Nass, nasser, Laura – Verhängnisvoller Blasendruck im Möbelhaus (Kurzgeschichte)

Nass, nasser, Laura
Verhängnisvoller Blasendruck im Möbelhaus

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 17.09.2020

Am gestrigen Nachmittag hatte meine beste Freundin die peinliche Erfahrung machen müssen, dass es ratsam ist, die Cafeteria in einem Möbelgeschäft erst nach dem Bummeln zu besuchen, und nicht schon vorher. Der frühe Umweg über das Ikea-Restaurant war von ihr und ihrem Dickkopf jedoch derart fest eingeplant gewesen, dass sie jegliche Argumente, die dagegen sprachen, unbekümmert in den Wind geschlagen hatte. Ein katastrophaler Fehler, der knapp zwei Stunden später zutiefst von ihr bereut worden war …

 

Ihrem ersten, randvoll gefüllten Kaffeebecher war schnell ein weiterer gefolgt, welchen Laura mit ebenso großer Begeisterung vollständig leerte. Ich hingegen beließ es bei einem Getränk – zu besorgniserregend schwirrten mir meine Mahnungen und Warnungen, die die Freundin allesamt leichtsinnigerweise abgeschmettert hatte, weiterhin im Kopf herum. So knabberte ich stattdessen genüsslich an einer frischen, noch warmen Waffel, die so köstlich schmeckte, wie sie duftete, anstelle mir meinen Becher ebenfalls ein zweites Mal nachzufüllen.

 

Gegen 15.00 Uhr erhoben wir uns von unseren Stühlen und machten uns auf, die Shopping-Tour durch die Welt des schwedischen Wohnens zu beginnen. Den Toilettenbereich des Kundenrestaurants ließen wir, obwohl Laura bereits ein leichtes Signal ihrer Blase empfing, wie sie mir hinterher berichtet hatte, links liegen. Zu gespannt und aufgeregt waren wir, uns all die vielen, schönen Dinge anzuschauen, als dass wir den Aufbruch noch weiter nach hinten hätten verschieben wollen.

Wir nahmen uns Zeit, betrachteten die ausgestellten Einrichtungs- und Dekogegenstände ausgiebig und ließen es uns nicht nehmen, uns zur Probe auf dem einen oder anderen Sitzmöbel niederzulassen.

 

»He Jannika, ich kann dir sagen, das Sitzen tut echt gut, wenn man dringend zum Klo muss«, brach es irgendwann impulsiv aus Laura heraus, nachdem wir schon ein Stück vorangekommen waren und sie mit zunehmender Eile bereits den x-ten Sessel angesteuert hatte. Das war ja klar … Ich hatte es kommen sehen, behielt mein Urteil darüber jedoch für mich, da es meiner hübschen, blonden Freundin im Moment sowieso nichts nützen würde.

»Sollen wir umkehren? Willst du zurück zum Restaurant-WC?«, erkundigte ich mich ersatzweise und konnte nicht anders, als innerlich zu seufzen.

»Nein, kein Problem, so schlimm ist es nicht«, lächelte Laura die Unannehmlichkeit fort und ahnte nicht im mindesten, welch verhängnisvoller Blasendruck sie im Möbelhaus noch erwartete. Mit ihrem Po wibbelte sie ein wenig auf der Sitzfläche herum – so leicht, dass ich es nicht erkennen sollte, und erhob sich dann wieder, damit wir weiterziehen konnten.

Dies taten wir. Und wann immer ich bei einem Ausstellungsstück anhielt, um einen Blick auf das Preisschild zu werfen, fiel mir auf, dass es der Blondine neben mir nicht gelang, ruhig auf dem Fleck stehenzubleiben. Sie trat hektisch von einem Fuß auf den anderen und gab vor, die in der Nähe befindlichen Vasen und weiteren Dekorationsartikel in Augenschein nehmen zu wollen, nur um sich in Bewegung halten zu können.

