Machtspiel (Kurzgeschichte)

Machtspiel

Von Magenta König

Kurzgeschichte, erschienen am 04.04.2019

Magnus atmete tief durch. Er konnte kaum glauben, was er sah. Dieses freche Luder zog wirklich alle Register. Lasziv saß sie in einem Sessel mitten in seinem Wohnzimmer, ein Bein über die Lehne gelegt, und lächelte ihn selbstsicher an.

„Ich dachte, ich komme noch einmal vorbei und verabschiede mich. Außerdem sollte ich dir wohl den Haustürschlüssel zurückgeben.“ Magnus nickte. Natürlich sollte sie das – er hatte nur nicht damit gerechnet, dass sie die Dreistigkeit besitzen würde, erneut bei ihm aufzutauchen. Aus seiner Sicht hätte es vollkommen genügt, den Schlüsselbund in den Briefkasten zu werfen.

Er zog seine Jacke aus und schleuderte sie über einen Stuhl. Ärger ballte sich in seinem Magen zusammen. Er hatte Julia nie wieder sehen wollen … und schon gar nicht in seinem eigenen Haus. Und nun saß sie hier und tat, als wäre alles in bester Ordnung. Er fragte sich, was sie damit bezwecken wollte: War es eine Art Wiedergutmachung? Beabsichtigte sie, ihre Beziehung wieder zu kitten?

 

Nachdem er herausgefunden hatte, dass sie ihn betrog, hatte Magnus sie hinaus geworfen. Es hatte eine laute und wütende Szene gegeben, dann war sie gegangen. Er nahm an, dass sie vorübergehend bei einer Freundin untergekommen war. Ihm war es gleichgültig; die Beziehung hatte schon länger nicht mehr richtig funktioniert und eigentlich war der Betrug nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Seitdem sie weg war, fühlte er sich allerdings ziemlich allein. Und noch schlimmer war, dass er sich körperlich nach ihr sehnte. Wenn auch fast alles andere zwischen ihnen schwierig gewesen war, so hatte zumindest die sexuelle Komponente immer hervorragend funktioniert. Möglicherweise deshalb, weil sie ähnliche Vorlieben hatten … oder anders gesagt, weil sie sich ergänzten.

Sie liebten beide Machtspiele. Magnus war der dominante Teil im Bett, Julia wollte sich unterwerfen. Sie gaben sich gegenseitig das, wonach sie sich sehnten. Ihm gefiel es, seiner Geliebten die Befriedigung zu geben, die sie sich wünschte. Es war ein ungeheurer Kick, zu sehen, wie Julias Augen leuchteten, wenn er sie schlug oder sie zu seinen Füßen lag. Ironischerweise hatte dies keinen Einfluss auf ihr sonstiges Gebaren. So sehr sie beim Sex gedemütigt werden wollte, so oft hatte sie im Alltag die Oberhand.

 

Der Betrug war eigentlich nur die Spitze des Eisberges – und bis heute fragte Magnus sich, warum es gerade daran zerbrochen war. Der Sex zwischen ihnen war das Beste gewesen, was sie hatten. Und vermutlich hätte Magnus sich auch hier arrangiert, wenn sie ihm gesagt hätte, dass sie Abwechslung brauchte. Doch offensichtlich sah die attraktive Blondine, die dort so aufreizend in seinem Sessel saß, das anders. Sie hatte sich hinter seinem Rücken einen anderen gesucht.

Fast gegen seinen Willen spürte Magnus, wie es in seinen Lenden zog, während er seine ehemalige Partnerin betrachtete und dabei automatisch an Sex mit ihr denken musste. Diese Gedanken und Gefühle hätte er niemals zugegeben – erst Recht nicht vor Julia. Ihr plötzliches Auftauchen machte ihm seine Einsamkeit einmal mehr bewusst, und doch hätte er sich eher die Zunge abgebissen, als einzugestehen, dass er sich allein fühlte ohne sie. Die Präsenz seiner Ex-Freundin, die so selbstverständlich in seinem Lieblingssessel lag, tat ihm fast körperlich weh.

Magnus reagierte entsprechend unbeherrscht, um seine Irritation und sein emotionales Chaos zu überspielen.

„Hau ab, Julia. Du hast hier nichts mehr zu suchen.“ Statt einer Antwort lächelte sie noch breiter.

 

Magnus erstarrte, als sie sich langsam erhob und auf ihn zukam. Ohne es zu wollen, registrierte er jedes Detail ihrer Kleidung. Er bemerkte, dass sie den kurzen Rock trug, den er so an ihr liebte und der oft eine geeignete Einleitung für ihr Liebesspiel war. Ein dutzend Mal hatte er ihr vermeintlich ernsthaft vorgeworfen, sie würde sich entschieden zu aufreizend kleiden – nur um sie für ihr Vergehen angemessen lustvoll zu bestrafen. Nun stand es ihm nicht mehr zu, sich über ihre Kleidung zu äußern. Sollte sie diese Spielchen doch mit jemand anderem treiben … Diese Vorstellung bescherte ihm einen weiteren Stich in der Magengegend.

