In letzter Sekunde – Zeitdruck mit voller Blase (Kurzgeschichte)

In letzter Sekunde
Zeitdruck mit voller Blase

Fünfte Geschichte aus dem Buch „Dringend!“

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 07.05.2026

VG Wort

Zwei Geschäftsmänner im Fond einer Limousine.

 

Das Meeting zog sich schier endlos hin – Stunde um Stunde wurden Vorschläge eingebracht, Diskussionen geführt und Absprachen getroffen. Nach der Schlussabstimmung jedoch erhoben sich die Manager von ihren Plätzen an dem Konferenztisch. Sie verabschiedeten sich mit einem entschlossenen Händedruck voneinander, wobei Gregor den nicht unerheblichen Füllstand seiner Blase zwar deutlich wahrnahm, ihn für die Dauer der Rückfahrt aber als aushaltbar einschätzte. Ein weiterer Grund, die Toilette vor Ort nicht aufzusuchen, war seine Eile und die des im Ausland beschäftigten Vorstandskollegen. Die Zeit, die ihnen bis zum Flughafen und damit zum Erreichen des Fliegers blieb, war knapp bemessen.

 

Gemeinsam stiegen sie in den Fond seines Dienstwagens ein. Das erneute Sitzen tat gut, es minderte den Druck zumindest kurzzeitig. Der Kollege schien es ähnlich zu empfinden, wie er dessen hörbarem Aufatmen entnehmen konnte. Nachdem sein Fahrer die massiven Seitentüren hinter ihnen ins Schloss fallen lassen hatte, startete dieser den schwarzen Mercedes.

Der Feierabendverkehr erschien Gregor dichter als gewöhnlich – mit jedem Meter, den sie schleppend vorankamen, musste er nötiger. Es war das beachtliche Quantum an Kaffee, das sie in der Besprechung zu sich genommen hatten und das nun seinen Tribut forderte. Fortlaufend hatte die Sekretärin die Kannen frisch aufgefüllt, aus denen sie sich, in die Gespräche vertieft, ständig nachgeschenkt hatten. Kein Wunder, dass es jetzt so dringend ist, sinnierte er und begann, um sich abzulenken, eine Unterhaltung mit seinem Nebenmann.

»Die Straßen sind ungewöhnlich voll.« Auf eine Antwort wartend, schaute Gregor zu ihm hinüber. Der andere schien ihn jedoch nicht gehört zu haben; gedankenverloren sah er aus dem Fenster. Auf dem Schoß hatte er seine Aktentasche platziert, unter der er die Hände verborgen hielt. Da keine Reaktion erfolgte, sprach er ihn namentlich an:

»Herr Hartmann?« Aufgestört wandte der Angesprochene den Kopf zur Seite. Im selben Augenblick kniff er die Oberschenkel zusammen.

»Hm? Wie bitte?«

»Der Verkehr. Es ist viel los.«

»Ja, entsetzlich.« Der Kollege presste die Lippen aufeinander und richtete seinen Blick erneut aus dem Seitenfenster. Offensichtlich möchte er nicht plaudern, schlussfolgerte Gregor die Einsilbigkeit des Älteren richtig. Wenn er selbst nur nicht so sehr pinkeln müsste, sehnte er, dazu dieser leidige Zeitdruck, der ihnen im Nacken saß – welch unglückliche Konstellation …

 

Eine Viertelstunde später ging es nur noch stockend vorwärts. Die Abendsonne hüllte die Innenstadt in rötliches Licht. Um sie herum nichts als Häuser und das Kriechen der Blechlawine.

»Meine Güte, was ist das hier nur? Warum geht es nicht endlich weiter?« Aufsteigende Wut schwang in der Stimme seines Mitfahrers mit. Er zog die linke Hand aus dem Schoß hervor und schaute auf seine teure Uhr, bevor er sie rasch zurück zu seiner Körpermitte schob.

»Schon zwanzig nach …«, keuchte er, »ist es überhaupt noch zu schaffen?« Bei seiner Frage schlug er die Beine übereinander und beugte sich dezent stöhnend nach vorn.

