Die Motorradtour (Kurzgeschichte)

Die Motorradtour

Rebecca Valentin

Als er unterwegs den Druck spürt, hat er keine Lust, anzuhalten. Der Beschluss, am Ziel zur Toilette zu gehen, ist schnell gefasst, doch er verschätzt sich gehörig. Dort kämpft er an einem Baum schwitzend mit seiner Selbstbeherrschung, was von einem nahegelegenen Tisch aus interessiert verfolgt wird.

Story

Die Motorradtour

Rebecca Valentin

 

Schon als er sich auf sein Motorrad schwang und die Maschine startete, spürte Andreas einen leichten Druck auf der Blase – kaum wahrnehmbar, deshalb schenkte er ihm keine Beachtung.
Er setzte sich den Schutzhelm auf den Kopf, schloss das Visier und machte sich auf den Weg zu dem abgesprochenen Treffpunkt, einem gut besuchten Ausflugslokal in der Gegend. Es lag auf einem Berg; die Aussicht war großartig und die Speisen weithin bekannt und beliebt. Die Vorfreude, seinen langjährigen Kumpel Lasse dort wiederzusehen, war groß. Seitdem dieser eine Ehefrau und Kinder hatte, kam er nur noch selten dazu, Touren wie diese zu unternehmen. Heute jedoch hatte er sich die Zeit freigeschaufelt. Sie wollten ein wenig quatschen, gemeinsame Erinnerungen austauschen und zusammen etwas trinken.

 

Das Wetter war sonnig und schön, seine Laune hervorragend. In gemütlichem Reisetempo fuhr er auf der Landstraße entlang. Er genoss das Gefühl der Freiheit, des Windes und des Einsseins mit der schweren Maschine unter ihm. Es hätte perfekt sein können, wenn da nicht … Ja, wenn nicht der störende Drang, pinkeln zu müssen die Idylle gestört hätte. Zwar verdrängte er ihn immer wieder, was für eine Weile half, doch nach nur wenigen Kilometern kehrte er zurück – stärker als zuvor. Da er jedoch keine Lust verspürte, anzuhalten, beschloss er, bis zum Ziellokal zu warten, um dort die Toilette aufzusuchen.

 

Der Druck seiner Blase nahm innerhalb kürzester Zeit zu. Ungünstigerweise hatte er noch mindestens dreißig Minuten Fahrt vor sich, bis er das ersehnte WC erreichen würde. Dennoch kam ein Stopp noch immer nicht in Frage. Er würde ihn unsanft aus dem Fahrrhythmus reißen, von dem unbequemen Herauspellen aus der Lederkluft ganz zu schweigen. Schlimm genug, wenn er das Procedere in der Gasstätte vor sich hätte. Nein, er könnte es locker aushalten, redete er sich gut zu.

 

Nach weiteren zurückgelegten Kilometern wurde das Stillsitzen zur Tortur und er begann, so gut es ihm möglich war, auf der Sitzbank vor- und zurückzurutschen. Er musste extrem dringend pinkeln, weitaus heftiger als er es sich bei Antritt der Fahrt hätte ausmalen können. Natürlich, so resümierte er, lag es an der großen Menge Kaffee, die er zum und nach dem Frühstück getrunken hatte. Sie allein waren der Grund, dass sein Blasendruck dermaßen rasant angestiegen war.

Ihm wurde heiß in seiner Ledermontur; er schwitzte von der Anstrengung, die es kostete, sämtliche Muskeln seines Unterleibs anzuspannen. Selbst die Oberschenkel drängte er während des Fahrens gegeneinander.

Da er die Hände am Lenker behalten, aber trotzdem seinen Penis drücken und kneten wollte, kippte er das Becken wiederholt nach vorn. Auf diese Art klemmte er die Erhebung in seiner Lederhose fest zwischen Körper und der straff gepolsterten Sitzbank ein. Er ruckte, rutschte und wand sich. Immer schneller wurde er, raste in hohem Tempo dem rettenden Klo im Berggasthof entgegen.

