Keine Chance – Volle Blase in der City (Kurzgeschichte)

Keine Chance
Volle Blase in der City

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 27.05.2021

Junger Mann im Anzug mit Aktentasche rennt durch die Innenstadt.

Ich halte durch, ich schaffe es! Ich halte durch, ich schaffe es! Ähnlich eines Mantras sprach Konstantin diese Worte durchgehend und aufs Äußerste angespannt vor sich her. Die stetige Wiederholung sollte dazu dienen, die Kontrolle über seine volle Blase zu behalten, bis er endlich die Praxis des Allgemeinmediziners, welche unglücklicherweise mitten in der City lag, erreicht hätte. Er war in einem derart eiligen Tempo unterwegs, dass er fast schon rannte – entsprechend kurzatmig kamen die leise vor sich hingesprochenen Sätze stoßweise aus seinem Mund.

Es war noch früh am Morgen und obwohl die Luft frisch und kühl war, schwitzte der 36-Jährige heftig – er näherte sich dem Rande seiner Selbstbeherrschung und wusste, wenn er ehrlich zu sich war, dass es ernsthaft knapp werden würde.

 

Die Arztpraxis in der Fußgängerzone, die er als Pharmareferent beruflich aufzusuchen hatte, war zu Konstantins Leidwesen nicht mit dem Auto erreichbar. Nur deshalb hatte er sich vom Parkplatz aus zu Fuß auf den Weg zu seinem Kunden gemacht.

Mit jedem Schritt fühlte er deutlich, wie die Bewegung sein dringendes Pinkelbedürfnis verstärkte, und verfluchte den Extra-Kaffee nach dem Aufstehen von Herzen. Auf den dritten Becher des schwarzen Muntermachers zu verzichten wäre jedoch keine Option gewesen, zu müde war er nach der durchliebten Nacht voller Gefühl, die sich mit seinem atemberaubenden Date ergeben hatte. Jene Erkenntnis half ihm in seiner misslichen Lage allerdings wenig – Konstantin musste sich weiterhin zum Aushalten zwingen und freute sich unsagbar auf die rettende Toilette in den Praxisräumen. Noch nie war ihm eine Wegstrecke so lang und nervtötend erschienen, wie diese, an deren Ende die erlösenden Sanitärbereiche auf ihn warteten.

 

Obwohl die Bestärkungsparolen dem smarten Ärzteberater Mut machen und ihn zum beharrlichen Durchhalten bewegen sollten, spürte er bald, dass sie zu versagen begannen und er die Herrschaft über seine berstend volle Harnblase zu verlieren drohte. Oh nein, bitte nicht, es sind doch nur noch einhundert Meter, bettelte er seinen Unterleib im Geiste an und konnte inzwischen nicht mehr widerstehen, sich möglichst unauffällig die Hand in den Schritt zu drücken. Den Penis durch die Textilschichten hindurch zuzuhalten und dabei kraftvoll zu kneten, unterstützte seinen unbedingten Willen, keinesfalls aufzugeben.

Das Umschauen zu den Straßenrändern, an denen verschiedene Geschäfte angesiedelt waren, erwies sich als ernüchternd und sinnlos. Zu dieser frühen Uhrzeit hatten die Boutiquen, Drogeriemärkte, Schuh- und Blumenläden noch nicht geöffnet und stellten ohnehin kein Kunden-WC bereit. Ebenso verhielt es sich mit dem Blick auf die unzähligen Gastronomiebetriebe der Innenstadt, die ihre Türen erst sehr viel später für hungrige Gäste aufschließen würden.

 

Selten hatte Konstantin seine Blase als eine derart schwere und drangsalierende Belastung empfunden, wie in jenem Moment, in dem er mit wachsender Panik und seinem Arzneimittelkoffer in der linken Hand durch die City hastete. Die Finger der rechten behielt er auch inmitten des flotten Laufens zwischen seine Beine gepresst. Einzig der vordringliche Gedanke, sich von der brodelnden Last in seinem Unterbauch schnellstmöglich befreien zu wollen, war noch von Wichtigkeit.

 

Verflucht, ich muss so irre nötig, ich kann nicht mehr, realisierte er die Unaufschiebbarkeit seines Problems keine Minute später, während bereits die ersten Tröpfchen ungehindert in den Slip rollten und er niemals zuvor so nah dran gewesen war, sich haltlos in die Hose zu machen. Er spürte die feuchte Spitze seiner Eichel schon ebenso deutlich, wie den nassen Fleck, den der ungewollt austretende Urin in Konstantins Unterhose verursacht hatte.

