Sperrmüll-Not – Verzweifelt und machtlos (Kurzgeschichte)

Sperrmüll-Not
Verzweifelt und machtlos

Von Rebecca Valentin

Kurzgeschichte, erschienen am 30.04.2020

Den schicken Häusern nach zu urteilen, lebten in der Wohngegend, in der wir seit einer gefühlten Ewigkeit herumkurvten, hauptsächlich wohlhabende Menschen. Eine prächtige Villa reihte sich an die andere und in den Einfahrten parkten fast ausschließlich Luxuskarossen – dieser noble Eindruck verspricht eine reiche Ausbeute, wie mein Bekannter mir gut gelaunt versicherte. Dass er bei dieser Aussicht bester Dinge war, war kein Wunder, denn Steffen handelte nebenberuflich mit alten Möbeln. Er suchte sie sich aus dem Sperrmüll oder von Flohmärkten zusammen, restaurierte sie gekonnt und verkaufte die Stücke anschließend gewinnbringend weiter.

So waren wir am heutigen Nachmittag wieder einmal mit dem geräumigen Kleintransporter auf einer der Sperrmülltouren unterwegs, zu denen ich Steffen bisweilen begleitete, und für deren Erfolg wir nun schon stundenlang durch diese vornehme Siedlung fuhren. Immer in der Hoffnung, einer der Anwohner hätte zwischenzeitlich ein weiteres, zuvor noch nicht entdecktes Möbelstück aus seinem Keller getragen und zur Abholung an den Straßenrand gestellt, klapperten wir die Wege stets aufs Neue ab.

 

Steffens Blicke hafteten wie festgeklebt am Rand der Fahrbahn, um ja keine vermeintliche Antiquität oder einen anderweitigen, deutlich in die Jahre gekommenen Einrichtungsschatz zu übersehen, während ich mir über ein vollkommen anderes Problem Sorgen machte: Ich musste schrecklich dringend pinkeln. Es war so heftig wie schon lange nicht mehr, aber das ist ja immer so, wenn sich partout keine Gelegenheit bietet, irgendwo aufs Klo zu gehen. Und auch bei mir stellte es sich genauso dar – eine Erkenntnis, die mir in diesem Moment jedoch nicht weiter half, sondern die Situation eher verschlimmerte.

 

Nach dem Aufstehen am Morgen war ich ins Bad gesprintet und danach von zwei Bechern Kaffee und einer Scheibe Toastbrot zum Frühstück bereits satt gewesen. Von dem Tee, den ich mir in einer Thermoskanne mitgenommen hatte, war inzwischen kein Tropfen mehr übrig, wie mir meine prall gefüllte Blase überdeutlich zu verstehen gab. Zusammen mit dem Frühstückskaffee hatte er ihren Füllstand bis auf das absolute Maximum angehoben.

 

Bislang hatte ich schweigend gelitten und dem Freund an meiner Seite nichts von meiner unglücklichen Lage erzählt. Was hätte es auch gebracht? Er wäre ebenso wenig imstande, mir ein funktionierendes WC-Häuschen herbeizuzaubern, wie ich es hätte tun können. Darüber hinaus befanden wir uns in einer reinen Wohnsiedlung ohne Geschäfte oder etwas Vergleichbarem, was bedeutete, dass es hier weder ein Café noch ein Schnellrestaurant gab, in das ich mal kurz hätte verschwinden können. Überhaupt wäre Steffen nicht sonderlich begeistert davon, seine Runden durch die aussichtsreichen Straßen zu unterbrechen und damit den zahlreichen Konkurrenten, die sich ebenfalls in ihren Kastenautos auf Beutezug befanden, einen Vorteil zu verschaffen.

