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Der erste Schnee in diesem Jahr – ein Tag, an den ich mich noch lange erinnern sollte …
Die weißen Flocken lockten die Menschen auf den Weihnachtsmarkt und an meinen hübschen Verkaufsstand, der seit drei Wochen geöffnet hatte. Ich handelte mit Kerzen und stimmungsvollen Weihnachtsartikeln aus Holz. Die Geschäfte gingen leidlich gut, doch an jenem Nachmittag schienen sich sämtliche Einwohner der Stadt auf dem kleinen Markt versammelt zu haben. Ein Umstand, der mich in Hochstimmung hätte versetzen können, wenn nur meine volle Blase nicht gewesen wäre …
Wie üblich befüllte ich, nachdem ich gefrühstückt hatte, meine Edelstahl-Thermoskanne vor dem Aufbruch mit heißem Früchtetee. Da ich um die Mittagszeit von einer Kollegin abgelöst werden würde, benötigte ich außer dem Heißgetränk keinen weiteren Proviant. Der Tee allerdings war ein absolutes Muss, neben seinem köstlich-fruchtigen Geschmack wärmte er herrlich von innen. Und dieses war unerlässlich, zeigte das Thermometer doch schon seit November klirrend-kalte Temperaturen an.
Der Vormittag verlief wie gewöhnlich: Lediglich eine Handvoll Kunden besuchten meinen Stand, sodass mir ausreichend Zeit blieb, die Warmhaltekanne bis zur Neige zu leeren. Hätte ich es doch speziell an diesem Tag nicht getan – zusammen mit dem Morgenkaffee war meine Blase kurz vor Mittag bis zum Rand gefüllt. Es ist okay, beruhigte ich mich, als ich den Druck besonders stark spürte, in einer halben Stunde ist Susanne da. Obwohl der Drang pinkeln zu müssen, stetig zunahm, hielt ich ihn mit diesem Wissen im Hinterkopf einigermaßen aus. Als die Zeiger der Uhr aber vorrückten und der Zeitpunkt unseres Wechsels gekommen war, wurde ich unruhig. Wo bleibt sie nur, fragte ich mich und reckte den Hals, um nach der Kollegin Ausschau zu halten. Ich musste inzwischen heftig. Die Beine eng gegeneinandergedrückt, sehnte ich ihre Ankunft glühend herbei.
Eine halbe Stunde später war sie noch immer nicht aufgetaucht. Da es nicht ihre Art war, Verabredungen nicht einzuhalten, ohne sich zumindest gemeldet zu haben, geriet ich in Sorge – nicht nur um Susanne, auch um meine prall gefüllte Blase. Diese schickte sekündlich den Befehl an mein Gehirn, sie schnellstmöglich zu leeren. Sie triezte mich und sorgte dafür, dass es mir kaum noch gelang, ruhig dazustehen.
Während ich Susannes Nummer in meinem Mobiltelefon hervorsuchte, um mich zu erkundigen, wo sie blieb, klingelte das Gerät in meiner Hand. Ich sah, dass sie es selbst war, und nahm das Gespräch ohne Zögern entgegen. Ehe sie jedoch etwas sagen konnte, veranlasste meine Notlage mich dazu, ihr die Frage zuzurufen, die mich so sehr quälte:
»Liebe Güte, wann kommst du endlich?« Meine Stimme klang gehetzt, ich konnte den Druck nur noch schwer aushalten.
Mit dem Telefon am Ohr ging ich die wenigen Schritte, die in dem engen Verkaufsraum möglich waren, auf und ab. Sie sei krank, hörte ich mit wachsendem Entsetzen, und fühle sich miserabel. Eine Erkältung, die sich in der vergangenen Nacht verschlimmert hätte, würde sie zwingen, im Bett zu bleiben. Ich bemühte mich, ruhig zu atmen, wünschte Susanne eine gute Besserung und beendete das Telefonat. Okay, alles gut, sie kann nichts dafür, so etwas kann schließlich jedem passieren, versuchte ich mich zu beruhigen, was jedoch nur mäßig gelang.
