Symbolbild: Erstellt mit KI-Unterstützung
Auf dem Fernsehschirm näherte sich der Spielfilm seinem Höhepunkt. Fruchtgummis, Kartoffelchips und Schokolade standen als Knabbereien parat. Zu ihnen gesellte sich eine Flasche Prosecco, die die beiden Frauen gut gelaunt geöffnet hatten. Aus dieser schenkten sie sich bereits das zweite Glas ein und die jüngere Henrike sprach überschwänglich einen Toast aus:
»Prost Isabell, auf unseren Mädelsabend!«
»Prosit!«
»Toll, dass es so spontan geklappt hat!«
»Ja, finde ich auch. Aber nun sei mal ruhig, ich will die Story mitbekommen!« Henrike verdrehte die Augen nach oben:
»Ach komm, so klasse ist der Film doch gar nicht.«
»Na klar ist er das! Und jetzt psst.« Zur Verdeutlichung legte sie den Zeigefinger auf die Lippen.
Gelangweilt leerte die Angesprochene ihr Sektglas. Schluck für Schluck rann die prickelnde Flüssigkeit ihre Kehle hinunter. Mit nur einem Ohr bei dem Liebesfilm naschte sie von den Süßigkeiten und goss sich nebenher ein drittes Glas ein.
Durch die treibende Wirkung des Perlweins füllte sich ihre Blase in kürzester Zeit.
»Stopp mal eben, ich muss zum Klo«, bat sie ihre Freundin daher wenig später, worauf diese mit Unverständnis reagierte:
»Och ne, nicht jetzt. Wo er sie doch gerade küssen will …«
»Was kann ich dafür? Es ist plötzlich ganz nötig …«
»Ach menno!« Missmutig schaute Isabell in das Gesicht der Jüngeren, die sich bereits erhoben hatte und zappelnd vor dem Sofa stand.
»Typisch für dich«, monierte die Rothaarige und drückte die Pausetaste der Fernbedienung, »du und deine kleine Konfirmandenblase.«
»Ach nee, als ob es dir nie passieren würde, dass du ganz plötzlich zur Toilette musst.«
»Tut es auch nicht.«
»Pah, aber sicher! Und bestimmt war ich schon mal dabei.« Bei ihrem Ausspruch trat Henrike von einem Bein auf das andere. Ihre volle Blase zwickte extrem, dennoch hatte sie die Behauptung ihrer Freundin nicht unkommentiert im Raum stehen lassen wollen.
»Wann soll das bitte gewesen sein?« Herausfordernd blickte die Ältere der Blondine in die Augen. Dieser fiel das Nachsinnen schwer, zu vordergründig war das Verlangen ihres Unterleibs, schnellstmöglich das WC aufzusuchen.
»Was weiß ich, fällt mir grad nicht ein …«
»Siehste. Weil es mir niemals geschieht. Ich kann es superlange anhalten«, triumphierte Isabell.
»Das glaub ich dir nicht, du spinnst doch.« Selbstsicher schüttelte sie den Kopf. Zu gern wollte sie ihrer Freundin beweisen, dass sie nicht übertrieb, nur wie?
Nach einigen Sekunden angestrengter Überlegung, in denen Isabell ihr Sektglas in einem Zug geleert hatte, entsprang ihrem angeheiterten Hirn eine ungewöhnliche Idee:
»Wir testen es, Rike, nur so können wir es herausfinden.«
»Was? Wer zuerst zum Lokus muss?« Ungläubig lachte sie auf. Hierbei rauschte eine Welle des Drangs durch ihre Blase, die sie veranlasste, sich eilends eine Hand zwischen die Beine zu drücken.
»Genau. Dann sehen wir, wer länger durchhalten kann. Du oder ich.«
»Aber nicht sofort«, protestierte Henrike, »ich muss ja jetzt schon viel stärker als du!«
Sie besprachen, mit dem Wettstreit zu beginnen, nachdem die Fünfundzwanzigjährige von der Toilette zurückgekehrt war. Die zwei Jahre ältere Isabell verzichtete darauf, vor Eröffnung des Pee-Contest noch einmal pinkeln zu gehen, da sie partout nicht musste und zu Recht vermutete, dass von vereinzelten Tröpfchen abgesehen nichts herauskommen würde. Darüber hinaus war sie sich ihrer Sache derart sicher, dass sie fest annahm, trotz des Vorteils, den sie ihrer Freundin gewährte, zu siegen.
Ihnen war bewusst, dass das Ergebnis anhand der ungleichen Voraussetzungen nicht unbedingt objektiv ausfallen würde, doch für den Spaß und eine saloppe Überprüfung ihrer Aussagen sollte es reichen.
Gleichmäßig verteilten sie den Rest aus der Proseccoflasche auf ihre Gläser. Im weiteren Verlauf, so hatten sie sich vorgenommen, wollten sie jeweils eine Flasche Mineralwasser austrinken. Wer hierbei schwach werden und zum WC gehen müsste, hätte verloren. Für den Fall, dass beide Frauen eisern blieben und sich den Besuch des Klos verkneifen konnten, käme die nächste Getränkeauswahl auf den Tisch.