 

Der Himmel leuchtete in strahlendem Blau, dazu war es herrlich warm, was der Grund dafür gewesen war, mir das kurze, sommerliche Kleid aus dem Kleiderschrank hervorzusuchen und anzuziehen. Das Strahlen der Sonne bildete einen krassen Gegensatz zu meiner Stimmung, die komplett verhangen war und sich allmählich in hilflose Not wandelte – meine ganz persönliche Sperrmüll-Not, in der nicht der Hauch einer Chance auf eine Toilette bestand. In meiner Blase war der Teufel los, sie war derart voll, dass sie mir fühlbar schwer im Unterbauch lag. Zudem drängte sie furchtbar und ich spürte jeden Pulsschlag kräftig darin pochen. Was hatte mich nur geritten, den Hobbyrestaurator ausgerechnet an diesem Tag auf seiner Jagd nach Möbelschnäppchen zu begleiten?

Nun steckte ich mittendrin in dem Dilemma, wusste weder ein noch aus und schlug die Beine unter dem Sommerkleid dermaßen fest übereinander, dass ich mit Hilfe der Oberschenkelmuskulatur einen halbwegs brauchbaren Druck auf meine Vagina ausüben konnte. Dieser war von außen nicht zu bemerken, was mir mehr als recht war, denn mein gewaltiger Pinkeldrang quälte mich nicht nur, sondern er war mir auch hinreichend peinlich. So traute ich mich nicht, mir die Hände in den Schoß zu drücken, was kurzzeitig sicher für Linderung gesorgt hätte.

 

»Wie lange willst du hier noch deine Runden drehen?«, erkundigte ich mich kurze Zeit später bei Steffen. Ich wusste nicht, ob er das leichte Zittern in meiner Stimme wahrgenommen hatte, tippte aber tendenziell eher auf Nein. Denn auch wenn ich ihn als guten Freund sehr schätzte, war mir doch bewusst, wie wenig sensibel und empathisch er auf zwischenmenschliche Belange in seinem Umfeld reagierte.

Inzwischen war es keine Frage des Mutes mehr, ob ich mir die Finger zur Unterstützung in den Schritt presste – es war unerlässlich geworden, um nicht im nächsten Augenblick die Kontrolle zu verlieren. Obendrein hatte ich begonnen, unruhig mit den Knien zu wackeln, was von dem stämmigen Mann hinter dem Lenkrad ebenfalls nicht registriert wurde.

»Das weißt du doch. Wir machen weiter, bis ich etwas finde, das mir gefällt und das sich zum Aufarbeiten lohnt«, beantwortete er mir die Frage, die ich mir bereits im Ansatz hätte sparen können. »Wieso, hast du jetzt schon keine Lust mehr?«, schob er als Gegenfrage nach. Hierbei wandte er das Gesicht zu mir und schaute mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.

»Doch, klar«, beeilte ich mich, seinen aufkommenden Verdacht, ich könnte das Interesse an unserer Unternehmung verloren haben, zu zerstreuen. Schließlich wollte ich wegen meiner selbst herbeigeführten Pinkel-Notlage nicht wie ein Spielverderber wirken. Hinzu kam, dass es mir stets großen Spaß bereitete, Steffen an meinen freien Tagen zu begleiten. Daher musste ich um jeden Preis verhindern, dass er beschließen könnte, in Zukunft Abstand davon zu nehmen, mich an seinen Touren teilhaben zu lassen. Wir kannten uns seit Kindertagen, verstanden uns hervorragend und genossen die Gesellschaft des jeweils anderen für gewöhnlich sehr. Am heutigen Nachmittag traf dies ebenso zu, lediglich mit dem Unterschied, dass ich wie verrückt pinkeln musste. Verzweifelt und machtlos bemühte ich mich, an etwas anderes zu denken, und zählte die Fenster der stattlichen Gebäude, an denen wir im Schritttempo entlangfuhren.