 

Zwischen den Läden des verkehrsberuhigten Bereichs lagen vereinzelte Wohnhäuser, die sich schmal und steil aufragend an die Gebäude rechts und links anschmiegten. Eines von ihnen präsentierte geradezu einladend eine Art Mauernische, die dem attraktiven Angestellten des Pharmakonzerns wie ein Geschenk des Himmels erschien. Hier mach ich’s, hier pinkel ich hin, wägte er blitzschnell für sich ab. Dass andere Menschen an ihm vorübergehen würden, erachtete er in seiner gigantischen Not als das kleinere Übel, ebenso wie das Fenster einer Wohnung, das sich unmittelbar oberhalb der Hauswand-Nische befand. Was soll ich sonst tun, stellte er sich die Frage, die er sich in Gedanken selbst beantwortete: Ich hab keine Chance, andernfalls p**se ich mir definitiv in die Hose …

 

Der Entschluss, das Undenkbare wirklich zu wagen und alles rechtfertigende Denken, welches drumherum stattfand, spielte sich innerhalb weniger Sekundenbruchteile ab. In diesen setzte bereits ein zweiter Pipi-Schwall an, durch Konstantins Harnröhre zu rinnen, was ihn dazu bewog, sich ohne zu zögern, zu der Außenwand des kleinen, hohen Gemäuers zu drehen und seine Tasche fahrig neben sich auf dem Bürgersteig abzustellen. Mit flatternden Fingern zerrte er den Reißverschluss der Anzughose auf. Er biss die Zahnreihen fest zusammen, stellte die Beine widerstrebend auseinander und fühlte unweigerlich, dass der bittere Zeitpunkt des Aufgebens gekommen war.

 

Das befreiende Öffnen des Schließmuskels unmittelbar vor Augen, wurde von seinem Hirn als besonderer Freifahrschein gewertet, der jegliche Nervenimpulse für den Start freigab. So pinkelte er gegen seinen Willen schon, während er den Penis noch aus Slip und Hosenschlitz herausriss und war nicht imstande, diesen heißen, enorm druckvollen Strahl zu unterbrechen.

Von Konstantins unterdrücktem Aufstöhnen begleitet, schoss der Urin nur so aus ihm hervor. Er prasselte hörbar an das Mauerwerk der Hauswand, lief von dort in einer glänzend-dampfenden Bahn auf den Gehsteig hinunter.

 

Der 36-Jährige schloss behaglich die Augenlider, doch sein genussvolles Empfinden fand zwei Atemzüge später ein jähes Ende, als er von einem resoluten Klopfen an die Fensterscheibe unsanft gestört wurde. Aufgeschreckt riss er die Augen auf, sah zu dem älteren Gesicht hinter dem Fenster empor und verstaute seinen Penis im selben Moment reflexartig zurück in Slip und Anzughose.

Er war noch längst nicht fertig gewesen; die Zeit hatte kaum gereicht, die Blase auch nur ansatzweise zu leeren. Hierdurch bedingt strömte der Urin innerhalb der Hosen weiterhin aus seiner Harnröhre hervor, bis es ihm mit allergrößter Mühe gelang, den harten Strahl zu stoppen. Hierfür hielt Konstantin den Atem an, überkreuzte die Schenkel und beugte sich unter Anspannung sämtlicher Muskeln nach vorn, bis der Reiz des fortsetzenden Urinierens allmählich nachließ.

 

Shit, ich bin erwischt worden, schnell weg, fuhr es dem Arzneimittelberater in den Kopf, als er seine Tasche vom Boden aufhob und machte, dass er von der Stelle fortkam, an der sein Handeln auf derartigen Unmut gestoßen war. Nicht, dass ich noch ’ne Anzeige bekomme, befürchtete er zu Recht und rannte den ersten Teil des weiteren Weges.

 

Inmitten des gehetzten Laufens hatte er die noch immer extrem volle Blase nicht so stark wahrgenommen, wie jetzt, da er seine Schritte verlangsamte und sie nicht weniger energisch pochen und drängen spürte, wie vor der verbotenen Pinkelaktion. Ich muss so sehr, verdammt und es ist noch schlimmer geworden, stellte der Mittdreißiger fest.

Er schaute sich, in der absoluten Gewissheit, es nun erst recht nicht mehr bis zur Arztpraxis einhalten zu können, panikartig nach einer neuen Gelegenheit zum Wasserlassen um. Konstantin wandte den Kopf hektisch zu allen Seiten, ließ den Blick unruhig schweifen und zwängte sich während dieser qualvollen Sekunden erneut die rechte Hand in den Schritt. Fast schon schmerzhaft knuffte und quetschte er sein Glied, aus dem es bereits wieder warm herauströpfelte.

»Oh Mann, dass ich immer noch so tierisch dringend p**sen muss …«, flüsterte er sich in seiner katastrophalen Leidenssituation selbst zu und verstärkte ein weiteres Mal den Druck auf sein mehr als pinkelbereites Geschlechtsteil.

 

Hinter der nächsten Ecke fiel er Konstantin sofort ins Auge – der auffällige Edelstahlschriftzug mit den zwei bedeutendsten Buchstaben der Welt in diesem Moment für ihn: WC. Das Schild glänzte und blitzte in der Morgensonne, als wäre es samt dazugehörigem Toilettenhäuschen geradewegs zu ihm gesandt und speziell für ihn in die Einkaufsstraße gestellt worden.