Sie tranken unbeschwert und schauten sich den Film bis zu seinem Happy End an. Ihre Stimmung stieg und blieb selbst dann heiter, als sie auf das Selterswasser überwechselten.
Nicht lange, und die Freundinnen befanden sich mittendrin.
»Ich merke es bereits ziemlich, und du?« Ja, ich auch, hätte die ehrliche Antwort lauten müssen, doch wollte Isabell es zugeben? Mochte sie sich und ihrer Mitstreiterin eingestehen, dass sie über diesen Punkt sogar schon hinaus war? Dass sie an nichts anderes denken konnte, als an die Toilette, die eine Tür weiter auf sie wartete? Die Blase vorher nicht geleert zu haben, war wohl keine gute Idee gewesen, räumte sie vor sich selbst ein. Auch wenn sie geglaubt hatte, nicht pieseln zu können, wäre es zumindest auf einen Versuch angekommen.
Nein, entschied Isabell, sich diese Blöße zu geben, kam nicht infrage. Um die Antwort zu umgehen und somit nicht schwindeln zu müssen, hob sie ihr Glas an die Lippen und tat, als würde sie einen großen Schluck des kühlen Getränks nehmen. Nur nicht wirklich trinken – sie brauchte eine Pause, wollte abwarten, bis Henrike sie einholte und genauso weit sein würde wie sie.
Nach einer Weile erhob sich Isabell von der Couch. Die Bewegung tat gut. Sie füllte die Schüsseln mit Knabbereien auf und griff zur Fernbedienung.
»Ich starte einen neuen Film, was meinst du?« Ihr jüngerer Gast merkte auf. Mit dem Hintern auf der Kante des Sofas hin- und herrutschend, blickte sie gequält zu ihr hoch.
»Ja, gern. Boah, wie doll ich muss …«, schob sie ihrer Zustimmung in leidendem Tonfall hinterher. Anscheinend hatte Henrike inzwischen genauso zu kämpfen wie sie, freute Isabell sich insgeheim.
»Was möchtest du denn sehen?«
»Ach …«, winkte die Freundin mit der linken Hand ab, »irgendwas Lustiges.« Die Rechte steckte zwischen ihren Oberschenkeln.
»Den neuesten Ice Age?«
»Ja, der ist gut. Nun sag doch mal …«, hakte Henrike beharrlich nach, »spürst du denn noch gar nichts? Bei mir ist es schon wieder irre nötig.«
Der Animationsfilm lief im Hintergrund, als Isabell sich erneut auf der Couch niederließ. Ähnlich wie bei ihrer Freundin war es auch bei ihr mit dem Stillsitzen vorbei. Automatisch begann sie, mit dem Po zu wibbeln und die Beine übereinanderzuschlagen. Dies zu sehen, reichte der Blondine als Antwort.
»Da guck!«, rief sie. »Sag ich doch, bei dir ist es nicht weniger dringend!«
»Nein, es geht noch.«
»Von wegen! Du hältst es auch nicht mehr lange aus«, wagte Henrike kühn eine Prognose.
»Und du? Wie es ausschaut, gibst du vor mir auf.« Für den Moment schien sie recht zu behalten: Beide Hände zwischen die Schenkel gepresst, hielt die Hellblonde sich verbissen zu. Ihre Hüfte war in Bewegung, schaukelte rhythmisch vor und zurück.
Mutig nahm sich Isabell die Wasserflasche und reichte auch der Freundin das von ihr angefangene Getränk.
»Was? Auf diese volle Blase noch etwas trinken?«
»Es ist so abgemacht. Jeder eine ganze Flasche!«
»Auch wenn ich mir schon fast in die Hose mache?«
»Ja klar, oder willst du sofort pullern gehen?«
»Das hättest du wohl gern!« Beherzt griff sie nach dem Sprudelwasser und trank mehrere Schlucke hintereinander. Als strömten sie auf direktem Wege durch sie hindurch, krümmte Henrike sich stöhnend nach vorn. Flugs stellte sie die Flasche, die sie bereits zu zwei Dritteln geleert hatte, ab und zwängte sich erneut die Finger in den Schritt.
Um nicht hinter ihrer Freundin zurückzustehen, setzte Isabell sich ebenfalls die Flaschenöffnung an die Lippen. Glucksend lief die kristallklare Flüssigkeit in ihren Mund, von wo aus sie sie entschlossen hinunterschluckte. Genau wie ihre Besucherin fühlte auch Isabell sie unmittelbar in die Blase rauschen. Reflexartig verstärkte sie den Druck ihrer Oberschenkel.
»Nicht zu glauben, dass ich erst kurz über der Hälfte bin«, dachte sie laut, wobei ihre Stimme zittriger klang, als beabsichtigt. Henrikes Blick sprach Bände.
»Oh oh, verlässt dich die Kraft?«
»Nix da, ich werde gewinnen!« Sie wollte überzeugend klingen, wählte die Worte selbstbewusster, als ihr zumute war.