„Ich wüsste zu gern, was du jetzt denkst.“ Ihre Worte waren eine einzige Provokation. Magnus versuchte, ihr nicht ins Gesicht zu sehen; zu spät bemerkte er, dass er stattdessen auf ihren Busen starrte.

„Das geht dich nichts an“, fauchte er ruppig. Nun schaute er sie doch an. Er schwankte zwischen Wut, Sehnsucht und dem immer stärker werdenden körperlichen Verlangen, das Julia nach wie vor in ihm auslöste. Blut schoss in seinen Unterleib und sorgte dafür, dass seine Männlichkeit sich langsam aufrichtete. Und er ahnte, dass seine Ex sehr wohl wusste, wie sie auf ihn wirkte.

 

Als Beweis seiner Vermutung legte sie plötzlich eine Hand auf seine Brust. Heiß brannte die Berührung auf seiner Haut; trotz des Hemdes, das den direkten Kontakt unterband, nahm er sie wahr.

Intuitiv schob er ihre Hand weg. Seiner Meinung nach benahm Julia sich unmöglich. Einfach in seinem Haus aufzutauchen, ihn zu provozieren, obwohl sie doch wusste, wie wütend und verletzt er war … es war fast wie früher, wenn sie Sex wollte, er jedoch nicht. Sie hatte immer gewusst, wie sie ihn so lange reizte, bis er die Einladung annahm und sie bestrafte. Meistens waren das die erregendsten Momente ihrer gesamten Beziehung. Julia wusste schon immer, wie sie es schaffte, dass er die Beherrschung verlor …

 

„Verschwinde endlich. Oder …“ In der Sekunde, in der er es sagte, erkannte Magnus, dass es falsch gewesen war. Die ganze Sache lief in die verkehrte Richtung. Sofort hakte sie ein:

„Oder was?“ Ihre Stimme klang plötzlich rau. Magnus sah das Glitzern in ihren Augen und gab auf. Auch er wollte Sex, und er wollte sie tatsächlich bestrafen für das, was sie ihm angetan hatte. Eigentlich hatte er immer an dem Grundsatz festgehalten, niemals aus einer Emotion heraus in ein Spiel einzusteigen. Julia liebte es, dies auszuhebeln. Wenn sie es dermaßen herausforderte, sah er keinen Grund, sich noch länger zurückzuhalten.

„Oder du wirst es bereuen“, knurrte er leise. Eine Woge der Erregung flutete über ihn hinweg.

Ohne nachzudenken, griff er nach Julias Handgelenk. Seine Finger schlossen sich so fest um ihren schmalen Arm, dass er ihr weh tat. Er wusste es, doch es machte ihm nichts aus. Sie wollte es so – hatte es immer so gewollt.

 

Mit einem Ruck zog er sie an sich. Ihre Lippen fanden sich zu einem tiefen, verlangenden Kuss, bevor Magnus seine Ex-Freundin von sich stieß und sie vor sich her in die Küche drängte.

Beide wussten, wie es weitergehen würde. Magnus war ohnehin der körperlich Stärkere, eine Eigenschaft, die sie seit jeher besonders sexy fand, doch Julia wehrte sich sowieso nicht. Fast vermittelte sie ihm den Eindruck, sich ebenso nach ihrer Strafe zu sehnen, wie Magnus darauf brannte, sie ihr zu erteilen. Heute brauchte er keinen Vorwand. Noch nie hatte sie es so sehr verdient, von ihm geschlagen zu werden, wie jetzt.

 

Er schob sie über den schmalen Tresen, der in der kleinen Küche als einziger Sitzplatz diente. Hier hatten sie fast jeden Tag miteinander gefrühstückt.

Ein Stuhl schabte laut hörbar über den Fliesenboden, als Magnus ihn mit dem Fuß beiseite stieß. Die Tageszeitung flog zu Boden. Magnus hielt Julias Arme mit einer Hand auf ihrem Rücken zusammen, die andere zog mit einem Ruck den kurzen Rock nach oben.

Durch den dünnen Nylonstoff der Strumpfhose sah er Julias nackten Hintern; sie trug nicht einmal einen Slip unter dem Mini. Natürlich, sie hatte all dies geplant. Es gab ein ratschendes Geräusch, als seine Finger sich durch das Nylon bohrten, während er hektisch die Strumpfhose von Julias Po zerrte. Das Kleidungsstück war ruiniert, doch dies interessierte niemanden.