 

»Du musst inzwischen ziemlich nötig, oder?«, sprach ich ihre sichtlich peinvolle Situation eine halbe Stunde später direkt an, woraufhin Laura im selben Augenblick mit dem Kopf nickte und mir gegenüber einräumte, wie sehr ich mit meinen Vorahnungen recht gehabt hatte.

»Warum werde ich auch nicht schlau, ich dusselige Kuh? Na klar, war es richtig, was du gesagt hast, und ich hätte auf dich hören sollen«, gab sie kleinlaut zu, wobei sie nun stärker auf der Stelle tänzelte und sich die Hand fest zwischen die Beine drückte. »Und du kannst dir nicht vorstellen, wie grottendämlich ich war, dass ich zum Frühstück schon jede Menge Tee getrunken habe und nicht einmal zur Toilette gegangen bin, bevor du mich zuhause abgeholt hast. Nun will das alles zusammen mit dem Kaffee wieder raus, und zwar megaheftig …« Obwohl sie die Stimme gesenkt hielt, war deutlich der gequälte und jammernde Unterton aus Lauras Worten herauszuhören.

 

Wir befanden uns nicht allein bei dem schwedischen Möbelriesen – um uns herum tummelte sich eine Vielzahl von Menschen, welche nicht nur interessiert die Möbel ansahen, sondern ebenso neugierig zu uns Frauen herüberschauten. Insbesondere an Laura hafteten die Blicke, die sich mit den Fingern im Schritt und sichtlich bedrückter Miene inmitten der Einrichtungsgegenstände einigermaßen unauffällig zu benehmen versuchte. Dieses gelang nicht vollständig, was uns bewog, möglichst rasch voranzukommen.

Auf unserem weiteren Marsch, der nun merklich hastiger ablief, kamen wir in der großräumigen Möbelabteilung an improvisierten Beispielwohnungen vorbei, die von den Mitarbeitern aufgebaut und zur Inspiration eingerichtet worden waren. Diese besaßen allesamt nachgebildete Badezimmer, von welchen Laura sich wie magisch angezogen fühlte.

»Oh man, da ist schon wieder ein Klo drin … Wie verdammt echt das aussieht. Ich will da drauf und einfach lospinkeln …«, gestand sie mir mit einem Zittern in der Stimme, das ich an diesem Nachmittag zum ersten Mal wahrnahm.

»Du weißt, dass das nicht geht«, desillusionierte ich sie überflüssigerweise.

»Ja, sicher, aber geil wär’s trotzdem … Boah, ich muss so irre dringend, dass ich mich nicht mehr traue, die Hand fortzunehmen«, gab sie flüsternd und mit Tränen in den Augen zu, was die Notwendigkeit ihres Anliegens unmissverständlich betonte.

 

»Schnell, Jannika, weiter«, hetzte meine beste Freundin voran, so dass ich mich beeilen musste, um mit ihr Schritt halten zu können. Mittlerweile sprinteten wir fast, was zu Lauras großem Bedauern jedoch nicht verhinderte, dass ihr Blasenschließmuskel allmählich schwächelte. An der Treppe zum Untergeschoss zeigte sich schließlich ein erster dunkler Pipi-Fleck im hellblauen Stoff ihrer ausgewaschenen Jeans.

»Oh je, jetzt läuft schon was, von ganz allein …«, erschrak sie und krümmte sich reflexartig nach vorn. Gleichzeitig strömten heiße Tränen über ihre Wangen, was mir unendlich leidtat. Ich verspürte außerordentlich großes Mitgefühl mit meiner langjährigen Freundin, konnte aber bedauerlicherweise nicht helfen.

 

Die Leute gingen rechts und links an uns vorüber, nahmen die Stufen abwärts und wandten sich hierbei vereinzelt zu Laura um. Sie schauten über ihre Schulter hinweg zu der weinenden jungen Frau, starrten sie an und warfen einen indiskreten Blick in ihren Schritt, den sie sich nach wie vor angestrengt zuhielt.

