Symbolbild: Erstellt mit KI-Unterstützung
Zu dieser winterlichen Jahreszeit war das renommierte Hotel, in dem Gregor bereits seit drei Tagen übernachtete, nur mäßig belegt. Weit vor der sommerlichen Hauptsaison hatten vorwiegend Gäste aus dem Businessbereich die exklusiv ausgestatteten Zimmer gebucht. Geschäftsleute wie Gregor Bergkauf, der in gehobener Position bei einem großen deutschen Wirtschaftsunternehmen beschäftigt war und sich in den USA auf einer Dienstreise befand.
Nahezu allein im Hotelrestaurant leerte er mit einem Zug den Rest aus seiner Kaffeetasse, tupfte sich danach den Mund mit der Serviette ab und erhob sich verstimmt vom Frühstückstisch. Der anschließende Blick in den kleinen Korb, bevor er seinen Platz verließ, bestätigte seine Verdrossenheit. In ihm befand sich nichts außer Croissants, Toastbrot und helle, fluffige Bagels – allesamt Backwaren aus Weißmehl. Dunkle Vollkornprodukte, wie Schwarzbrot oder Roggenbrötchen, die er von zu Hause kannte und an die seine Verdauung gewöhnt war, suchte er bei dem typisch amerikanischen Frühstück an jedem Morgen vergebens. Kein Wunder, dass ich nicht zum Klo kann, seitdem ich hier bin, erklärte er sich die Situation. Von dem Zeug muss man ja zwangsläufig Verstopfung bekommen, ärgerte er sich über den belastenden Druck und das Völlegefühl in seinem Unterbauch.
Dass bei Gregor als weitere ausschlaggebende Faktoren sein immenser Stress und mangelnde Bewegung hinzukamen, war ihm nicht bewusst. Er schob den Umstand, seit nunmehr drei Tagen keinen Stuhlgang gehabt zu haben, ausnahmslos auf die ballaststoffarmen Nahrungsmittel, die er derzeit zu sich nahm.
Sich über diesen unerfreulichen Zustand jedoch länger den Kopf zu zerbrechen, war in seinem engmaschigen Zeitplan nicht vorgesehen – er musste los, sich sputen, damit er es rechtzeitig zu dem Termin in der Firma schaffte, deren Besuch seine Geschäftsreise galt.
Vor den Fensterscheiben des Konferenzraums sah man unzählige Schneeflocken fallen, die von einem eisigen Wind durcheinandergewirbelt wurden. Drinnen hielten die Männer, die dem amerikanischen Tochterkonzern angehörten, zusammen mit Gregor ein ausgiebiges Meeting ab, besprachen sich eingehend und entschieden über relevante Veränderungen im Unternehmen.
Im Verlauf der Vorstandssitzung, bei der die Männer an einem langen Tisch aus dunklem Holz saßen, nahm der 45-Jährige die unangenehme Fülle in seinem Darm weiterhin wahr. Indem er sie aber konsequent ignorierte, gelang es ihm, sich auf die Besprechungsthemen zu konzentrieren. Dennoch blieb eine gewisse Unruhe bestehen – drei Tage, so befand er, waren eine Zeitspanne, die ihn berechtigte, sich allmählich Gedanken zu machen. In seinem Enddarm rührte sich nichts – nicht einmal ein winziger Pups entfleuchte ihm.
Am frühen Abend endete die gewichtige Zusammenkunft der Top-Manager. Allerdings war keiner der amerikanischen Herren auf einen geruhsamen Feierabend eingestellt. Speziell, da ihr Kollege aus Deutschland zu Gast war, sollte das Beisammensein bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant fortgesetzt werden. Als Gregor von dem Vorschlag hörte, schluckte er und nickte äußerlich gefasst. Obwohl ihm ganz und gar nicht nach üppigen und aller Voraussicht nach schwer verdaulichen Speisen zumute war, kam eine Ablehnung der Teilnahme an der geselligen Runde nicht infrage.