Magnus fühlte, wie seine Erregung ein weiteres Stück nach oben schoss. Zu lange hatte er auf Sex und besonders auf diese erotische Variante verzichten müssen. Nun, mit diesem verlockenden, runden Hintern vor Augen, konnte er sich nicht mehr bremsen. Ohne zu zögern ließ er seine Hand fest auf die nackte Haut klatschen …

 

Julia stöhnte auf. Als er das zweite Mal zuschlug, hatte sich sein Penis bereits zu voller Größe aufgerichtet und drückte heftig in seiner engen Jeans. Es war nicht gerade die perfekte Situation, doch es war genau das, was Magnus vermisst hatte, seit Julia weg war. Und es erfüllte ihn mit einer enormen Genugtuung, dass sie es war, die zu ihm zurückgekommen war. Offenbar fehlte auch ihr etwas. Noch besser war jedoch der Umstand, dass er sie bestrafen konnte. Auch, wenn ein versohlter Hintern zu ihrem üblichen Liebesspiel gehört hatte, so würde er sich diesmal sicher nicht zurückhalten. Sie konnte ruhig spüren, was sie ihm angetan hatte.

Abwechselnd sauste seine Hand auf ihre Pohälften, die sich unter den Hieben schon deutlich röteten. Magnus spürte seine Handfläche. Bewusst platzierte er die Schläge so, dass jeder Quadratzentimeter von Julias Haut etwas abbekam.

Noch immer hielt er die Arme seiner Ex-Freundin fest, die in einer unkomfortablen Lage auf dem Tresen lag und bei jedem Mal zusammen zuckte, wenn der Schmerz durch ihre Kehrseite schoss. Er bedauerte, nicht in ihr Gesicht sehen zu können …

 

Jeder Schlag war in der gefliesten Küche laut vernehmbar. Das Klatschen vermischte sich mit Julias Wimmern, das ihm bewies, dass es nicht nur Genuss für sie war. Sicher, es törnte sie an und er kannte sie gut genug, um zu wissen, was sie vertragen konnte, dennoch ahnte er, dass sie spürte, wie ernst er es meinte. Und er gedachte nicht, sie so schnell davonkommen zu lassen. Dafür war es viel zu gut.

Ungeduldig pochte sein stahlharter Phallus, kleine Lustblitze explodierten in seinem Unterleib. Ein Gedanke schoss in Magnus‘ Hirn. Es gab etwas, dass er schon lange einmal hatte ausprobieren wollen und nun bot sich die perfekte Gelegenheit.

 

Er hielt kurz inne und zog eine nahegelegene Schublade auf. Mit einem schnellen Griff holte er den hölzernen Kochlöffel hervor, der schon häufig der Anlass für anzügliche Scherze gewesen, jedoch noch niemals zum Einsatz gekommen war. Beide wussten, wie viel schmerzhafter der Kochlöffel als die bloße Hand sein konnte – und letztendlich ging es ja nur um ein Sexspiel. Heute allerdings war es das ideale Schlaginstrument.

 

Der erste Hieb war noch vorsichtig und wohldosiert, aber dennoch … Julia schrie leise auf. Magnus spürte, dass sie versuchte, sich aufzurichten, doch er hielt sie in unerbittlichem Griff.

„Das war es doch, was du wolltest, oder? Weshalb sonst bist du hier?“ Sie gab keine Antwort.

Der zweite Schlag war fester, der dritte ebenso. Julias Hintern leuchtete förmlich, so gut war er durchblutet.

In Magnus‘ Kopf wirbelten die Gedanken durcheinander, während seine Geilheit immer stärker Besitz von ihm ergriff. Seine Ex-Freundin wand sich, versuchte, sich zu befreien, doch sie hatte gegen ihn keine Chance. Ihre Gegenwehr machte die Szene nur noch reizvoller … auch für sie, wie er sehr wohl wusste.

Einmal unterbrach er für einen Moment, schob den Löffelstiel zwischen Julias Schenkel. Sofort stöhnte sie ungehalten auf. Sanfte Bewegungen stimulierten sie derart, dass sie versuchte, sich dem Küchengerät entgegenzudrängen, doch Magnus hinderte sie ebenso, wie die halb herunter gezogene Strumpfhose, die ihre Beine fesselte.

Schließlich hielt sie still, bemüht, sich nicht anmerken zu lassen, wie kurz sie bereits vor ihrem Höhepunkt stand. Magnus sah den glitzernden, feuchten Film ihrer Lust auf dem lackierten Holz. Unvermittelt stoppte er die Liebkosungen wieder.