 

Kaum hatte er ihn in seiner Harnröhre gespürt, da schoss der erste Spritzer Urin auch schon aus heraus und wurde vom Stoff der Retroshorts aufgesogen. Nein, verdammt!, dachte er in aufkommender Panik, als es ihm soeben gelang, den abgegangenen Strahl zurückzudrängen. So weit ist es, fluchte er innerlich, dass ich mir in die Montur pisse. Wäre das Ziel in diesem Augenblick nicht in Sichtweite gekommen, hätte er den Fahrbahnrand angesteuert und sich an den nächstbesten Baum gestellt. So aber steuerte er sein Motorrad halsbrecherisch den Berg hinauf. Nervös und komplett auf seine prallvolle Blase konzentriert, verschaltete er sich mehrmals, was das Gefährt ihm mit metallenen Schleifgeräuschen quittierte. Nichts auf der Welt wünschte er sich mehr, als endlich anzukommen und pinkeln gehen zu können.

 

Eine Vielzahl von Menschen schien das gleiche Ausflugsziel gehabt zu haben, wie Lasse und Andreas. Das sonnige Wetter lud geradezu ein, an diesem malerischen Aussichtspunkt zu verweilen.

Unter ihnen Nicola und Steffi, zwei junge Frauen, die einen letzten freien Tisch nahe den Parkplätzen ergattert hatten. Gerade waren sie auf ihre Stühle gesunken, als sie das Geräusch eines ankommenden Motorrades vernahmen. Sie schauten sich um und erblickten einen einzelnen Fahrer, der hektisch einen der Stellplätze anpeilte. Eine Begebenheit, die Steffi nicht weiter interessierte und sie aus diesem Grund ihre Augen wieder abwandte. Nicola hingegen beobachtete den Biker weiterhin. Sie sah ihn zügig von der Maschine steigen, sich eilig den Helm abnehmen und die Lederhandschuhe ausziehen. Ihr fiel deutlich auf, dass er die Beine enger zusammengedrückt hielt, als Menschen es in dieser Situation für gewöhnlich taten.

 

Andreas schwitzte stark und konnte sich kaum noch beherrschen, sich nicht wie ein ungeschickter Schuljunge in die Hose zu pinkeln. Zur Toilette würde er es in keinem Fall mehr schaffen, dessen war er sich sicher. Er müsste die Sanitäranlage zunächst suchen, die Bedienung eventuell nach dem Weg fragen – in einem alten Gemäuer wie diesem lag der WC-Bereich oft sehr versteckt.

Boah, ich muss pissen wie ein Stier!, war alles, was in seinem Kopf noch Platz hatte. Der Druck war gigantisch; wie ferngesteuert stürzte er auf den Baum zu, der seinem Zweirad am nächsten stand, da ergoss sich ein neuerlicher Schwall in seine Shorts.

 

In der Speisekarte lesend, überlegte Steffi laut, ob ihr Appetit auf einen Eisbecher größer war, als auf ein Stückchen Kuchen. Nicola hingegen war nicht in der Lage, ihren Blick von dem gutaussehenden Motorradfahrer abzuwenden. Sie schaute ihm zu, verfolgte jede seiner desperaten Anstrengungen. Dass er nötig pinkeln musste, hatte sie längst erkannt – es löste ein unanständiges Kribbeln in ihr aus, weckte ihre Libido mit sanftem Kuss. Dazu spielte sich die Szene in ihrer unmittelbaren Nähe ab, keine sechs Schritte von ihr entfernt.

Seit jeher fühlte sie sich von Bildern wie diesen angeturnt – je mächtiger der Druck, desto ausgeprägter das Lustgefühl. Hinzu kam, dass es sich bei dem heutigen Erlebnis um einen äußerst attraktiven Mann handelte, der sich in der von ihr so geliebten Not befand. Groß, dunkelhaarig und von kräftiger Statur; sein Alter schätzte sie auf Anfang dreißig ein.

 

Andreas kannte seine Bikeroutfits in und auswendig. Er brauchte nur nach dem Reißverschluss zu tasten, um zu wissen, dass er ausgerechnet heute jene Hose trug, die den verflixt schwergängigen Zipper besaß.

Bitte, flehte er innerlich, mach, dass er sofort herunterrutscht, nur dieses eine Mal! Die Beine leicht geöffnet stand er der alten Eiche zugewandt, bereit, den tosenden Fluten ihren Lauf zu lassen. Er müsste nur den Schwanz hervorziehen, wenn seine Kleidung es erlauben würde, und lospinkeln. Den Gegendruck der Oberschenkel fortgenommen, hielt einzig sein Schließmuskel die wogende Flüssigkeit noch zurück. Nicht weniger als seine gesamte Kraft musste er aufwenden, ihn anzuspannen und somit geschlossen zu halten. Lange würde er mit den gespreizten Beinen jedoch nicht dastehen können, ohne dass sich ein dritter Strahl, oder, was nicht auszudenken wäre, der vollständige Inhalt der Blase in seine Unterwäsche ergießen würde. Es musste also schnell gehen, verdammt schnell.

Zuerst mit Gefühl, und als das nicht half, mit einem festen Ruck zerrte er an dem Reißverschluss der schwarzen Lederhose, um ihn nach unten zu bringen.

„Komm Junge, beweg dich“, beschwor er das Metallstückchen heiser flüsternd, doch es sperrte sich trotzig. Eine heftige Welle des Drucks schwappte in ihm auf, die er mit zusammengebissenen Zähnen im Zaum zu halten versuchte. Um dies zu vollbringen, gab es keinen anderen Weg, als seine Beine erneut zusammenzupressen und die Hand auf die Ausbeulung in der Mitte zu drücken. Er hatte dieses offensichtliche Zeichen seiner Bedrängnis verhindern wollen, doch der Zipper schenkte seiner Aufforderung keine Beachtung, ansonsten hätte er längst befreit pinkeln können. In ihm kochte der heiße Urin, die feuchte Retroshorts klebte warm an Penis und Hoden. Die Befürchtung, es könne jeden Moment zu spät sein, ließ seine Stirn schweißnass werden.

 

Dass er unter Druck stand, war Nicola bewusst, dass dieser jedoch derart hoch war, bemerkte sie, als der Fremde die Beine überkreuzte und sich die Hand in den Schritt zwängte. Er scheint Probleme mit der Hose zu haben, stellte sie fest, während sie weiterhin zu ihm herüberstarrte. Sein Kampf mit dem Einhalten erregte sie maßlos; glitschige Feuchtigkeit breitete sich in ihrer Vagina aus und benetzte ihr Höschen. Da sie zu gebannt war, auf ihre Freundin zu reagieren, hob diese den Kopf und sah ihr fragend ins Gesicht:

„Hörst du mir überhaupt zu?“

„Hm?“

„Ich fragte dich nach deiner Meinung: Eis oder Kuchen?“ Ohne Steffi anzuschauen, erwiderte sie:

„Was weiß ich. Nimm Torte.“ Angesichts dieser laxen Antwort, die für sie eher ungewöhnlich war, verfolgte ihre Begleiterin Nicolas Blick und sah, dass der in Leder gekleidete Mann nach wie vor am Baum stand.

„Wieso guckst du zu dem rüber? Was macht der da überhaupt?“ Bevor Nicola auf die Fragen eingehen konnte, begriff die Blondine:

„Oh nee, igitt! Der will da doch wohl nicht hinpinkeln, oder? Wo wir doch so nah dran sitzen!“, erboste sie sich.

„Na, wenn es bei ihm ganz nötig ist und er nicht mehr aushalten kann?“ Jedes dieser Worte ließ Nicola innerlich erbeben. Äußerlich jedoch lächelte sie und schaute dem großen Dunkelhaarigen weiterhin zu.

„Trotzdem, er könnte zum Klo gehen …“ Könnte, hätte, sollte … zu Glück tut er es nicht, freute Nicola sich erhitzt und wünschte, sich in diesem Augenblick selbst zu berühren. Sie bräuchte nur wenige Male über ihre Klitoris zu streicheln, die empfindliche Knospe zielgerichtet reizen, um mit dieser Darstellung vor Augen zu einem wundervollen Orgasmus zu gelangen.

 

Die pure Verzweiflung sorgte dafür, dass Andreas wild an dem Reißverschluss herumriss. Sein Blasenmuskel zuckte und pochte rhythmisch, stand Millimeter vor dem Aufgeben.

„Oh Mann, bitte“, raunte er leise und als wären seine Worte plötzlich erhört worden, ließ der störrische Zipper sich unvermittelt nach unten bewegen.

Endlich, wie geil!, jubelte es in ihm und übergangslos schob er die Finger in die entstandene Öffnung hinein. Dort zerrte er die Retroshorts beiseite und zog hastig seinen urinfeuchten Schwanz hervor. Kaum hatte er ihn draußen, pinkelte er bereits mit hartem Strahl an die Eiche – es schoss derart gewaltig aus ihm heraus, dass es geräuschvoll an die borkige Rinde prasselte und in alle Richtungen spritzte. Welch ein phantastisches Gefühl, dem quälenden Druck endlich nachgeben zu dürfen! Diese gigantische Erleichterung! Es jagte druckvoll durch die Harnröhre hindurch – Andreas spürte den kräftigen Strom an seinen Fingerspitzen, als er den Penis in der rechten Hand hielt und weiterhin an den Baum zielte.