Grundsätzlich war er ein Freund derartiger Begegnungen, insbesondere nach zuvor anstrengenden und zäh verlaufenden Diskussionen. Sie stellten die gute Stimmung wieder her, verstärkten das Zugehörigkeitsgefühl und wirkten sich insgesamt positiv auf den Teamgeist der Kollegen aus. Unter anderen Umständen hätte er sich auf das gemeinsame Essen gefreut, doch die leidige Verstopfung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Na gut, was soll’s, dachte er sich dennoch tapfer, ich bringe es kurz und schmerzlos hinter mich. Und aus der Speisekarte werde ich mir lediglich eine Kleinigkeit heraussuchen.
Es war bereits dunkel, als sie das Firmengebäude an diesem verschneiten Abend im Januar geschlossen verließen. Da sich jeder der Herren im Anschluss an das Abendessen unmittelbar nach Hause begeben wollte, fuhren sie in getrennten Autos, um sich später vor dem Lokal wiederzutreffen.
Seiner hohen Stellung entsprechend wurde Gregor auch im Ausland ein Dienstwagen mit Fahrer zur Verfügung gestellt. So stieg er in den Fond des schwarzen, hochglänzenden Mercedes’ ein, legte seinen dunklen Wollmantel achtlos neben sich und nannte dem Chauffeur den Namen des Gourmettempels, zu dem er gebracht werden wollte.
Kurz vorher hatten seine Vorstandskollegen noch bekundet, wie sehr sie sich auf den Abend mit ihm freuten. Wenn ich das doch auch nur könnte und die leidige Quälerei endlich ein Ende hätte, wünschte Gregor sich bei der Erinnerung an ihre Worte. Mit diesem Begehren wäre er besser bedachtsamer umgegangen – selten hatte so viel Wahrheit in dem scherzhaft gemeinten Spruch gelegen, man solle mit seinen Wünschen vorsichtig sein, da sie in Erfüllung gehen könnten …
Das stattliche Fahrzeug setzte sich, nachdem der Manager sich seufzend auf dem angenehm beheizten Leder niedergelassen und mit dem Rücken an das Polster angelehnt hatte, gen Zielort in Bewegung.
Der frisch gefallene Schnee hatte auf dem Asphalt eine grau-braune Farbe angenommen – ein einziger nasser Schneematsch, durch den der Fahrer das Auto sicher hindurch lenkte.
Wie es schien, hatte nicht nur der viele Kaffee in der Besprechung, sondern auch die Bewegung beim Treppensteigen der Peristaltik seines Darms einen längst überfälligen Anstoß gegeben. Entsprechend dieser Tatsache begann es plötzlich in Gregors Eingeweiden zu rumoren. Heftige Krämpfe, die von einem schmerzhaften Ziehen begleitet wurden, überkamen ihn und ließen ihn schlagartig blass werden. Lieber Himmel, was ist das, fragte er sich erschrocken, legte reflexartig die Hände auf den Bauch und wusste im selben Moment, was die unvorhergesehenen Leibschmerzen zu bedeuten hatten. Ich muss aufs Klo, und wie, traf ihn die befreiende und zugleich bestürzende Erkenntnis, für deren Zeitpunkt er sich gern einen passenderen Ort ausgewählt hätte.
Es hatte ihn kalt erwischt, und der gewaltige Druck verlagerte sich rasch tiefer. Zu spüren, dass es in Kürze losgehen und im schlimmsten Fall in der Hose landen könnte, ließ einen Anflug von Panik in dem Manager aufsteigen. Schweiß sammelte sich auf seiner Stirn. Als dränge sich der gesamte Inhalt des Darms auf einmal gegen den Ausgang, schien dieser sich vorschnell öffnen zu wollen. Nein, begehrte es in dem smarten Anzugträger auf, nur das nicht! Er musste gegenarbeiten, hielt die Pobacken fest zusammen und spannte die Muskulatur seines Unterkörpers kraftvoll an. Zeitgleich wandte er sich nach vorn und bat den Chauffeur in englischer Sprache, auf dem absolut kürzesten Weg ein WC anzusteuern. Es sei extrem dringend, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, wobei er bemüht war, sich die Sorge vor einer vollgemachten Hose nicht anmerken zu lassen. Dass der Fahrer seine Furcht dennoch registrierte, bekam er nicht mit.