 

Bevor Julia die Möglichkeit hatte, sich darauf einzustellen, sauste der nächste Hieb auf ihren strapazierten Po hinunter und ließ sie aufschreien …

Auch, wenn sie sich alle Mühe gab, die Beherrschung nicht völlig zu verlieren, scheiterte sie.

Magnus schlug sie ungerührt weiter, so lange, bis er sich sicher war, dass sie tatsächlich nicht mehr konnte. Mit erstickter Stimme flehte sie ihn an, aufzuhören; doch nicht nur das: Ohne Aufforderung brachen ihre Gefühle aus ihr heraus. Magnus glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen, als seine stolze und unnachgiebige Julia ihn anbettelte, ihr zu verzeihen.

„Es tut mir so leid, Magnus …“ Das, was ihr sonst niemals über die Lippen gekommen wäre, konnte sie in dieser Situation plötzlich aussprechen. Sie sagte ihm, wie sehr er ihr fehlte, wie sehr sie ihn vermisste.

 

Magnus stellte die Strafe sofort ein. Klappernd fiel der Löffel auf die Arbeitsfläche. Er war hin- und hergerissen zwischen seiner unbändigen Erregung und dem Wunsch, sich Julia zu nehmen und der Überraschung über diesen unerwarteten Gefühlsausbruch.

Langsam ließ er ihre Hände los. Steif und unbeholfen drehte die junge Frau sich um.

Magnus stellte fest, dass sie geweint hatte; ob die Schläge oder ihr schlechtes Gewissen der Auslöser waren, konnte er nicht sagen, doch zumindest war Julia insofern die alte, als dass sie sich ihre Tränen nicht hatte anmerken lassen. Jetzt lächelte sie sogar. Als sie bemerkte, wie er sie ansah, schlich sich der gut bekannte, provokative Unterton wieder in ihre Stimme:

„Und worauf wartest du noch? Ich wette, du bist genau so geil wie ich!“

 

Magnus zog sie von den Füßen und setzte sie vor sich auf den Tresen. Natürlich wusste er, wie die kalte Oberfläche und das Gewicht auf Julias Hinterteil brannten, doch dies war nur ein zusätzlicher Kick.

Schnell hatte er die Reste der Strumpfhose zerrissen. Fast automatisch schlang die zierliche Blondine ihre Beine um seine Hüften.

Magnus brauchte nur Sekunden, um seinen steifen Schwanz aus der Jeans zu befreien. Er keuchte auf, als seine Eichel zwischen Julias Schamlippen glitt, er dort die überflutende Nässe fühlte. Er hatte Recht gehabt; auch für sie war es ein unvergessliches Erlebnis. Selten lief Julia derart aus vor Erregung.

 

Problemlos schob er sich in sie, spürte, wie fest ihr heißes Fleisch sich um seinen Harten schloss.

„Gott, wie hab ich das vermisst.“ Er lächelte über dieses überschwängliche Kompliment aus ihrem Mund. Als er innehielt, um sich an das intensive Gefühl zu gewöhnen und um sich eine Pause zu verschaffen, damit er sich nicht sofort in ihr ergoss, klammerte Julia sich noch fester an ihn. Sie spannte ihre Muskeln, zog ihn so tief in sich, wie möglich. Sie stöhnte leise.

„Du hast mir auch gefehlt.“ Magnus schob die Hände unter den Po seiner Freundin, hielt sie fest, als er begann, sich in ihr zu bewegen. Schnell fanden sie ihren gemeinsamen Takt. Ihre Körper wurden zu einem, als sie sich immer weiter in ihre Lust steigerten. Der Küchentresen wackelte. Sein tiefes Keuchen mischte sich mit ihrem ungezügelten Wimmern. Es war wie immer … oder vielleicht noch besser?!

Kurz darauf kündigte Julia ihren Orgasmus an, der sie überraschend schnell überwältigte. Nun war es auch mit Magnus‘ Disziplin vorbei: Heiß und heftig kam er, weit in Julias engen Schoß hineingepresst …

 

„War das dein Plan, um dich bei mir zu entschuldigen?“

Schneller atmend standen sie eine ganze Weile einfach da, hielten sich eng umschlungen. Magnus fühlte das erhitzte Gesicht seiner Freundin an seinem Hals. Sie brummte zustimmend.

„Du bist ein echtes Miststück, weißt du das?“ Er konnte es nicht fassen. Es war der geilste Orgasmus seit einer Ewigkeit gewesen, dennoch empfand er es als typisch für Julia, dass er sie erst schlagen musste, bevor sie es schaffte, sich selbst zu überwinden. Wie gut, dass sie wenigstens beide darauf standen. Er musste grinsen.

Am Vibrieren ihres Körpers spürte er plötzlich, dass auch sie leise lachte.

„Ach Magnus, ich liebe dich auch!“

VG Wort