Eine fesselnde Zugfahrt (Kurzgeschichte)

Eine fesselnde Zugfahrt

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 14.09.2015

Fast jeder hat ihn, diesen einen besten Freund, dem man alles anvertrauen kann. Vor dem man laut denken und selbst die intimsten Dinge ohne sexuelle Hintergedanken aussprechen darf. Nick ist so einer – mein engster Vertrauter, Seelenverwandter und Kumpel. Und obwohl wir unterschiedlichen Geschlechts sind, funktioniert dieses platonische Verhältnis zwischen uns ganz hervorragend. So zumindest hatte ich es empfunden, ehe uns die Lust einen Tag darauf vollkommen unerwartet übermannt hatte.

 

Wir befanden uns auf der Heimreise von Berlin. Es lag ein langes, gemeinsames Wochenende hinter uns, dessen Abschluss von einem ausgiebigen Besuch der Erotikmesse Venus gekrönt worden war.

Entsprechend erschöpft, aber dennoch aufgekratzt, ließen wir uns nach Betreten der Bahn in die freien Sitze eines Zugabteils plumpsen. Zu unserer Freude waren insgesamt nur wenig Plätze belegt, so dass wir das Sechs-Personen-Abteil für uns allein hatten.

„Boah, endlich sitzen!“, seufzte mein Gegenüber begeistert und streckte die langen Beine genussvoll von sich. Mir erging es ähnlich – auch mir tat es nach dem Andrang und dem Tumult, der auf der Messe geherrscht hatte, gut, nicht weiterhin stehen oder laufen zu müssen.

„Das kannst du laut sagen“, pflichtete ich ihm daher bei und schob meine Füße, die in bunten Leinenturnschuhen steckten, unter seine Sitzbank. Dabei berührten sich unsere Unterschenkel, was ich als sehr vertraut und angenehm empfand. Wie schnell sich ein solch harmloses Gefühl in mitreißende Lust wandeln konnte, sollte ich noch an jenem Nachmittag erfahren.

 

Keine halbe Stunde später fuhren wir durch grüne Natur und die Bäume flogen geradezu an unserem Fenster vorbei. Während dieser Zeit unterhielten wir uns ausschließlich über die vielen Eindrücke, die wir auf der Venus gesammelt hatten. Als Nick mir hierbei eingestand, wie stark er von den ausgestellten Fetischwaren und Live-Shows, speziell im BDSM-Bereich, angeturnt worden war, funkelten und blitzten seine Augen erregt. Dies zu sehen, wunderte mich nicht, wusste ich doch von seiner besonderen Vorliebe für Fesselspiele. Schon oft hatten wir uns über persönliche Präferenzen, was Liebe und Sex anging, ausgetauscht und stets war der hohe Grad der Geilheit von ihm angesprochen worden, auf den die Ausübung des Bondage ihn kickte.

So bezog er diese Spielart sogar in seine One-Night-Stands mit ein, indem er den Frauen bereits beim Kennenlernen in Aussicht stellte, wie einzigartig die Nacht werden würde, wenn sie sich ihm und seinen geschickten Händen auslieferten. Diese Strategie bescherte ihm Erfolg, und davon eine Menge. Zwar trug sein fabelhaftes Aussehen nicht unwesentlich zum Gelingen bei, doch der Hauptauslöser war sein Charisma, mit dem er die Damen um den Finger wickelte. Jene gewinnende, charmante Art sie anzusprechen und jeder Einzelnen das Gefühl zu geben, seine Königin des Abends zu sein.

 

Inmitten der aufwühlenden Erinnerungen an den Messebesuch kamen Nick offensichtlich die Seile in den Sinn, die er sich an einem der dortigen Stände gekauft hatte und die er im nächsten Moment aus einer schwarzen Plastiktüte hervorholte.

„Ach ja …“, fiel es mir ebenfalls ein, „deine neuen Schnüre!“

„Mhhhm …“ Er betrachtete die weichen Baumwollseile ausführlich, drehte sie in seinen Fingern hin und her. Um auszuschließen, dass er Zweifel an seinem getätigten Kauf hegte, fragte ich nach:

„Stimmt etwas nicht? Bereust du die Anschaffung etwa schon?“

„Ganz im Gegenteil …“, gab er zurück, „ich bin heiß auf sie ohne Ende und kann es kaum noch abwarten, die Schätzchen irgendwann zu verwenden.“ Vorfreudig grinsend schaute er mir ins Gesicht.

