Feierabendbier (Kurzgeschichte)

Feierabendbier

Rebecca Valentin

Nach getaner Arbeit lädt ihn der Kollege auf ein Bier ein. Trotz übervoller Blase nimmt er das Angebot an, was jeden Schluck zur Tortur werden lässt. Als dann noch eine hübsche Unbekannte ihren Weg kreuzt und sich hörbar im Gebüsch erleichtert, droht ihn der eigene Druck zu überwältigen.

Story

Feierabendbier

Rebecca Valentin

 

„Willst du sofort los, oder hast du noch Zeit für ’n Feierabendbierchen?“, hatte mein Arbeitskollege gefragt, als mir nichts lieber gewesen wäre, als schleunigst nach Hause zu kommen, um dort so schnell wie möglich aufs Klo zu gehen. Ich musste pinkeln und das nicht zu knapp – nachdem ich in der Mittagspause die Thermoskanne mit dem Kaffee restlos geleert hatte, drückte mir die Blase gewaltig.

Während ich im Geiste bereits vor der heimischen Toilettenschüssel stand und mit hartem Strahl hineinpinkelte, hatte ich mich meinem Schicksal ergeben und ihm betont lässig zugenickt.

„Na klar, immer doch“, war meine Antwort gewesen, die ich ihm mit einem aufgesetzten Grinsen gegeben hatte. Die Reaktion meines Körpers war sogleich erfolgt: Als hätte er gegen jede weitere Flüssigkeitszunahme protestieren wollen, war der Druck in diesem Moment erheblich stärker geworden. Er hatte sich förmlich aufbebäumt und mir gezeigt, dass er sich nicht mehr lange würde zurückhalten lassen. Ich biss die Zähne zusammen und hielt für einen Augenblick den Atem an. Gerade noch hatte ich es geschafft, dem Reflex zu widerstehen, mir zum Zuhalten in den Schritt zu greifen. Was hätte der Kollege denken sollen? Dass er meine Notlage bemerkte, war das Letzte, was ich wollte.

 

Das Angebot die Geselligkeit bei einer Flasche Bier abzulehnen, wäre undenkbar gewesen, da ich erst seit kurzer Zeit in der Firma für Beseitigung von Brand- und Wasserschäden arbeitete und keine Lust hatte, mir den Ruf einer verweichlichten Spaßbremse einzuhandeln. So ’n kühles Blondes dauert ja nicht ewig, redete ich mir ein, lehnte mich zu dem Anderen an den Firmenwagen und prostete ihm tapfer zu.

Wir hatten soeben den ersten Schluck getrunken, da fiel mir die Frau in dem Auto auf, das unweit von unserem Transporter parkte. Sie hatte ein hübsches Gesicht, wie ich fand und sie schien auf etwas oder jemanden zu warten. Dabei blickte sie, wie es aussah, suchend in der Gegend umher. Wonach sie wohl Ausschau hält?, fragte ich mich, und erfasste zudem, dass ihre Sitzweise eher unruhig wirkte. Offenbar hielt sie die Arme und Hände in Bewegung, was meinen Blicken jedoch verborgen blieb und ich lediglich am Beben ihrer Schultern erkannte.

 

Unsere Flaschen waren fast bis zur Hälfte geleert, als ich spürte, dass der Gerstensaft meine übervolle Blase bis an ihre äußerste Grenze brachte. Wie wahnsinnig gern würde ich kurz pinkeln gehen, mich für eine Minute hinter dieses Trafohäuschen neben uns verziehen und der Natur ihren Lauf lassen.

Ob die Schöne im Auto auch dringend muss?, ging es mir durch den Kopf. Es sah sehr danach aus. Dieser Gedanke trug nicht unbedingt zur Besänftigung meines wie irre tobenden Drucks bei. Ganz im Gegenteil pushte er ihn, während der Handwerkskollege mir von seinem Lieblingsfußballverein erzählte, zusätzlich empor. Es war paradox: Obwohl ich es kaum noch halten konnte und mir mit der Hand in der Tasche durchgehend den Penis knetete, trank ich weiterhin von dem Bier. Was sollte ich sonst tun? Was hatte ich für eine Wahl? Der Arbeitskumpel durfte um keinen Preis bemerken, dass mir der Urin schon fast bis in die Harnröhre lief. Die Tatsache, es nicht zu schaffen, eine läppische 0,33-Liter-Bierflasche auszutrinken, ohne mich mittendrin beinahe nass zu pinkeln, würde mich unter Garantie zum Gespött der Firma werden lassen. Nein, es half alles nichts, ich musste durchhalten, koste es, was es wollte. Also, besser nicht weiter an die sicher ebenso volle Blase meiner ‚Leidensgenossin‘ im Auto gegenüber denken, nahm ich mir vor.

