Rollenspiel (Kurzgeschichte)

Rollenspiel

Magenta König

Mit so etwas hatte sie überhaupt nicht gerechnet. Doch für eine neue, durchaus angenehme Erfahrung sogar noch bezahlt zu werden, passiert einem auch nicht alle Tage …

Story

Rollenspiel

Magenta König

 

Sie fröstelte; eine Gänsehaut überzog ihren Körper. Der kalte Wind blies um die Ecken und zu ihrem Bedauern waren die Temperaturen von den angekündigten 18 Grad Celsius weit entfernt. An einem Abend wie diesem war es schwer zu glauben, dass es schon Mai war. Sie zog ihre Jacke, die dieselbe Länge wie ihr extrem kurzer Minirock hatte, fester um sich. Ungeduldig trat sie von einem hohen Absatz auf den anderen. Dass hier aber auch so gar nichts los war … Die Straße schien wie leergefegt. Zugegeben, es war noch früh und es war nicht die beliebteste Gegend, in der sie auf ihrem Posten stand, aber man konnte Glück haben. Hatte sie heute Glück?

 

Eine frierend verbrachte Viertelstunde später, als sich ihre Beine in den dünnen Strumpfhosen längst wie Eiszapfen anfühlten, hielt ein dunkelroter Wagen neben ihr. Mittelklasse, wie sie mit einem taxierenden Blick feststellte, noch dazu ein japanisches Modell.

Sie beugte sich zu dem Fenster, das heruntergekurbelt wurde, vor. Und bevor sie etwas sagen oder das Fahrzeuginnere in Augenschein nehmen konnte, wurde sie schroff gefragt, ob 200 Euro in Ordnung wären. Sie war erstaunt, so viel bekam sie ansonsten nicht geboten. Sie musterte das Gesicht des Mannes. Hinter der ruppigen Stimme sah sie einen Durchschnittsmann, der haargenau zu seinem Durchschnittsauto passte. Runde Brille, freundliche, weich geschnittene Gesichtszüge, grauer Pullover. Obendrein hatte sie eine gewisse Schüchternheit und Unsicherheit aus seiner Stimme herausgehört, die so gar nicht zu der forschen Frage zu passen schien. Mit einem Kopfnicken signalisierte sie ihm, dass der Betrag okay wäre.

Sie ging um den Wagen herum und nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Als er anfuhr, teilte er ihr kurz angebunden und immer noch seltsam aufgesetzt mit, dass er für diesen Preis selbstverständlich einige Sonderwünsche habe. Sie schaute ihn an und fragte sich, worauf sie sich da bloß eingelassen hatte. Doch bei einem sanftmütig wirkenden Typen wie ihm, konnte es wohl nichts allzu Exotisches oder gar Gefährliches sein. Den Rest der Fahrtstrecke schwieg er beharrlich.

 

Etwas später hielt er in der Auffahrt eines Einfamilienhauses und schaltete den Motor aus. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er sie mit zu sich nach Haus nehmen würde, aber okay, wenn es ihm gleichgültig war, was die Nachbarn dachten …

Sie verließ das Auto und folgte ihm zur Haustür. Er blickte sie noch immer nicht an. Irgendwie machte er einen ausgesprochen aufgeregten Eindruck, darüber konnte auch die gespielte Coolness nicht hinwegtäuschen. Im Flur zog er sich die Schuhe aus und ging auf Strümpfen voraus in den hinteren Teil des Hauses. Sie musste sich ein Lachen verkneifen, denn nur mit Socken an den Füßen stieg sein Sex-Appeal nicht gerade in die Höhe. Doch anscheinend war er ein Gewohnheitstier und überaus ordentlich. Sie behielt ihre Pumps an, hängte lediglich die warme Jacke an den Garderobenhaken.

Im Wohnzimmer standen zwei Gläser bereit und im Eiskühler wartete eine Flasche Sekt. Daneben lagen 200 Euro auf dem Tisch. Oh ja, der Herr hatte sich scheinbar gut vorbereitet. Nach wie vor amüsiert nahm sie das gefüllte Sektglas und trank einen Schluck. Nachdem sie nun obenherum nur mehr mit einer sehr aufreizenden und weit ausgeschnittenen Bluse bekleidet war, fiel es ihm offensichtlich noch schwerer, ihr in die Augen zu sehen – deutlich erkennbar hing sein Blick an den gut sichtbaren Ansätzen ihrer Brüste.

 

Als sie auf ihn zuging, wich er einen Schritt zurück. Warum war er nur so nervös? Irgendwie fand sie ihn und sein Verhalten total schnuckelig. Er räusperte sich, ehe er zu sprechen anfing:

„Der Sonderwunsch, du erinnerst dich?“

„Ja, was darf’s denn sein, Süßer?“, fragte sie in Erwartung eines so originellen Wunsches wie: ‚Mach es mir mit dem Mund‘ oder Ähnlichem.

„Ich möchte, dass du dir in die Hose pinkelst, und danach will ich mit dir schlafen … ähm, in die Strumpfhose, ich meinte den Rock …“, korrigierte er das Gesagte aufgeregt. Erstaunt schaute sie ihn an.

„Ich soll bitte was?“ Sie war völlig irritiert.