Gott sei Dank, strahlte er – pure Entzückung breitete sich in Konstantin aus, erreichte jede seiner Zellen und schickte ihm ein erleichtertes Grinsen der Vorfreude aufs Gesicht. Großartig, wie fantastisch, jubelte er innerlich bei diesem ersten optischen Eindruck, der zu einhundert Prozent die Rettung seiner nicht mehr vollständig trockenen Hose bedeutete, wie er zu jenem Zeitpunkt annahm.

Zu seinem Unglück erwies sich diese Aussicht jedoch als trügerisch, denn kaum, dass er den Türgriff des Herrenklos in die Hand genommen hatte und mit einem energischen Ruck daran zog, stellte er fest, dass es verschlossen war. Ebenso verhielt es sich mit der Eingangstür zum Damen-WC, wie er erkannte, während er probehalber auch dessen Türklinke bewegte. Es würden Instandsetzungsarbeiten an den defekten Sanitäranlagen ausgeführt werden, las er niedergeschlagen auf dem Zettel, der seitlich des Türblatts befestigt war.

 

Fatalerweise waren jedoch, wie vorab an der Hausmauer, bereits alle Impulse seines Gehirns auf das kurz bevorstehende Pinkeln eingestellt, was die Lage unerträglich für Konstantin gestaltete. Mit letzter Kraft versuchte er gegenzuhalten und die Muskulatur seines Unterkörpers kräftiger anzuspannen, als er es ohnehin schon tat, doch seine Bemühungen blieben ohne Wirkung. Er musste mittlerweile viel zu nötig und seine Harnblase war noch immer deutlich zu voll, als dass er sich dem massiven Fordern seines Schließmuskels um Lockerung länger widersetzen konnte.

So blieb ihm, um die Hose und seine klamme Unterwäsche vor dem gröbsten Fiasko zu bewahren, nichts anderes übrig, als den Penis mit vor Anstrengung zitternden Fingern ein weiteres Mal aus dem hastig heruntergerissenen Reißverschluss hervorzuholen.

 

Die zuvor achtlos auf den Boden fallengelassene Tasche lag neben seinem linken Fuß, als er es gerade noch schaffte, das Glied vor dem sturzbachartigen Lospinkeln aus den beiden Kleidungsschichten zu befreien. Während er es tat, fühlte er den heißen Urinstrahl bereits durch die Harnröhre schießen und inmitten des Herausziehens benetzte er ihm die Fingerspitzen der rechten Hand.

Konstantin spürte die warme Nässe an den Fingern kaum, war einzig durchflutet von dem allumfassenden Gefühl der totalen Erleichterung, welches ihn im selben Moment erfasste, in dem er bewusst die Schleusen öffnete. Trotzig und mit einem tiefen Ausatmen sah er dabei zu, wie der außerordentlich kraftvolle Strahl gegen den Türrahmen der Herrentoilette jagte, von dort zurück spritzte und den gesamten Bereich des davor verlegten Pflasterbodens in einen See aus Urin verwandelte.

 

Sein unzulässiges, öffentliches Pinkeln verursachte ein solch lautes und prasselndes Geräusch, das vorbeikommende Passanten aufmerkten und zu ihm herüberschauten, doch jenes Detail war dem 36-Jährigen vollkommen gleichgültig. Nichts anderes, als dass er endlich losließ und sich der angesammelten, viel zu lang zurückgedrängten Menge seines Blaseninhaltes entledigte, zählte für ihn. Warm und köstlich befreiend rauschte der nicht endenwollende Strahl durch seinen Penis hindurch. Dessen dezentes Vibrieren kitzelte Konstantin von innen an den Fingerkuppen und als die letzten Tropfen kamen, verspürte er zu dem wunderbaren Kribbeln gleichzeitig eine Leichtigkeit, von der er nicht geahnt hatte, dass ein Mensch sie auf einem solch hohen Grad empfinden könnte.

 

Selbst dass er sich zu dem Geschäftstermin in der Praxis des Allgemeinarztes verspäten würde, interessierte ihn in dieser überwältigend schönen Situation nicht. Zu befriedigend war es, den Penis nach dem befreienden Wasserlassen erneut in die Hose und den, zugegebenermaßen recht feucht gewordenen, Slip zurückzuschieben.

Mit nichts auf der Welt hätte Konstantin dieses erhebende Gefühl eintauschen wollen, zu dem sich nun, in jenem Augenblick, in dem sein Hirn wieder Platz für andere Gedankengänge fand, als die verzweifelte Klosuche, die Erinnerung an die zurückliegende Nacht gesellte. Wie passend war es da, dass ihm die Verabschiedung bei Morgenanbruch einfiel, in dessen Zuge seine frische Liebe und er schon das nächste Wiedersehen besprochen hatten.

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