Da ich ihn sehr mag, wollte ich ihm helfen, diesem Ziel näherzukommen. Zudem war ich seit jeher neugierig, so dass mir der Vorschlag, von dem ich bis heute nicht weiß, ob er der aufgeheizten Situation überhaupt angemessen gewesen war, wie von selbst über die Lippen kam:

„Mach es doch mit mir!“ Der Ausdruck seiner Augen veränderte sich ein weiteres Mal – die Iris wurde dunkler, sein Blick eindringlicher, als er mein Angebot annahm.

 

Er stellte sich vor mich, die blütenweißen Bänder in der Hand haltend.

„Okay, dann nimm die Arme nach oben. Und wenn du nicht mehr kannst oder willst, sagst du Venus, dann binde ich dich sofort los“, wies er mich an. Ich nickte, tat, wie ich sollte, und drückte die Ellenbogen durch. Sogleich erspürte ich mit den Fingern die Kleiderhaken, die unterhalb der Gepäckablage an der Wand befestigt waren.

An diese fesselte Nick mich mit gekonnten Handgriffen. Straff aber nicht schmerzhaft schlang er mir die Seile eng um beide Handgelenke, die er nur einen Augenblick später an den Messinghaken über meinem Kopf fixierte.

„So ist es geil … Ja, dir gefällt es auch“, raunte er mir währenddessen zu, wobei seine Stimme tiefer und rauer klang als gewöhnlich. Natürlich, das hier trifft genau seinen Nerv, erkannte ich und hörte seinen Worten und der Tonlage an, in welch hohem Maße ihn die Prozedur anregte. Es würde mir ebenfalls gefallen, hatte er gesagt … Tat es das? Zugegebenermaßen hatte es etwas für sich und fühlte sich in keinster Weise unangenehm an. Ich probierte aus, inwieweit ich mich innerhalb der Fesselung bewegen oder gar aus ihr herausschlüpfen konnte, doch sie saß perfekt – weder schnürte sie mich ein, noch war es mir möglich, mich ihr zu entziehen.

 

Nick war einen Schritt zurückgetreten und betrachtete sein Werk. Mit glänzenden Augen sah er sich die Bondage-Seile an, die mich mit ihren fachmännischen Knoten an Ort und Stelle hielten. Würde er in diesem Moment planen, etwas Unanständiges mit mir anzustellen, überlegte ich, wäre ich ihm hilflos ausgeliefert.

Er schien den Gedanken ebenso gehabt zu haben, denn nur eine Sekunde später beugte er sich zu mir herunter und küsste mich. Allerdings nicht, ohne zuvor die Innengardinen der Schiebetür zugezogen zu haben. Danach aber lagen seine Lippen sinnlich auf meinen – zum ersten Mal in unserer bis dahin rein platonischen Freundschaft. Obwohl sein Kuss einfühlsam war, war er doch von der Geilheit geprägt, die seit dem Besuch der Messe in ihm tobte und die ich zusätzlich geschürt hatte.

Während seine Zunge in meine Mundhöhle vordrang, knöpfte er mir gleichzeitig die Bluse auf und schob zärtlich eine Hand von oben in meine Dessous hinein. Zuerst wollte ich mich noch empört zur Wehr setzen, als ich jedoch spürte, wie meisterhaft er meine Nippel mit den Fingerkuppen bearbeitete und wie schnell sie sich hart aufrichteten, ließ ich ihn gewähren. Was ist schon dabei?, befand ich, als ich ihm leise stöhnend zeigte, wie sehr mir sein Tun gefiel. Ein bisschen Fummeln im BH – nichts, was ich nicht auch in meiner Jugend in manch dunklem Kinosaal mitgemacht hätte. Warum dann nicht auch im Abteil eines fahrenden Zuges?

 

Seine Zungenspitze spielte mit meiner, strich über sie hinweg, umgarnte und umspielte sie. Er fiel in mein Stöhnen ein, nahm eine meiner Brüste in die Hand und knetete sie begehrlich. Ich genoss, was er mit mir anstellte – dass er so phantastisch küssen kann, hatte ich nicht gewusst, ebenso staunte ich, wie raffiniert er es fertigbrachte, meine Brustwarzen kontinuierlich steil aufragen zu lassen.

Mit der zweiten Hand stützte er sich über mir ab und küsste mich anhaltend. Obgleich ich wusste, dass es sich um Nick handelte, glaubte ich, einen völlig unbekannten Mann vor mir zu haben – herb, sexy und wahnsinnig erotisch.