»Sicher, ein wenig eng ist es, aber durchaus noch hinzubekommen. Wir dürfen nur nicht langsamer werden.« Während Gregor sprach, wippte er unbewusst mit den Füßen. Zusätzlich knuffte er verstohlen an die Schrittbeule seiner Hose. Eine Geste, die seinem Mitstreiter nicht entging. Sie löste etwas aus, was ein neuerliches Aufstöhnen zur Folge hatte. So unauffällig es ihm möglich war, bewegte Herr Hartmann sein Becken vor und zurück. Hierbei drängte er die Schenkel fest aufeinander.

 

Weitere Minuten verstrichen. Zumindest geht es vorwärts und es hat sich kein Rückstau gebildet, versuchte Gregor sich gedanklich Mut zuzusprechen. Ihr umständliches Vorankommen in Verbindung mit der dringlicher werdenden Situation war nahezu unerträglich.

Zu sehr mit seiner eigenen, übervollen Blase beschäftigt, war ihm die wachsende Unruhe seines Begleiters bisher nur am Rande aufgefallen. Als er nun aber das Kneten der Finger unterhalb der Tasche und die feinen Schweißperlen auf dessen Stirn bemerkte, erkannte er, dass dieser nicht weniger dringend zum Klo musste als er selbst. Ganz im Gegenteil.

»Ich will nicht indiskret erscheinen, Herr Hartmann …«

»Aber?«

»Nun ja …«

»Es ist nicht zu übersehen, meinen Sie?«, unterbrach ihn der Top-Manager mit den grauen Schläfen.

»Allerdings.«

»Es stimmt. Ich habe mächtig Druck«, gab der Kollege keuchend zu. Er stöhnte verhalten auf; seine Verzweiflung war unverkennbar.

»Ich will nichts weiter, als zum WC und ihn endlich ablassen. Nur das, Herr Bogner, nur das!« Sein Gesicht verzerrte sich von dem Kampf, die ansteigende Flut in sich zu behalten. Seine Beinmuskulatur zitterte, das Sprechen fiel ihm schwer.

»Keine zehn Minuten, dann sind wir am Airport«, bemühte Gregor sich, ihn und seine eigene, ihn heftig malträtierende Blase zu beruhigen.

»Viel zu lange …«, hörte er die atemlose Stimme des Sitznachbarn, »ich schaffe höchstens noch zwei!« Das rhythmische Pressen der Oberschenkel, unterstützt vom stoßartigen Zucken der Hüfte, unterstrich dessen erbarmungslose Feststellung. Weitere Schweißtropfen sammelten sich auf seiner Stirn.

 

Die markante Notlage des Kollegen steckte Gregor an – inzwischen konnte auch er nicht mehr ruhig sitzen. Seine Beine waren in Bewegung, seine Hand massierte ungeniert den Schritt; durch den Stoff der Anzughose hindurch umfasste er seinen Penis, quetschte und drückte ihn ohne Rücksicht. Auch ihm fehlte nicht viel, dass seine prall gefüllte Blase schonungslos überlief.

»Räumen Sie sie leer!« Erstaunt blickte er in die überreizte Miene des Geschäftsmanns neben sich, der ihm seine Tasche reichte.

»Na los doch« trieb er ihn zur Eile an, »ich habe nur eine Hand frei!« Sofort kam Gregor der Aufforderung nach. Die eigenen Beine eng zusammengedrückt, nahm er das Lederbehältnis des anderen entgegen. Hierbei sah er, dass der Kollege seinen Genitalbereich in ebenso festem Griff hielt, wie er es selbst grad noch getan hatte.

»Schnell, schnell!« Der Manager zerrte bereits hektisch am Reißverschluss seiner Anzughose, wobei es ihm nicht gelang, den Hintern still zu halten. Er fasste hinein und beließ die Hand im Hosenschlitz, während Gregor die Unterlagen, Hefter und Papiere, samt Taschenrechner und übrigem Kleinzeug aus der Mappe sammelte. Als er nach dem letzten Kugelschreiber angelte, riss sein desperater Kollege ihm die Aktentasche aus den Fingern.

»Geben Sie her! Ich kann es nicht mehr aufhalten!«, war die alles erklärende Rechtfertigung für sein überstürztes Verhalten. Seine Stimme klang heiser; er war am Ende jeglicher Körperbeherrschung und Schamgrenzen angelangt. Mit nur einer Bewegung zog er sein Glied hervor, gleichgültig, ob sein Nebenmann hierbei die Möglichkeit hatte, es anzuschauen.