 

Mittlerweile saß ich wippend auf meinen Händen, kniff die Lippen vor Anstrengung zusammen und zwängte mir die Fingerspitzen durch den Stoff des Höschens krampfhaft in meine Mu***i hinein. Ich versuchte, den Ausgang meiner Harnröhre zu erwischen und mir diese so fest zuzuhalten, wie ich konnte. Glücklicherweise war noch nichts gelaufen, nicht einmal ein winziger Tropfen Pipi hatte meine Blase verlassen  … Dieser Satz war noch nicht ganz zu Ende gedacht, da fühlte ich bereits, dass ein heißer Schwall Urin sich löste, aus mir hervorschoß und meinen Slip spürbar befeuchtete. Oh nein, schrie es in mir auf und ein Anflug von Panik breitete sich aus. Das fehlt noch, dass ich es gleich nicht mehr halten kann, und den Beifahrersitz in Steffens Transporter nassmache, durchfuhr mich der Gedanke, der meine Angst nur noch stärker schürte und das Dringendmüssen auf einen Schlag erheblich verstärkte. Nur das nicht, betete ich innerlich.

 

Es nicht zu wollen, reichte jedoch nicht aus, den unermesslichen Pinkeldrang zu schmälern, der unbarmherzig in mir wütete. Ich wand mich nervös auf dem Sitz hin und her, schwitzte Blut und Wasser und beschloss in diesem Moment, mich Steffen anzuvertrauen, als dieser in derselben Sekunde das Fahrzeug stoppte.

»Guck mal, Juliette, die Kommode dort hinten!«, rief er freudig aus, stellte den Motor ab und zog die Handbremse an.

Das Möbelstück, welches neu hinzugekommen sein musste, fest im Visier, sprang er aus dem Wagen und lief schnellen Schrittes darauf zu. Ohne auch nur eine Zehntelsekunde zu zögern, tat ich es ihm gleich und kletterte ebenfalls aus dem großen Auto heraus. Allerdings tat ich es bedeutend vorsichtiger als er – die Gefahr, bei der kleinsten, falschen Bewegung die Kontrolle über den Blasenschließmuskel zu verlieren, war beträchtlich.

 

Doch was nun? Mit überkreuzten Schenkeln, die Hände unterhalb des Kleides unerbittlich vor die feuchte Spalte gepresst, wobei der bereits nasse Mittelsteg des Slips fast vollständig darin verschwand, stand ich vornübergebeugt zwischen all den Dingen, die aus den umliegenden Haushalten entsorgt worden waren. Ich musste mir etwas überlegen, und zwar schnell … Mein Blick fiel auf ein altertümliches, extrem verschlissenes Sofa, welches mittendrin prangte und definitiv für nichts anderes mehr taugte, als für die Mülldeponie.

 

Während Steffen voll und ganz mit seinem aktuellen Möbel-Fundstück beschäftigt war, arbeitete ich mich mit angehaltenem Atem zu der ausgedienten Couch vor. Ich wagte kaum, die Beine beim Gehen auseinanderzunehmen, in der Befürchtung, es könnte sofort etwas ins Höschen zischen. In meinem gesamten Leben hatte ich noch nie so wahnsinnig dringend zum Klo gemusst, wie in diesem Augenblick. Als würde es mich innerlich zerreißen konnte ich zum ersten Mal nachempfinden, was andere Menschen meinten, wenn sie in der Rückschau berichteten, dass sie geglaubt hätten, die Blase würde ihnen platzen, dermaßen voll, wie sie war.

Die Zeit, mir noch umständlich den Slip herunterzuzerren, blieb mir nicht, denn kaum, dass mein Entschluss feststand, mich zum Pinkeln auf das schäbige Sofa zu setzen, gab es im wahrsten Sinne des Wortes kein Halten mehr. Es gelang mir gerade noch, mich auf die gepolsterte Sitzfläche des abgewetzten Möbels fallen zu lassen, als es auch schon unaufhaltbar und mit immensem Druck aus meiner Harnröhre hervorschoss. Das Kleid hatte ich erfreulicherweise noch hochheben können, so dass das dünne Material unter meinem Po nicht nass wurde, was der uralten Couch leider nicht erspart blieb. Endlich durfte ich pinkeln! Es kitzelte und kribbelte wohlig, zeitgleich hörte ich es leise zischen, als der Strahl sich sprudelnd seinen Weg nach außen bahnte.

 

Es wurde warm und wärmer unterhalb meines Hinterns, als ich gefühlte zehn Minuten lang und fern jeder Selbstbeherrschung durch den Slip hindurch in das blankgescheuerte Polster pieselte. Selbst wenn ich es gewollt hätte, wäre ich zuvor nicht in der Lage gewesen, es weiterhin anzuhalten.