„Pinkeln. Jetzt. Hier. Ohne vorher etwas auszuziehen.“ Und bevor sie irgendwelche Einwände erheben konnte, fügte er hinzu: „Du wirst verdammt gut dafür bezahlt, also ziere dich nicht.“

Recht hatte er und was war schon dabei? Sie bemühte sich, ihre Verblüffung zu verbergen. Zwar musste sie nicht unbedingt dringend, doch ein wenig würde sie wohl laufen lassen können. Sie sah an sich herunter. Und das wollte er tatsächlich? Einfach so? Dürfte sie es hier tun? Auf den hellen Fliesen im Wohnzimmer? Sie sah in sein rundliches Gesicht, aus dem er sie nun wie gebannt anstarrte. Er wartet, dass ich es mache, erkannte sie und versuchte, sich zu entspannen. Sofort hielt ihr Körper mit allem, was sie jemals über gutes Benehmen gelernt hatte, dagegen. Das gehörte nun wirklich nicht zu ihren üblichen Gebräuchen. Und was würde überhaupt hinterher mit den nassen Klamotten geschehen? Egal, 200 Euro waren eine Menge Geld und sie wusste bereits, was sie damit anfangen könnte.

„Na, was ist?“, hörte sie den Hausherrn ungeduldig nachfragen. In seiner Stimme lag unverkennbare Erregung.

„Es wird schon“, vertröstete sie ihn um ein paar Sekunden und beruhigte sich gleichzeitig selbst. Sofort probierte sie noch einmal, ihren Blasenmuskel zu lockern und spürte diesmal, dass es besser klappte. Kitzelnd floss der Urin ihre Harnröhre hinab und lief der kleinen Öffnung entgegen. Fast hätte sie dem Impuls nachgegeben, den warmen Strom wieder anzuhalten, doch sie konzentrierte sich auf den Wunsch ihres Freiers und fühlte, wie die ersten Tropfen ihren knappen Slip befeuchteten.

 

Er merkte, wie sich ihr Gesichtsausdruck veränderte, und kniete sich vor sie. Nun bildete sich ein dünnes Rinnsal, das am linken Oberschenkel innerhalb der Strumpfhose herablief. Es war ein sehr angenehmes Gefühl, verbunden mit einem leichten Kribbeln. Sie hörte seinen schnellen Atem, als er die Nässe an ihrem Bein nach unten laufen sah. Inzwischen kam es nicht mehr langsam, sondern strömte stärker aus ihr heraus. Ihr Höschen war bis zum Po durchfeuchtet und nun wurden beide Schenkel gleichmäßig nass. Es lief warm in ihre Absatzschuhe; sie spürte seine Hände, die ihre Beine streichelten. Sanft küsste er die dunkleren Stellen des Nylons.

Mit geschlossenen Augen horchte sie in sich hinein und stellte fest, dass es gar nicht unangenehm, dafür eher spannend war, sich in die Klamotten zu pinkeln. Obwohl man so etwas ja eigentlich nicht machte. Es war ungehörig, der Kitzel des Außergewöhnlichen, der scheinbar auch ihren Gastgeber reizte. Es turnte sie an, ihn keuchen zu hören – für ihn war es ein äußerst geiles Schauspiel, das sie ihm hier in seinem Wohnzimmer bot.

 

Bald war ihre Blase leer, es kam nichts mehr. Unter ihren Füßen hatte sich eine ansehnliche Pfütze gebildet, in der sie weiterhin stehenblieb und seine Berührungen genoss.

Kurze Zeit danach richtete er sich allerdings auf, raffte ihren Rock nach oben und befasste sich mit der nassen Stelle ihrer Kleidung im Dreieck zwischen den Oberschenkeln. Er küsste und leckte sie durch den Stoff hindurch, umfasste ihren Po, massierte und knetete ihn stöhnend. Er atmete ihren würzig-salzigen Geruch tief ein, die Nase fest an ihren Körper gepresst.

Einige Minuten später hielt er es nicht mehr aus. Abrupt erhob er sich, drehte sie herum und bugsierte sie zum Sofa, das mitten im Raum stand. Hinter der Rückenlehne der freistehenden Couch zwang er ihren Oberkörper sanft hinab, so dass sie sich mit den Händen darauf abstützte, während er ihr voller Lust den tropfnassen Slip und die Strumpfhose bis zu den Knien hinunter schob.

Der Rock hing ihr oberhalb der Hüfte in der Taille. Sie hörte den Reißverschluss seiner Jeans, spürte, wie er seine harte Erektion gegen sie drückte und ohne zu zögern in sie eindrang. Keuchend stieß er zu, mehrmals hintereinander, heftig und von einer besonderen Geilheit angetrieben. Der Sex war kurz und heiß, so brauchte er nicht lange, bis es ihm stöhnend kam. Seine Arme umklammerten sie, im Augenblick des Höhepunkts hielt er inne, um danach wie befreit mit dem Kopf auf ihren Rücken zu sinken. Sie war nicht zum Orgasmus gekommen, dafür hätten sie später noch genügend Zeit.

Zärtlich blickte sie über die Schulter hinweg zu ihm. Rollenspiele gut und schön, aber dieses Spiel war eindeutig neu. Ihr Göttergatte würde ihr in dieser Nacht noch so einiges erklären müssen …

 

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Weitere Informationen über „Rollenspiel“

Erscheinungsdatum 25.07.2017
Autor Magenta König
Verlag Edition Aurum
Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag
Verfügbar als Webseite (online)