos zu heulen, erreichte sie die Tür des Damen-WCs, riss diese schwungvoll auf und stolperte vor Anstrengung stöhnend in eine der Kabinen hinein. Die enorme Menge an Urin unter Auferbringung sämtlicher Kräfte in sich zu behalten, kostete weitaus mehr Energie, als der jungen schlanken Frau zur Verfügung stand.

Im selben Moment, in dem sie die Toilettenschüssel vor sich sah und Knopf sowie Reißverschluss der schwarz-weiß-gemusterten Hose zum Öffnen auseinanderzerrte, floss erneut ein ungewollter Strahl aus ihrer Harnblase in die Unterwäsche hinein. Bloß das nicht, nicht so kurz vorm Klo, betete Maja flüsternd und zog sich schon eilig die Arbeitshose von den Hüften.

 

Die Zeit, um die Tür der Toilettenkabine hinter sich zu schließen, hatte sie sich nicht genommen, viel zu dringend war das Anliegen, das die junge, attraktive Frau hierher geführt hatte. So sehr, dass sie es beim besten Willen nicht mehr schaffte, sich auch des Höschens zu entledigen, als endgültig alle Dämme brachen.

Reflexartig und blitzschnell klappte sie den WC-Deckel hoch und ließ sich, während sie bereits unaufhaltbar in einem kraftvollen, heißen Strahl pinkelte, auf die Klobrille fallen. Durch den feuchten Slip hindurch schoss der permanent zurückgedrängte Urin endlich aus Majas Harnröhre hinaus. Allerdings passierte er den nassen Stoff nicht lange, denn nur einen Atemzug später griff sie mit bebenden Fingern in ihre fontänenartig sprudelnde Körpermitte hinein und riss sich den Mittelsteg des Slips beherzt beiseite.

 

Oh lieber Gott, wie herrlich, flüsterte sie von einer grenzenlosen Erleichterung erfasst, die sie von den Haarspitzen bis zu den Fußsohlen süß durchströmte. Zu ihrer weiteren Freude befand Maja sich allein in dem Toilettenbereich, so dass sich niemand über das lautstarke Plätschern des zischenden Urinstahls im stehenden Wasser zu wundern brauchte.

Ein glückliches Lächeln überzog Majas Gesicht, welches auch dann noch anhielt, als sie sich nach dem Versiegen ihrer goldgelben Quelle erhob und reichlich Klopapier von der Rolle wickelte. Sie wollte versuchen, das zarte, triefnasse Höschen zumindest notdürftig trockenzutupfen. Da das Material feiner war, als sie es zuvor eingeschätzt hatte, gelang das grobe Trocknen einigermaßen passabel. Und da die Kochhose von der Feuchtigkeit nur in der Mitte ein wenig abgekommen hatte, kleidete die junge Frau sich rasch wieder an und machte sich auf, schleunigst in die Küche zu ihren Suppentöpfen zurückzukehren.

 

Von dem mulmigen Gefühl begleitet, dass sie in den kommenden Augenblicken ein riesiges Donnerwetter erwarten würde, betrat sie den hallenartigen Raum, in dem es köstlich nach der Mittagsmahlzeit duftete, auf die sich die Patienten in den darüberliegenden Etagen schon hungrig freuten. Ängstlich schaute Maja zu dem Platz am großen Herd, an dem sie vor wenigen Minuten noch in wahnsinniger Pinkelnot gestanden hatte, und erblickte dort einen jungen Mann ihres Alters, der sie unauffällig zu sich heranwinkte.

»Ich hab’ die Stellung für dich gehalten. Ich glaub’, es hat keiner was gemerkt«, raunte er ihr zu, nachdem sie mit klopfendem Herzen bei ihm angekommen war.

»Oh Danke«, erwiderte sie erleichtert lächelnd und nahm die Aufgabe wieder auf, von der sie zuvor fortgerannt war und in der der unbekannte Kollege sie so heldenhaft vertreten und vor mächtig Ärger bewahrt hatte.

»Kein Ding, wir Azubis halten hier zusammen«, versicherte er Maja und machte zwinkernd auf dem Absatz kehrt, um an seinen eigenen Arbeitsplatz zurückzugehen.

VG Wort