Das befreiende Gefühl bescherte mir eine Gänsehaut; es nicht mehr mit aller Kraft zurückdrängen zu müssen, war einfach himmlisch. Die Erleichterung kam einem Feuerwerk der großartigsten Emotionen gleich – ich hätte lachen und gleichzeitig weinen können, obendrein fühlte sich mein Körper derart leicht an, dass ich beinahe glaubte, fliegen zu können.

 

»Juliette? Wie findest du das gute Stück?«, hörte ich Steffen zu mir herüberrufen und sah, als ich in seine Richtung schaute, dass er gleichzeitig mit der Hand auf die Kommode deutete, bei der er stand. Dass er mich nach meiner Meinung fragte, war nicht ungewöhnlich, zu diesem Zeitpunkt jedoch passte es gar nicht – noch nicht. Ich war noch damit beschäftigt, die letzten Tropfen zu genießen, die sogleich im Baumwollstoff meines Höschens versickerten, als mein Freund sich erneut an mich wandte:

»Na, was ist? Sitz nicht so faul herum, sondern komm lieber mal rüber«, forderte er mich gut gelaunt auf, ohne zu ahnen, weshalb ich tatsächlich Platz genommen hatte und nun nicht so einfach aufstehen konnte, wie er es gern hätte.

»Warte einen Moment, ich bin gleich da!«, erwiderte ich verbindlich und wusste, dass ich auf diese Weise eine halbe Minute hatte herausschlagen können.

 

Dass mein Slip nach der Pinkelerleichterung genauso nass war, wie das Sofa unter mir, trübte die Freude ein wenig. Was sollte nun geschehen? Mich mit dem klatschnassen Wäschestück am Hintern zu Steffen begeben, nur um mich danach mit dem urintropfenden Po in sein Auto zu setzen? Nein, bestimmt nicht, dies kam keinesfalls in Frage. Dann hätte ich gleich auf seinen Sitz strullen können, resümierte ich. Da ich den nassen Unfall jedoch glücklicherweise in letzter Sekunde hatte verhindern können, musste ich das peinliche Szenario jetzt nicht auf Biegen und Brechen heraufbeschwören.

Deshalb muss das durchnässte Höschen weg, beschloss ich. Es am Körper zu behalten, kam nicht in Betracht, also gab es nur eine Lösung: Kurzentschlossen hob ich den Po von der mit meinem Urin vollgesogenen Sitzfläche an, zog mir inmitten dieser Bewegung unauffällig den eingepinkelten Slip herunter und stieg mit den Füßen aus dem triefenden Kleidungsstück heraus. In Gedanken verabschiedete ich mich von ihm und warf einen letzten Blick auf meine nach Pipi duftende Unterwäsche, bevor ich das Baumwollhöschen in der Hand zusammenknüllte und ohne Umschweife in eine der verstaubten Sofaritzen stopfte.

 

Die frische Luft an der bloßen, nassen Haut fühlte sich ungewohnt aber dennoch wunderbar an, wie ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht feststellte, als ich mich einen Schritt von der Couch entfernte, die mir so hilfreich als Ersatz für eine Toilettenschüssel zur Verfügung gestanden hatte. Das sichtlich feuchte Malheur, das ich auf dem Polstermöbel angerichtet hatte, deckte ich mit Pappe und einigen herumliegenden Zeitungen ab, so dass es für die Augen anderer unsichtbar wurde.

Von der Tatsache abgesehen, dass ich mit dem nackten Hintern dastand und ich nicht viel mehr als ein kurzgeschnittenes Sommerkleid trug, konnte niemand etwas von meiner Sperrmüll-Bredouille erahnen. Das Kleid war erfreulicherweise trocken geblieben und es reichte gerade so weit hinunter, dass es den Po komplett bedeckte. Nur bücken und achtlos nach vorn beugen durfte ich mich nicht, daran würde ich für den Rest des Tages unbedingt denken müssen …

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