Er stöhnte gehetzt und fern jeder Kontrolle pinkelte er bereits, bevor er seinen Penis über die Öffnung der Aktenmappe halten konnte. Geistesgegenwärtig drückte Herr Hartmann den Daumen auf den Auslass seiner Eichel, brachte die Ledertasche in Position und ließ los. Im selben Augenblick schoss ein satter, gelber Strahl aus ihm hervor, der laut hörbar auf den Boden des Behältnisses klatschte. Kraftvoll und von besonderer Dicke jagte er nichtendenwollend durch die Harnröhre seines Leidensgenossen hindurch. Dieser gab einen tiefen Ton grenzenloser Erleichterung von sich, lehnte den Kopf an die Nackenstütze und schloss die Augen.

 

Neidvoll betrachtete Gregor die Szenerie, sich seiner eigenen Not nur noch stärker bewusst. Genauso druckvoll wie bei seinem Geschäftskollegen wollte es auch aus ihm herausströmen, doch er musste sich weiterhin zusammenreißen. Rasend gern würde er seinen Penis ebenfalls aus der Hose holen, um dem gigantischen Druck nicht minder genussvoll nachgeben zu dürfen. Ihn jedoch zu fragen, ob er seine Tasche zum gleichen Zweck benutzen dürfte, hielt er für unangemessen.

Sein Schließmuskel pumpte und zuckte, langsam wurde es bei ihm ebenso unaufschiebbar, wie es sich soeben bei Herrn Hartmann dargestellt hatte. Dessen befreites Seufzen und das Plätschern seines Urins in der voller werdenden Aktentasche zu hören, gestaltete Gregor die Zügelung seiner Blase nur noch schwieriger. Die Zähne fest zusammengebissen, presste er sich die Hand in den Schritt.

 

Noch ehe sein Fahrer die Limousine vor dem Flughafenterminal zum Stehen gebracht hatte, löste er fahrig den Sicherheitsgurt. Bevor er aus dem Wagen sprang, entschuldigte er sich bei dem Vorstandsmanager und hetzte danach, so schnell es ihm möglich war, auf die Eingangstüren zu. Von der panikartigen Sorge begleitet, es nicht länger einhalten zu können und sich jeden Augenblick nasszumachen, durchquerte er im Laufschritt die Abflughalle. Da er beruflich viel auf Reisen war, kannte er sich gut genug aus, die Toilette umgehend zu finden. Endlich erreichte er das Herren-WC – nur mehr der Gedanke um die Erlösung seiner Blase rotierte in seinem Kopf.

 

Keuchend riss er die Tür auf und zog, schon bevor er den hellgefliesten Raum betrat, den Reißverschluss seiner Anzughose herunter. Fahrig griff er in den offenen Schlitz, drängte die Unterhose beiseite und holte seinen großen, warmen Penis daraus hervor. Im nächsten Moment erfasste sein Blick die Reihe von unbesetzten Urinalen an der gegenüberliegenden Wand – ein Bild, das ihn den Rest seiner Selbstdisziplin kostete. Ohne dass er es verhindern konnte, gab sein Schließmuskel nach und der goldgelbe Strahl flutete seine Harnröhre. Hilflos stöhnte er auf. Nur durch ein verzweifeltes Abklemmen konnte er vermeiden, dass er bereits an der Tür stehend auf den Fußboden pinkelte. Seine Vorhaut füllte sich mit heißem Urin, blähte sich auf wie ein Ballon. Jeder Muskel seines Unterkörpers pochte, als er auf das blanke Edelstahlbecken zustürzte und mit seiner übersprudelnden Spitze unmittelbar auf den Abfluss zielte. Geschafft – ein befreites Aufatmen entrang seiner Kehle. Die Beine lässig auseinandergestellt ließ er laufen, was zuvor so brennend darauf gedrängt hatte, aus seiner Blase herausgelassen zu werden.

 

Sie trafen sich vor der Toilettentür wieder. Die Geschäftsunterlagen lose unter dem Arm tragend, lächelte ihn sein Kollege entspannt an. Die Tasche habe er soeben in den Müll geworfen, berichtete er. Und da er seinen Flug durch die Verzögerung ohnehin verpasst hatte und nun auf eine Umbuchung angewiesen war, lud er Gregor mit einem schiefen Lächeln ein, nach diesem ungewöhnlichen Ausnahmezustand gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen.