Raffiniert versteckt – Drängende Ostereiersuche im Garten (Kurzgeschichte)

Raffiniert versteckt
Drängende Ostereiersuche im Garten

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 01.04.2021

Schoko-Ostereier im Garten

»Guten Morgen, Liebes. Aufwachen …«, erklang die Stimme ihres Ehemannes vertraut an Marleens Ohr. Er flüsterte die Worte zärtlich, doch dieses änderte nichts an der Tatsache, dass er sie frühzeitig aus ihrem Schlummer erweckte.

»Och nö, nicht jetzt schon«, seufzte die junge Frau daher schlaftrunken, in der Hoffnung, Henri würde ihr noch einige weitere Minuten des Schlafes gönnen. Immerhin war Wochenende, die einzige Gelegenheit, zu der sie sich das Ausschlafen erlauben konnte.

»Aber heute ist Ostersonntag, mein Liebling«, raunte er ihr fortgesetzt zu, »und ich kann dir sagen, dass ein rosa-plüschiges Osterhäschen soeben unseren Garten verlassen hat. Ich habe es gerade noch davonhoppeln sehen … Wer weiß, was es Schönes für uns dagelassen hat?«

 

Ein Lächeln überzog Marleens Lippen. Welch eine niedliche Geschichte … Unter diesen Umständen und auch, da sie gespannt darauf war, was ihr Mann derart liebevoll vorbereitet hatte, schlug sie die Augen auf, zog sein Gesicht näher zu sich heran und drückte ihm einen Kuss auf den Mund.

Henris Atem duftete nach Zahnpasta, zudem war er bereits komplett angekleidet. Eine Sache, die er ihr eindeutig voraushatte, und die ihn in seinem Wunsch unterstützte, seine hübsche, noch reichlich schläfrige Ehefrau an die Hand zu nehmen und mit sanftem Nachdruck aus dem Bett zu ziehen.

»Komm, wir sollten nachschauen, Liebes, was in den Beeten auf dich wartet …«

»Ist ja gut, ich stehe schon auf«, schmunzelte Marleen mit ansteigender Laune und wurde, kaum, dass sie auf ihren Füßen stand, bereits aus dem Schlafzimmer in Richtung Terrassentür gelotst.

 

Im guten Glauben, vor ihrem Ausflug in den Garten noch rasch das Bad benutzen zu können, wandte sie sich auf ihrem Weg durch das Haus der entsprechenden Tür zu, wurde aber von Henri sogleich wieder umgelenkt.

»He, ich war nicht einmal zum Klo, außerdem bin ich noch in meinen Schlafklamotten«, unternahm die attraktive Blondine den Versuch eines Protests, der jedoch ungehört verhallte.

»Das kann warten, nun gehst du erstmal gucken«, vertröstete ihr Gatte sie mit spürbarer Aufregung. Er setzte sein Vorhaben unbeirrt fort – Marleen sollte nicht nur die Naschereien suchen, die er eine Stunde zuvor raffiniert versteckt hatte, sondern ebenfalls das kleine Schmuckstück finden, das sich zwischen den Osterleckereien verbarg.

Hiervon nichts ahnend, blickte die junge Frau im Gehen an sich herunter, sah den Snoopy-Aufdruck auf ihrem kurzgeschnittenen Nachthemd, welches ihr gerade einmal bis zur Mitte der Oberschenkel reichte und fühlte den massiven Druck in ihrer Blase. Diese zeigte ihr durch ein unangenehmes Pochen und einen ernsthaften Drang an, wie prallvoll sie über Nacht geworden war.

»Du Schatz, ich müsste vorher echt dringend zur Toilette …«, probierte sie es ein weiteres Mal, als ihre bessere Hälfte in diesem Augenblick schon die gläserne Schiebetür öffnete und seine Frau mit sich an die frische Luft zog.

 

Der warme Frühlingssonnenschein begleitete sie ebenso, wie der fröhliche Gesang der Vögel, als sie die drängende, von Henri arrangierte Ostereiersuche im Garten startete. Zwar freute Marleen sich und sie war von dem Szenario regelrecht gerührt, doch aufgrund der Tatsache, dass sie so furchtbar nötig aufs WC musste, wanderten ihre Gedanken immer wieder zu der Kloschüssel im Badezimmer ab. Nur zu gern würde sie sich in jenem Moment auf der WC-Schüssel niederlassen und dem mächtigen Druck in ihrem Inneren freien Lauf lassen, aber hieran war nicht im Entferntesten zu denken. Im Gegenteil, mit jeder Sekunde schien der Pinkeldrang heftiger zu werden – mittlerweile fiel ihr das Stillstehen schwer und sie tänzelte unruhig von einem Fuß auf den anderen.

 

Henri bemerkte hiervon nichts. Er schob sie zärtlich vorwärts, gab ihr vereinzelte, kleine Tipps und wies sie mit einem vorfreudigen Grinsen auf so manches Versteck hin, das ihr ohne seine Unterstützung nicht aufgefallen wäre. Ganz am Schluss, so lautete sein Plan, würde er sie zu der Stelle dirigieren, an der die Hauptattraktion verborgen lag.

»Die meisten Eier hast du, ähm, ich meine natürlich der Osterhase, sogar zu gut versteckt«, merkte Marleen in Situationen wie diesen an und war gleichzeitig versucht, sich die freie Hand, die das zur Hälfte bestückte Sammelkörbchen nicht festhielt, zwischen die Beine zu drücken. Oh Mann, wenn es nur schneller ginge und ich nicht so wahnsinnig pullern müsste, verfluchte sie den zum Platzen angefüllten Zustand ihrer Harnblase in Gedanken. Dass dieses jedoch nutzlos war und nicht das Geringste an ihrer Lage änderte, realisierte die 28-Jährige, als sie barfuß, in ihrem kurzen Nachthemd und mit desperat überkreuzten Schenkeln im eigenen Garten stand und knapp davor war, sich ins Höschen zu machen.

 

Zwischen Tulpen, Narzissen und anderen Frühlingsblumen lagen die lila- und goldfarbenen Schokoladen-Nascherein verborgen; selbst in den erreichbaren Zweigen und Astgabelungen der Bäume fand Marleen sorgsam abgelegte und verführerisch süße Osterpralinen. Sie sammelte gehetzt und ihre Freude wäre denkbar größer gewesen, wenn sie sich nicht durchgehend nach der Toilette im Haus gesehnt hätte.

In jenen Augenblicken, in denen sie glaubte, es kaum mehr einhalten zu können, warf sie einen Blick über ihre Schulter und schaute voller Verlangen zu der Terrassentür hinüber, die den Weg zum rettenden Klo aufzeigte.

Diesen Gang allerdings anzutreten und den österlichen Schauplatz, den Henri derart zauberhaft hergerichtet hatte, zu verlassen, mochte sie ihrem Mann nicht antun. Sie liebte ihn so innig, dass ihr seine Gefühle wichtiger waren, als die eigenen Bedürfnisse, auch wenn die Eiersuche am Ostersonntag sie noch so sehr quälte. Und eine Quälerei war es weiß Gott; immer näher kam sie dem Aufgeben, das Zurückdrängen der unsäglichen Menge Pipi, die vehement darauf bestand, hinausgelassen zu werden, kostete beinahe übermenschliche Kraft.

 

Obwohl Marleen ihren Schließmuskel eindringlich beschwor, sich weiterhin eisern geschlossen zu halten, widersetzte er sich dieser Anordnung und gab erste Tropfen aus ihrer kugelrund gefüllten, strapazierten Blase frei. Gierig und von der aufkommenden Panik ihrer Besitzerin begleitet, wurden sie vom Baumwollmaterial des Slips aufgesogen und hinterließen einen signifikant feuchten Fleck im Schritt. Oh Gott, jetzt läuft’s schon von allein, erfasste sie voller Schreck und raffte reflexartig ihr kurzes Nachthemd zusammen, um es sich stramm zwischen den Schenkeln hindurch nach hinten zu ziehen. Jener zusätzliche Druck von außen sollte helfen, sich nicht im nächsten Moment rettungslos einzupinkeln.

 

Wieder übersah Henri auch dieses Anzeichen der verzweifelten Not seiner Frau. Er ging voran, deutete mit dem Kopf dezent auf die einzelnen Verstecke und nahm lediglich am Rande wahr, wie ungelenk und hektisch Marleen ihm in ihrer dringlichen Situation hinterher stolperte.

Die Idee, das Höschen kurzerhand beiseitezuziehen und sich einfach zum Pieseln in das Gras zu hocken, kam nicht nur einmal bei der jungen Frau auf, doch die vielen Fenster der umstehenden Häuser, aus denen man freien Blick in ihren Garten hatte, hielten sie davon ab. Zu groß war ihre Scham und die Erinnerung an die Erziehung der Kindheit, dass sich ein solches Verhalten nicht gehöre. Selten zuvor hatte sie sich dermaßen hilflos und ausgeliefert gefühlt, wie in jenem Augenblick.

 

Bei einer besonders üppig blühenden, pinkfarbenen Tulpe blieb Henri plötzlich stehen. Ein breites Lächeln der Vorfreude überzog sein Gesicht, als er seiner bildschönen Ehefrau fast schon stolz den Platz präsentierte, an dem sich das Nachschauen seiner Ansicht nach am meisten lohnen würde.

»Und nun guck hier mal unter den Blättern, Liebes«, forderte er sie freudig auf. Marleen, die vor lauter Anspannung, die tosende Flut bis zum Ende der gutgemeinten Osteraktion in sich behalten zu wollen, weder ein noch aus wusste, folgte seinem aufgeregten Wink bereitwillig.

Ächzend und vor Anstrengung wimmernd, ja nicht vorzeitig die Kontrolle zu verlieren, ging sie vor der prächtigen Frühlingsblume in die Knie und nahm ein darunter verborgenes, rotes Schmuckschächtelchen an sich. Trotz der Not, in der sie sich befand, schlug ihr Herz schneller. Es ist Schmuck, er schenkt mir ein Schmuckstück, dachte sie innerlich jubilierend und wollte gerade wieder mühsam aufstehen, als ihr Körper im selben Moment kapitulierte und gegen ihren Willen den zitternden Schließmuskel der Blase spontan entspannte.

 

Noch in der halb aufrechten Haltung und ohne, dass sie es auch nur annähernd verhindern konnte, rauschte der Urin mit großem Druck und hörbar zischend aus ihrer Harnröhre hinaus. Vor Schreck spitz aufschreiend, ließ sie den Sammelkorb aus ihrer Hand fallen, erhob sich vollständig und schaute entsetzt an sich herunter. Den Tränen nah erkannte sie, wie die gewaltige Ansammlung von Pipi ähnlich eines Wasserfalls an den Innenseiten ihrer Beine hinab strömte. Eine Hitze, die der Verlegenheit und der unbeschreiblichen Scham Rechnung trug, die sie in dieser Sekunde empfand, breitete sich in ihrem völlig durchnässten Höschen aus.

»Oh nein, sieh nicht hin«, rief sie mit bebender Stimme aus. Es war das Erste, das ihr in jenem Augenblick der absoluten Bloßstellung vor ihrem Ehemann einfiel, doch dieser reagierte vollkommen anders, als von Marleen erwartet.

Tröstend und von einem berechtigten Schuldgefühl belastet, legte er die Arme um die Schultern seiner geliebten Ehefrau, zog diese eng zu sich heran und flüsterte ihr eine aufrichtige Entschuldigung ins Ohr:

»Bitte verzeih mir, mein Liebling, ich konnte ja nicht ahnen, dass es so unheimlich dringend war. Ich hätte dich auf jeden Fall zur Toilette gehen lassen müssen, das ist mir jetzt klar. Weißt du, ich war wegen meiner Überraschung einfach so unruhig, dass ich es nicht abwarten konnte, bis du sie findest. Es war dumm und selbstsüchtig von mir, ich bin ein dämlicher Idiot …«

 

Obwohl es nach wie vor heiß und blamabel in ihren Slip lief und stetig an den Beinen entlang floss, konnte Marleen schon wieder lächeln. Henris Worte der Entschuldigung hatten ihr gutgetan und sie war gern bereit, ihm zu verzeihen. Zudem deckte das kurze Nachthemd, das ihren Po immerhin vollständig verdeckte, das Malheur nahezu komplett ab.

»Nein, du bist kein Idiot, ich hätte ja einfach darauf bestehen können, vorher zum Klo zu gehen«, antwortete sie mit sanfter Stimme und blickte ihrem Mann schmunzelnd in die Augen. Dieser schaute sie ebenfalls an und auch seine Lippen umspielte ein erfreutes Grinsen.

Mittlerweile war der goldgelbe Strom aus Marleens Körpermitte versiegt. Zurück blieben ein pitschnasses Höschen und die Spannung, was sich wohl in der kleinen Schmuckschatulle verbergen mochte.

 

Beim Öffnen der roten Samtschachtel gewann die Freude die Oberhand über sämtliche Emotionen des Morgens und aus dem leichten Schmunzeln wurde ein breites Lächeln der Begeisterung.

»Oh ja, mein Schatz! Die wünsche ich mir schon ewig!«, brach es hocherfreut aus Marleen hervor, als sie auf die zwei funkelnden Ohrringe hinunterschaute, die ihr aus dem ausgepolsterten Kästchen heraus entgegen glitzerten.

»Ich weiß, du bist jedes Mal vor dem Schaufenster stehengeblieben und warst dort nicht mehr wegzubekommen«, antwortete der 30-jährige Henri aufgekratzt und erwiderte nur zu gern den innigen Kuss, den ihm seine Frau in ihrem eingenässten Slip als Dankeschön gab.

VG Wort