 

Bald zog er sich aus meinem BH zurück, ließ die Finger noch einmal an den Bändern mitsamt den Knoten entlanggleiten, bevor er sie weiter abwärts schickte.

Ich schaute ihm zu, als er sich vor mich kniete, fühlte seinen schnellen Atem auf meinem Körper. Die feinen Härchen stellten sich auf, und während seine Zungenspitze in meinen Bauchnabel eintauchte, öffnete er zielstrebig Knopf und Reißverschluss meiner Jeans.

Was er nun beabsichtigte zu tun, ging entschieden über einige unverfängliche Berührungen hinaus. Und obwohl ich mich bei dem Wunsch ertappte, er solle unbedingt weitermachen, gab es da die Stimme der Vernunft, die mir davon abriet, diesen entscheidenden Schritt mit ihm zu gehen. Die besondere Art der Freundschaft wäre auf ewig verloren und alles würde sich verändern, mahnte sie.

Allerdings war da auch die andere Seite in mir, die das spontane Abenteuer befürwortete. Und wenn schon, widersprach diese, dann ändert es sich halt. Im besten Fall wird die große Liebe daraus. Hiervon hin- und hergerissen zerfloss ich förmlich unter ihm, bis die Wollust die Oberhand gewann und ich in sein Spiel der sinnlichen Fesselverführung einstieg.

 

Da ich nicht protestierte, sondern mich ihm sogar noch entgegenhob, streifte Nick mir kurzerhand die Hose samt Slip von der Hüfte und zog sie mir bis zu den Knöcheln hinab.

So saß ich mit nacktem Hintern auf dem Sitz, die Füße durch die heruntergeschobene Jeans eng zusammenstehend, und die Schenkel auseinandergespreizt.

Er kniete noch immer vor mir, betrachte meinen glattrasierten Venushügel und die darunterliegende, vor Erwartung feuchte Muschi eingehend. Mit den Fingerspitzen streichelte er sie sanft, strich hindurch und tauchte einige Zentimeter in ihren lustnassen Eingang ein. Als ich genüsslich die Augen schloss, drang seine Stimme rau an mein Ohr:

„Endlich, Sanni. So will ich dich schon lange. Dass du jetzt so geil vor mir liegst, ist der Hammer.“ Perplex ließ ich seine Sätze Revue passieren. Sollte er sich entgegen meiner bisherigen Vermutung, etwa Körperlichkeiten zwischen uns gewünscht haben? Gab es unerfüllte Sehnsüchte seinerseits, von denen ich so gar nichts geahnt hatte?

Noch während ich verwundert auf seinen dunklen Haarschopf hinunterblickte, spürte ich bereits seine warme, fordernde Zunge, die gierig über meine Klitoris fuhr und in die glitschig-feuchte Spalte eindrang. Es fühlte sich wundervoll an – als gehöre sie genau dorthin, ähnlich einem Puzzleteil, welches perfekt in sein Gegenstück passt.

 

Unwillkürlich stöhnte ich auf; ich rutschte näher an sein Gesicht heran, was er dadurch unterstützte, dass er beide Hände unter meine Pobacken schob und mich in die bestmögliche Position brachte. Wie ein Kelch, den er durstig leerte, hielt er meinen Unterleib an den Mund gepresst. Er stimulierte mich punktgenau, ließ die Zungenspitze bravourös auf meinem Kitzler tanzen.

Nicks orale Liebkosungen jagten wie grelle Blitze durch mich hindurch. Einer heißer und intensiver als der andere, erreichten sie selbst die entlegensten Abzweigungen meiner Nervenbahnen. Er küsst nicht nur toll, er leckt auch unglaublich, dachte ich hingerissen, als ich sein lüsternes Keuchen vernahm und mein Stöhnen ebenfalls nicht unterdrücken wollte. Selten zuvor hatte mich ein Cunnilingus dermaßen heftig auf Touren gebracht wie dieser.

Nass und vor Geilheit zitternd, zerrte ich kräftig an den Seilen und gestand ihm atemlos keuchend ein, wie minimalst ich mich nur bewegen konnte und wie extrem wehrlos ich mich ihm deshalb ausgeliefert fühlte.

 

Als hätte ich hiermit sein Feuer angefacht, erhöhte er das Tempo, lutschte und saugte inniger als zuvor. Als er die Klitoris behutsam zwischen seinen Zähnen hindurchzog, sie dort festhielt und konstant mit der Zunge verwöhnte, glaubte ich, den quälend-süßen Reiz nicht ertragen zu können. Ich wand mich in seinen Händen, wollte mich ihm entziehen und doch wieder entgegenstemmen.