Die schwarze Luxuskarosse bewegte sich rasant durch die Stadt. Trotz der Hast penibel darauf bedacht, die vorgegebene Höchstgeschwindigkeit nicht zu überschreiten, tat der Angestellte hinter dem Lenkrad alles, was in seiner Macht stand, um die dermaßen eilig benötigte Toilette in kürzester Zeit zu erreichen.
Vor Anstrengung schwer atmend, mit deutlich sichtbaren Schweißperlen an den Schläfen, saß Gregor auf seinen Händen – in der steten Hoffnung, von außen einen Gegendruck ausüben und sich im schlimmsten Fall den Hintern irgendwie zuhalten zu können. Hier und da stahlen sich verräterisch riechende Ausdünstungen hervor, die er beim besten Willen nicht schaffte, zu unterdrücken.
Meine Güte, es drängt bereits von selbst heraus, registrierte er keine Minute später. Die Panik stieg fühlbar an; sein Herz klopfte schneller. Ich kann es kaum noch einhalten, es will mit aller Macht raus … Oh Mann, wieso gibt es denn hier kein verfluchtes Klo? Was mache ich nur, falls wir es nicht rechtzeitig schaffen? Der gefürchteten Situation näher, als ihm lieb war, nahm sein Schwitzen rapide zu. Obendrein spürte er von dem hohen Kaffeekonsum des Tages einen überaus starken Druck auf seiner Blase.
Das scharfe Bremsen des Mercedes riss den Geschäftsmann aus seinen belastenden Überlegungen. Sie waren unmittelbar vor der Filiale einer Fast-Food-Kette zum Stehen gekommen. Da es an dieser Stelle, im Zentrum der City, keinen Parkplatz gab, hatte der Fahrer den Wagen halb auf dem Gehweg gestoppt.
Gehetzt und ohne ein Wort zu verlieren, stieß Gregor die Tür des Fahrzeugs nach außen auf. Er manövrierte sich, so gut es mit den zusammengepressten Pobacken zu bewerkstelligen war, aus dem Auto hinaus und hastete in kleinen Schritten, um die Beine nicht zu weit auseinandernehmen zu müssen, in das Schnellrestaurant hinein.
Während er den Weg keuchend zurücklegte, schob sich trotz des beharrlichen Zuklemmens schon der Anfang fest und heiß hervor. Nein, oh Gott, nein! Erneut schrie es in ihm auf. Unfähig, das eigenständige Freigeben des Darminhalts noch aufzuhalten, strebte Gregor schwitzend den Toiletten entgegen. Zusätzlich musste er dringender pinkeln als zuvor.
Der Mittvierziger kämpfte sich, indessen er ein ständiges ›Excuse me, please‹ in alle Richtungen schickte, entschuldigend durch die Vielzahl der Menschen, die vor den Kassen des gutbesuchten Burgerladens anstanden.
Atemlos erreichte er das Herren-WC und erstürmte kopflos und ohne Rücksicht auf Umstehende die einzig vorhandene Toilettenkabine hinter den Urinalen.
Vor Anstrengung keuchend und redlich bemüht, sich nicht in allerletzter Sekunde die Unterhose einzusauen, zerrte er Gürtel, Knopf und Reißverschluss der anthrazitfarbenen Anzughose auseinander und riss sich das Kleidungsstück zusammen mit dem schwarzen Slip herunter, während er sich bereits auf das Klo fallen ließ.