»Ich renn zurück und mach in das Fake-Klo«, heulte sie entmutigt.

»Bloß nicht, das WC ist überhaupt nicht angeschlossen.« Ich legte den Arm um die Schultern meiner niedergeschlagenen und vornübergebeugten Freundin. »Was meinst du, wie viele Menschen es mitkriegen würden und wie peinlich das wäre? Alles würde unten aus der lose stehenden Toilettenschüssel rauslaufen und sich auf dem Fußboden verteilen. Das willst du nicht wirklich, glaub mir.«

»Wahrscheinlich nicht«, pflichtete mir die hübsche Blonde, mit der ich seit über zehn Jahren durch dick und dünn ging, tapfer und mit der Nase schniefend bei. »Dann lass uns jetzt aber wenigstens schnell die Treppe runter und endlich, endlich zu den echten Toiletten kommen. Ich kann gleich nicht mehr …«

 

Mit einem Papiertaschentuch aus ihrer Handtasche hatte sie sich notdürftig geschnäuzt und sich die Augen trockengewischt, bevor sie mir mit der Hand im Schoß voraneilte und wir uns gemeinsam den Weg durch die Kundenströme des Einrichtungshauses bahnten.

Zielgerichtet strebten wir in Richtung des Kassenbereichs, hinter dem sich die Sanitäranlagen befanden. Dies war allerdings nicht einfach, da wir stets aufs Neue durch Gruppen von Personen abgebremst wurden, die abrupt im Laufbereich anhielten, um sich hier und da etwas anzusehen.

In Momenten wie diesen knickte Laura unwillkürlich in den Knien ein und konnte ein erneutes, kurzes Aufgeben der Blase nicht unterbinden. Es dauerte nur Sekunden, doch in diesen floss immer wieder neuerlicher Urin aus ihr heraus, der den anfänglich noch kleinen Spot zwischen ihren Schenkeln größer und auffälliger werden ließ. Nach einigen solcher fatalen Stopps war der dunkelblau-glänzende Fleck im Schritt der hellen Jeans für jedermann erkennbar.

 

Du meine Güte, wie kurz sie vor dem Platzen ist, dachte ich nervös, als mir auffiel, während ich Laura hinterher hastete, dass sich der nasse Urinfleck ihrer Hose bereits bis zum Po hinauf ausgebreitet hatte. Zudem zog er sich in dünnen Bahnen an den Innenseiten der Oberschenkel in Richtung der Knie hinunter, nachdem sie die Beine für einen Schritt seitwärts erneut etwas weiter hatte auseinandernehmen müssen. Dies waren die Augenblicke, in denen meine Freundin die Beherrschung über ihre Blase vollends aufgeben musste, bis sie ihre Schenkel ersehnterweise wieder fest zusammenkneifen konnte. Diese Art des pressenden Einhaltens, wobei sie inzwischen die Finger beider Hände zu Hilfe nahm, behielt sie auch inmitten des Laufens bei, das auf unglücklichste Art an ein Pinkelnot-Hindernisrennen erinnerte.

 

Selten hatte ich so sehr mit meiner besten Freundin mitgelitten, wie in der alles entscheidenden Situation, in der sie sich in der Pflanzenabteilung voller Hektik einen Keramik-Übertopf vom Regal nahm und mit ihm in eine der Ecken verschwand. Zwar war ich angesichts dieser kurzentschlossenen Handlung zunächst perplex, verstand aber sofort, dass die Zeit bei weitem zu knapp gewesen war, um mir zuvor auch nur ansatzweise von jenem ungeplant-verzweifelten Einfall zu erzählen.

Was Laura vorhatte, war nicht schwer zu erraten, genauso, wie man erahnen konnte, wie unsagbar groß ihre Not und die damit verbundene Hilflosigkeit sein musste, dass sie ein Vorgehen wie dieses in Erwägung zog.