Er trieb das Zungenspiel unbarmherzig voran, ließ mich keuchen, stöhnen und betteln. Unmittelbar vor meinem Orgasmus, dessen Heranrollen ich ihm fern jeder Beherrschung ankündigte, reduzierte er die Geschwindigkeit und Intensität erheblich. Nicht mehr als eine flüchtige Berührung blieb übrig, die für einen Höhepunkt nicht ausreichte und mich fortwährend auf Spannung hielt.

Nachdem er von meinem Lustzentrum abgelassen hatte, und nun den Bereich unterhalb des Bauchnabels küsste, spürte ich meine eigene Feuchtigkeit, die an seinem Mund und dem Kinn haftete. Sie hinterließ nasse Spuren auf meiner Haut, die auf der Stelle auskühlten und für eine erotisierende Gänsehaut sorgten.

Dass er mich nicht weiterhin leckte, war nicht zu ertragen.

„Weiter, Nick! Bitte, bitte weiter“, rief ich ihm zu. Ich wollte es forcieren, ihn dazu bringen, mich dem Orgasmus ohne Pause entgegenzutreiben, doch er dachte nicht daran, sich diesem Ansinnen zu unterwerfen.

 

Betont langsam näherte er seine Lippen wieder an, widmete sich zunächst meiner klatschnassen Ritze, bevor sich erneut auf meine Liebesperle konzentrierte. Während er die Zunge an der erregt geschwollenen Klit spielen ließ, zog er die rechte Hand unter meinem Po hervor und öffnete, vor mir kniend, die eigene Jeans, aus der ihm sein Phallus im selben Moment groß und hart entgegenquoll. Es gelang mir, an Nicks Kopf vorbeizuspähen und einen Blick in seinen Schoß zu erhaschen. Seinen Schwanz zum ersten Mal zu sehen und dem äußerst vertrauten und doch so fremden Mann dabei zuzuschauen, wie er die Finger um den mächtigen Ständer legte, pushte mich gewaltig nach vorn.

Wollüstig begann er zu wichsen, rieb sich in dem gleichen Ausmaß und Tempo, in dem er auch mich liebkoste. Wir stöhnten gemeinsam; ich zappelte und wand mich in meiner Fesselung, was Nick nur noch verrückter machte. Entsprechend heftig leckte und saugte er und stieß mit der Zunge tief in mich hinein. Nebenher bearbeitete er seine beachtliche Erektion.

 

Beide balancierten wir auf einem schmalen Grat, vermochten das Kommen nur noch wenige Sekunden hinauszuzögern. Gern hätte ich es von Nick selbst gehört, doch da sein Mund Wichtigeres zu tun hatte, als zu sprechen, verließ ich mich auf sein zunehmend schneller werdendes Atmen und das ungezügelte Stöhnen, das gedämpft zwischen meinen Beinen ertönte.

Er muss ultrakurz vorm Abspritzen stehen, glaubte ich zu fühlen. In diesem Augenblick begannen sämtliche Muskeln in mir zu beben und die Nässe meiner Vagina sprudelte endgültig über. Mein Höhepunkt erfasste mich mit immenser Wucht, so dass ich ein lautes Schreien nur mit Mühe unterdrücken konnte. Liebend gern hätte ich den gigantischen Emotionen Raum verschafft, die mich in das Universum hinaufkatapultierten, obwohl ich an einen Kleiderhaken gefesselt, in einem Zugabteil saß.

Dies derart hautnah mitzubekommen, setzte jegliche Fähigkeit der Selbstbeherrschung von Nicks Seite außer Kraft. Er drängte sein Gesicht noch enger an meine Möse, wichste in hohem Tempo und schleuderte sein Sperma nur einen Atemzug später rhythmisch und in großer Menge neben mir auf die gepolsterte Sitzbank. Er stöhnte, keuchte und schluckte gleichzeitig, trank die viele, glitschige Feuchtigkeit, die meine Auster in jenem Moment produzierte, buchstäblich aus mir heraus.

 

Kurz darauf sank sein Kopf ermattet auf meinen Oberschenkel. Wir rangen beide nach Luft; unsere Herzen schlugen wie wild. Und als Nick die Augen wieder öffnete und sein Blick meinem begegnete, bedurfte es keiner weiteren Worte. Wir verstanden uns auch so, darüber hinaus sagten die zahlreichen Küsse mehr als genug, die wir beim Lösen der Bondage-Seile miteinander austauschten.

VG Wort