Inmitten dieses Genusses erreichte sein Freund Lasse den Parkplatz. Auch er stellte seine Maschine ab und zog sich den Helm vom Kopf. Grinsend kam er auf ihn zu, während es noch immer beträchtlich lief.

„He, Andi …“, begrüßte er ihn jovial, „du musst ja mächtig Druck gehabt haben!“

„Das kannst du laut sagen.“

 

Diskret von ihm abgewandt, wartete Lasse, bis der letzte Tropfen aus Andreas’ Blase versiegt war und er die Lederhose wieder geschlossen hatte. Erst dann begaben sie sich auf die Suche nach freien Sitzplätzen. Bei dieser Gelegenheit wischte Andreas sich mit dem Handrücken über die verschwitzte Stirn. Bereits auf den ersten Blick erkannten sie, dass es aussichtslos war, zu hoffen, einen Tisch für sich allein zu bekommen. Da Steffi und Nicola ihnen am nächsten saßen und zumindest Nicola sie freundlich anlächelte, beschlossen die Männer, die beiden zu fragen, ob sie sich zu ihnen gesellen dürften.

„Ach herrje, die kommen zu uns“, flüsterte Steffi, wobei sie betont unauffällig in eine andere Richtung sah. Diese Tatsache war von Nicola ebenfalls bemerkt worden und sie hoffte mit geröteten Wangen, dass ihre Freundin recht behalten und die Biker an ihrem Tisch nicht nur vorübergehen würden.
„Hoffentlich wollen die sich nicht zu uns setzen“, hakte die Blonde nach und versuchte nach wie vor möglichst teilnahmslos auszusehen. Da die Andere sich wünschte, dass sie ebendies täten, lächelte sie den Männern aufgeschlossen entgegen.

 

Hiervon ermutigt traten sie an den Frauentisch heran. Lasse räusperte sich und fragte offen heraus:

„Ist es okay, wenn wir zu euch kommen?“

„Nein“, sagte Steffi. Von Nicola hörten sie im selben Moment:

„Ja, klar!“ Irritiert tauschten die Biker einen Blick, grinsten im Anschluss amüsiert und erkundigten sich:

„Was ist denn nun, ja oder doch lieber nicht?“ Da Steffi schweigend schmollte und Nicola ihre Einladung bekräftigte, ließen die Männer sich dankend auf die freien Stühle sinken. Nachdem sie für sich selbst jeweils eine Tasse Kaffee und für die Mädchen einen Eisbecher nach deren Wahl geordert hatten, streiften sie sich ihre wärmenden Jacken ab und hängten sie über die Rückenlehnen der Holzstühle.

Von Nicolas Lachen wie magisch angezogen, schaute Andreas unentwegt zu ihr herüber. Sie war die hübschere von beiden, wie er befand, und wie es sich darstellte auch die wesentlich Umgänglichere. Ihr Humor begeisterte ihn, die Art, wie sie sprach und erzählte, zog ihn an. Und es gab da noch etwas: ein erotisches Knistern, das von ihr ausging. Es bescherte ihm eine prickelnde Gänsehaut und setzte sein Herz ungefragt in Brand. Es war dieser Blick, mit dem sie ihn ansah, das intensive Funkeln in ihren Augen, in das er sich auf der Stelle verliebte.

 

Stunden später, als Andreas das Motorrad in seiner Garage abgestellt hatte und den Haustürschlüssel hervorsuchte, wunderte er sich über das Stückchen Karton, das er hierbei in seiner Jackentasche erfühlte. Er fischte es heraus und erkannte eine Telefonnummer, die auf die abgerissene Hälfte eines Bierdeckels gekritzelt worden war. Von Nicola?, war der erste Impuls, der ihn überkam. Er wünschte sich, mit dieser Annahme recht zu behalten und hoffte, dass sie ihm den Pappstreifen unbemerkt in die Tasche gesteckt haben könnte. Klopfenden Herzens nahm er sich vor, es herauszufinden …

VG Wort

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen über „Die Motorradtour“

Erscheinungsdatum 13.12.2007
Autor Rebecca Valentin
Verlag Edition Aurum
Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag
Verfügbar als E-Book für Kindle, E-Book für Tolino, Taschenbuch, Webseite (online)

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