Die Zeit schritt voran und mit ihr das Wetteifern der Frauen um die stärkste Blase. Die Flaschen waren so gut wie leer; Henrike hüpfte lachend und gleichzeitig jammernd im Zimmer auf und ab, während die andere ihren nahezu unerträglichen Harndrang weiterhin zu verbergen versuchte. In der Ecke des Sofas sitzend presste sie sich, um einen Gegendruck zu schaffen, mit beiden Händen ein kleines Kissen zwischen die Oberschenkel. Sie schob es weit hinein, rieb es in immer kürzer werdenden Abständen vor ihrem Schoß, der hinter den Stoffschichten von Jeans und Slip erbittert pochte.
Ihr Urin drängte vehement nach außen, wollte sich mit Macht den Weg in die Harnröhre erzwingen. Er ließ keine Ruhe, setzte sich selbstbestimmt durch und jagte ohne Vorwarnung einen heißen Schwall in ihr Höschen. Huch, verflixt! Voller Schreck hielt Isabell den Atem an und verkrampfte sich schlagartig. So weit ist es also schon, realisierte sie entsetzt. Wenn ich nicht auf die Couch pinkeln will, muss schleunigst etwas geschehen.
In ihr arbeitete es eifrig; fieberhaft suchte sie nach einer Möglichkeit, sich von dem quälenden Druck zu befreien, ohne die Niederlage eines WC-Gangs einräumen zu müssen. Ja natürlich, schoss es ihr durch den Kopf, das sollte funktionieren: Ein Becher, eine Tasse oder ein Topf – irgendetwas in dieser Art musste herhalten, und zwar sofort!
Es gelang ihr, sich unbemerkt an Henrike, die zu einem Teil in den bunten Animationsfilm und zum anderen in den kräftezehrenden Kampf mit ihrer Blase vertieft war, vorbei in Richtung Küche zu stehlen.
Die Beine überkreuzt, den Po nach hinten rausgestreckt, riss sie nacheinander die Türen ihrer Küchenschränke auf. Sie versuchte, jedes Geräusch, das sie verraten könnte, zu vermeiden, und überlegte verzweifelt, während sie sich möglichst lautlos zum Topfschrank neben der Spüle vorarbeitete, welches Gefäß ihr am nützlichsten sein könnte. Es war nicht einfach – kaum wagte sie, die Schenkel für den nächsten Schritt auseinanderzunehmen. Wie befürchtet, drängte sich die gelb-warme Flut voran, schickte zu ihrer großen Bestürzung einige weitere Spritzer in das seidige Material ihres Slips. Sie zu stoppen, erforderte ein höheres Maß an Anstrengung, als beim vorangegangenen Schwall, doch mit enormer Mühe brachte sie es zustande. Ob sie diese Energie noch ein drittes Mal aufbringen könnte?
Von Panik ergriffen, nahm sie das nächstbeste Behältnis, welches ihr vor die Augen kam, zur Hand. Es war eine längliche Frischhaltedose, wie sie beim zweiten Hinsehen feststellte, was in diesem Augenblick jedoch keine Rolle spielte. Das Ding war in der Lage, Flüssigkeit aufzufangen, das allein zählte.
Nun aber fix, sie hatte keine Sekunde zu verlieren. Mit zusammengebissenen Zähnen öffnete sie leise wimmernd Knopf und Reißverschluss der Jeans und zog diese hastig herunter. Für das Höschen reichte die Zeit allerdings nicht; kaum dass sie die Levis bis zur Hälfte der Oberschenkel hinabgezerrt hatte, begann es unkontrolliert aus ihr herauszulaufen. Während sie mit flatternden Fingern die Plastikdose zwischen ihre Beine brachte, zupfte sie kurzerhand den bereits nassen Mittelsteg ihres Slips zur Seite. Ähnlich eines Dammbruchs rauschte und zischte die riesige Menge des aufgestauten Urins in den Kunststoffbehälter, auf dessen Boden er hart niederprasselte. Vor Erleichterung entrang ihr ein unwillkürliches Aufstöhnen.
Von diesem Geräusch angelockt, erschien plötzlich Henrike in der Tür. Die Hände fest in ihren Schritt gepresst, tippelte sie vollkommen desperat auf der Stelle.
»Ach nee …«, tönte sie schief grinsend, »mit Schummeln kann ich das auch!« Schuldbewusst schaute Isabell auf. Ihr reuevoller Blick traf den der Freundin. Sollte sie schwindeln und behaupten, sie hätte nicht einmal mehr den Weg zum Klo geschafft oder sich besser für den Weg der Wahrheit entscheiden?
»Du hast recht …«, hörte sie sich ihre Trickserei offen gestehen, »ich hatte gehofft, du merkst es nicht.« Ein lautes Lachen der Jüngeren war die Antwort darauf, den Rest ihrer Reaktion reimte Isabell sich aus den Satzfetzen zusammen, die sie vernahm, als Henrike, bereits die Hose öffnend, zur Toilette rannte. Die Worte: ›Wette‹ und ›Verloren‹ kamen eindeutig darin vor, wie sie befreit schmunzelnd erkannte.