Ihr kaum aushaltbares Leiden und das Gefühl der totalen Ausweglosigkeit hinsichtlich ihres Klo-Problems mitzuerleben, versetzte mir einen spürbaren Stich ins Herz. Wenn ich nur etwas für sie tun könnte, wünschte ich mir. Zu meinem Bedauern fiel mir allerdings nichts Besseres ein, als ihr in dem Moment, in dem sie nicht anders konnte, als sich vor den Augen aller Anwesenden in einen Übertopf zu erleichtern, zumindest einen Sichtschutz zu bieten.

 

Ich wollte meiner Freundin soeben nacheilen, und mich zur Abschirmung fremder Blicke vor sie stellen, als ich auf halber Strecke erschüttert stoppte. Ich hörte, ebenso wie die anderen Kunden, ihren schrillen Aufschrei, hielt den Atem an und schaute entgeistert zu Laura herüber. Es ist zu spät, realisierte ich, als ich in ihre Körpermitte sah, in der es schlagartig pitschnass wurde. Ich begriff, dass ihre berstendvolle Blase gesiegt hatte und sie sich nun gnadenlos in die Hose pinkelte.

»Nein, oh Gott, nein! Nein, nein!«, heulte die Blondine mit den langen Haaren hemmungslos und war nicht in der Lage, den Blick von ihrem Schoß abzuwenden. Dieser lief richtiggehend über; den Keramiktopf noch in der Hand haltend, stand sie mit überkreuzten Beinen da und konnte, wenn ich den Ausdruck ihres Gesichts richtig deutete, nicht fassen, was in jenem beschämenden Augenblick mit ihr geschah.

Es drang gelb und nass zwischen den voreinandergestellten Oberschenkeln heraus, bis die übersprudelnde Flut gleich einem kräftigen Wasserfall zu Boden rauschte.

 

Während die feucht-glänzenden Rinnsale an den Innenseiten der Hosenbeine breiter wurden und es in großer Menge und von einem hörbaren Plätschern begleitet, aus ihren Beinabschlüssen herausfloss und unaufhaltbar in ihre Schuhe hineinlief, strömten auch bei Laura wieder die Tränen. Sie weinte heftig – zutiefst erniedrigt und mit einer unverkennbaren Schamesröte im Gesicht, wagte sie nicht, den Kopf zu heben, um sich umzusehen. Dieses übernahm ich für sie und bemerkte hierbei, dass die Menschen weit mehr als neugierig, fast schon sensationslüstern, zu ihr herüber gafften.

Hiervon maßlos empört sprang ich an die Seite meiner Freundin und rief den umstehenden Kunden zu, dass sie um Himmels willen weitergehen sollten. Die meisten von ihnen kamen der Aufforderung zügig nach, bei anderen dauerte es ein bisschen länger. Ein paar wenige Kundinnen verharrten mitfühlend. Diese boten uns ihre Unterstützung an, für die ich mich zwar bedankte, welche wir aber nicht benötigten, da uns ohnehin nichts anderes übrig blieb, als wie begossene Pudel auf dem kürzesten Wege in die Tiefgarage und zu Lauras Auto zu huschen.

 

Dort angekommen, legten wir einen Nässeschutz in Form einer flauschigen Wolldecke auf den Beifahrersitz, auf den Laura sich sogleich mit der durch und durch eingepinkelten Hose, welche feucht an Po und Beinen klebte, niedersinken ließ.

Ich hingegen setzte mich in Lauras Wagen hinter das Lenkrad, um das hübsche Häufchen Elend neben mir sicher zu ihrer Wohnung zu bringen, in der sie sich ohne Umwege ein heißes Bad einlassen und nach dem durchgestandenen Hosenpinkel-Schock ein großes Stück Schokolade gönnen wollte.

VG Wort