 

Hieraus wurde jedoch nichts, denn nur einen Moment später erblickte ich aus dem Augenwinkel, dass sie ihre Fahrertür öffnete und hastig aus dem Wagen hervorsprang. Dies entging auch meinem Kollegen nicht und beide beobachteten wir, dass die Frau unerwarteterweise neben ihrem Fahrzeug stehen blieb. Sollte ich mich doch getäuscht haben? Ich presste die Oberschenkel unauffällig zusammen – wenn ich doch nur nicht so verdammt nötig gemusst hätte …

 

Was dann geschah ließ mich um ein Haar die Kontrolle über meinen ohnehin schon arg gepeinigten Blasenschließmuskel aufgeben: Eine zweite Frau kam angelaufen, eine Freundin, wie es ausschaute, und stellte sich zu ihr. Sie sprachen miteinander und dann, wie aus heiterem Himmel, rannte die, die zuvor gewartet hatte, plötzlich los.

Sie hielt auf das Stromhäuschen zu, hinter das zu stellen ich mich ebenfalls brennend sehnte. Ihre Wangen hatten sich auffallend gerötet; dass sie an uns vorbei musste, um dahinter zu gelangen, war ihr sichtlich unangenehm. Hatte ich doch richtig vermutet: Sie musste nicht weniger dringend pinkeln als ich!

Kurz darauf hörten wir es in den Büschen rascheln; keine Sekunde später erklang das typisch zischende und prasselnde Geräusch, das nur von einem befreienden Urinieren herrühren kann. Oh Gott, wie sehr ich die Glückliche beneidete. Ich war selbst so kurz davor, dass ich es beinahe schmecken konnte, und sie hockte sich einfach so dahin und strullte kräftig los … Ich hätte sonst etwas dafür gegeben, mit ihr tauschen zu können.

 

Als sie wieder hervorkam, meinte ich, einen feuchten Streifen an der Strumpfhose ihres Beins gesehen zu haben, doch es spielte keine Rolle. Ihr süßes Gesicht strahlte Zufriedenheit und eine grenzenlose Erleichterung aus.

Mein Mitstreiter konnte sich bei ihrem Weggehen einen dummen Spruch nicht verkneifen, während ich für Unsinn wie diesen keinen Gedanken übrig hatte. Vom herzhaften Pullern der Dame animiert, fühlte ich, dass ich mir innerhalb der nächsten Sekunden gnadenlos in die Hose machen würde. Ich musste handeln, und zwar sofort!

 

Kaum war das Auto mit den beiden Frauen um die Kurve gebogen und das Motorengeräusch verklungen, warf ich jegliche Bedenken über Bord. Es ging nicht anders – würde ich es nicht unverzüglich laufen lassen können, geschähe ein für mich äußerst blamabler Unfall.

Eilig stellte ich die fast leere Bierflasche auf dem Dach des Transporters ab und teilte dem Kollegen ganz nebenbei mein vorübergehendes Verschwinden mit.

„Bin kurz pissen“, verkündete ich lapidar und hoffte darauf, dass er Verständnis aufbringen und es nicht als lächerlich abtun würde, dass ich bereits nach dem Trinken einer kleinen Flasche diesen heftigen Druck verspürte, der keinen Aufschub duldete. Anders als ich war er ja nach der Mittagspause austreten gegangen, was bei Spöttereien unter Kerlen jedoch gern vernachlässigt wurde.

 

Schnellen Schrittes schlug ich mich in die Büsche hinter dem Trafohäuschen, in denen sich die Lady soeben noch hörbar erleichtert hatte.

Schon auf dem Weg dorthin zerrte ich mir Knopf und Reißverschluss der Arbeitshose auseinander und brachte die rechte Hand innerhalb der Unterhose in Position. Nun, da das Wasserlassen kurz bevorstand, gab mein Körper erschöpft auf und entspannte den Schließmuskel ohne mein weiteres Zutun. Erschrocken registrierte ich, dass erste, goldgelbe Tröpfchen aus der Spitze der Eichel hervorquollen. Sie benetzten die Haut meiner Finger, die den Penis im warmen Stoff des Slips eng umschlossen hielten, und rannen kitzelnd an ihnen hinab. Oh nein, es läuft schon …

 

Keinen Augenblick zu früh tauchte ich in den Sichtschutz des kleinen Gebäudes ein und zog mein Glied hektisch aus den Hosen hervor. Die Vorhaut ein Stückchen nach hinten zu ziehen, hatte ich keine Zeit, da es bereits im selben Moment begann, unkontrolliert aus mir hervorzuschießen. Mit großem Druck und von einem überwältigenden Gefühl begleitet, pinkelte ich länger als üblich. Es jagte mir heiß und wohlig durch die Harnröhre, wobei der satte Strahl auf die nass-glänzende Stelle neben den Brennnesseln traf, die die Unbekannte hinterlassen hatte.

VG Wort

 

Weitere Informationen

Weitere Informationen über „Feierabendbier“

Erscheinungsdatum 10.07.2015
Autor Rebecca Valentin
Verlag Edition Aurum
Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag
Verfügbar als E-Book für Kindle, E-Book für Tolino, Taschenbuch, Webseite (online)

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