Ohne sein Zutun rutschte der Darminhalt der letzten Tage in ungeheurer Menge aus ihm heraus. Es war viel; er keuchte und stöhnte gleichzeitig auf. Zudem strömte Urin in einem kräftigen Strahl hervor. Gregor seufzte vor Wohlgefühl. Endlich loslassen! Endlich nicht mehr gegen den unermesslichen Drang ankämpfen müssen! Der Top-Manager hätte vor Erleichterung und der Freude, die Verstopfung los zu sein und es wider Erwarten noch auf die Toilettenschüssel geschafft zu haben, die gesamte Welt umarmen können.
Nach vorn gebeugt, die Ellenbogen auf die Knie gestützt, hielt er den Kopf in den Händen und schloss erschöpft die Augen. Erneut stöhnte er leise; er genoss das Pinkeln und den Stuhlgang unendlich und musste über den unerhörten Gedanken grinsen, dass sich dieses Erlebnis gerade besser anfühlte als jeder Sex, sei die Frau noch so atemberaubend.
Der Urinstrahl versiegte langsam, doch weiterhin plumpste ein fest geformter Strang nach dem anderen in das stehende Wasser des WCs hinein. Es spritzte zu ihm empor und berührte ihn kalt an der Haut seines Hinterteils, doch das war ihm in diesem überwältigenden Augenblick gleichgültig. Es zählte einzig, dass es ihm gelungen war, bis hierher zu gelangen und die Misere mit einer sauberen Unterhose überstanden zu haben.
Nach einer gefühlten Ewigkeit kam nichts mehr und Gregor erhob sich nach dem Abwischen von der Toilette. Beim Hochziehen der Hosen überkam ihn ein grandioses Gefühl der Leichtigkeit, welches er sich niemals so befreiend vorgestellt hätte. Es war, als wäre eine riesengroße Last von ihm genommen worden, dachte er schmunzelnd, was als Vergleich nicht weit hergeholt war.
Er wusch sich die Hände, verließ das Herrenklo und arbeitete sich auf dem Rückweg zu seinem Dienstwagen ein zweites Mal durch die Ansammlung der hungrigen Restaurantbesucher hindurch.
Es hatte wieder zu schneien begonnen, was im Gegenlicht der Straßenlaternen und der umliegenden Geschäfte sehr stimmungsvoll wirkte. Dazu wehte jedoch ein kalter Wind, der den Passanten um die Ohren blies und unangenehm unter die Kleidung kroch. Da Gregor seinen Mantel anlässlich der zuvor gebotenen Eile auf dem Rücksitz liegenlassen hatte, beeilte er sich, zum Auto zu kommen.
Der Mercedes stand nach wie vor zur Hälfte auf dem Bürgersteig. Dienstbeflissen wartete der Fahrer, wie es für einen Chauffeur üblich war, neben dem Fahrzeug. Um sich vor dem herabfallenden Schnee zu schützen, hatte er sich die Dienstmütze tief ins Gesicht gezogen. Als er seinen Fahrgast auf sich zukommen sah, schob er die Mütze ein Stück nach oben und schaute Gregor mit hochgezogenen Augenbrauen entgegen. Da ihm die Brisanz der vorangegangenen Situation nicht entgangen war, hatte er mit dem Wirtschaftsboss mitgefühlt.
»Weiter geht’s«, wies Gregor ihn im Vorbeigehen lächelnd an und fuhr sich, bevor er zum zweiten Mal in den Fond einstieg, mit den Fingerspitzen durch die Haare, um die darin haftenden Schneeflocken zu entfernen.
Der Chauffeur nahm wieder auf dem Fahrersitz Platz. Während der Manager nach vorn auf die Straße sah, fing er dessen Blick im Rückspiegel auf. Dieser zeigte taktvolles Interesse.
»Danke, alles okay«, reagierte Gregor auf jene schweigende Art der Anteilnahme mit einem gerührten Lächeln. Im selben Augenblick spürte er seinen Magen vor Hunger knurren und freute sich wie lange nicht mehr auf das bevorstehende Abendessen.