Während dieser Minuten begann es, malerisch zu schneien. Der Weihnachtsmarkt füllte sich innerhalb kürzester Zeit mit Besuchern. Vom vorweihnachtlichen Zauber des Schnees und der Lichter angezogen, schienen sie allesamt bester Kauflaune zu sein. Was mich andernfalls gefreut hätte, bereitete mir nun die größte Pein. Ich musste pinkeln wie lange nicht mehr, doch ein Ausweg war nicht in Sicht. Was sollte ich tun? An ein Verlassen der Bude war nicht zu denken, nicht bei diesem aufkommenden Hochbetrieb. So blieb mir nichts anderes übrig, als es wohl oder übel auszuhalten. Ignoriere es, versuchte ich mir zuzureden, dann fühlst du es nicht so heftig. Natürlich zeigte diese Methode keine Wirkung. Ein diskretes Pressen der Hand zwischen die Schenkel hingegen schon, zumindest kurzzeitig. Wann immer es mir möglich war, drehte ich mich von der Kundschaft weg und drückte mir die Fingerspitzen fest in meinen Schoß – Sekunden eines befreienden Wohlgefühls, das jedoch schnell von neuerlichem Druck abgelöst wurde. Unerträglich und kaum noch kontrollierbar beherrschte er mein Denken und Handeln. Ich rechnete fahrig ab, war unkonzentriert und nicht bei der Sache. Durchgehend in Bewegung befürchtete ich, dass ein Stillstehen das sofortige Lospinkeln zur Folge hätte …
Der Ansturm der Besucher dauerte an. Bei all der Hektik und trotz des kalten Winterwetters stand mir der Schweiß auf der Stirn. Oh, ich muss so nötig, so verdammt nötig, war alles, woran ich zu denken, noch in der Lage war. Verzweifelt hockte ich mich immer öfter hin, gab vor, auf dem Fußboden nach etwas Heruntergefallenem zu suchen, nur um mir in der kauernden Position erneut die Faust in meinen Schritt pressen zu können. In genau so einem Moment passierte es: Ein großer Schwall löste sich und ergoss sich warm in meinen Slip. Erschrocken hielt ich die Luft an. Jetzt ist es so weit, schoss es mir in den Kopf, jetzt machst du dir in die Hose! Ich spannte den Schließmuskel noch fester an und betete, dass ein feuchter Unfall wie dieser nicht noch einmal geschehen würde.
Zögernd erhob ich mich und bediente, so freundlich es mir in meiner misslichen Lage möglich war, den nächsten Kunden.
Nicht lange und der zweite Spritzer jagte heiß in meine Wäsche. Unaufhaltsam und in großer Menge durchnässte er Höschen und Jeans. Nur mit außerordentlichem Kraftaufwand konnte ich ihn stoppen. Gleich darauf bestätigte ein schneller, dezenter Blick meine Vermutung: Es war von außen sichtbar; dunkel und kreisrund breitete sich die Nässe zwischen meinen Beinen aus. Lieber Gott, flehte ich innerlich, lass mich durchhalten! Weiterhin in Bewegung zog ich hektisch meine Jacke aus und band sie mir um die Hüfte. So blieb das Malheur zumindest verborgen, meine Angst jedoch, mich in den nächsten Minuten vollständig einzunässen, verschwand dadurch nicht. Die Schenkel überkreuzt wippte ich in den Knien – ein normales Stehen war mir längst nicht mehr möglich. Das allumfassende Gefühl, meine berstendvolle Blase würde platzen, dominierte mich komplett.
Die Käufer meiner Waren tauschten irritierte Blicke aus, die mir nicht entgingen. Ein Herr räusperte sich gar und fragte, ob mir ein Besuchen der Toilette nicht gestattet sei. Ich beantwortete seine Frage nicht, konnte kein Wort mehr als unbedingt notwendig über die Lippen bringen. Selbst meine Atmung war flacher als gewöhnlich.
Als sich ein dritter Strahl den Weg durch meine Harnröhre bahnte und ich es nur unter höchster Anstrengung schaffte, ihn aufzuhalten, war ich an einem Punkt angelangt, an dem der Rest der Welt seine Bedeutung für mich verlor. Ich wollte nur noch pinkeln, alles andere war mir egal! Jede Nervenzelle meines Körpers sehnte sich nach dem erlösenden Gefühl, endlich die Schleusen öffnen zu dürfen. So etwas hatte ich nie zuvor erlebt – noch nie in meinem gesamten Leben hatte ich derart dringend zum Klo gemusst.
Sekunden später war ich am Ende jeglicher Selbstbeherrschung angelangt. Ich konnte nicht mehr; mir war alles egal geworden. So stürzte ich, die rechte Hand fest zwischen die Schenkel gedrückt, aus der hölzernen Tür und rannte hinter die Rückwand meines Verkaufshäuschens. Das Café an der Ecke zu erreichen, in dem wir Aussteller gewöhnlicherweise das WC benutzen, hätte ich in keinem Fall mehr geschafft.
Dort im Hintergrund des Markttreibens zerrte ich an Knopf und Reißverschluss meiner durchfeuchteten Hose. Während ich stöhnend auf der Stelle tänzelte, rieb ich mir die Oberschenkel aneinander. Oh, es wollte raus, mit aller Macht – ich fühlte es ja schon seit Stunden überdeutlich. Diese riesige Menge heißen Urins – so schwer lag sie in meinem Unterbauch, so sehr attackierte sie mich, dass ich nun nicht mehr anders konnte, als sie endlich freizugeben.
Ein leises Ratschen, dann war der Zipper unten. Doch im selben Moment, in dem ich mir die Kleidung herunterreißen wollte, kapitulierte meine Blase endgültig. Sie gab den Kampf auf: Machtlos stand ich da, die Beine noch immer eng zusammengehalten und konnte ich nichts anderes tun, als das Unvermeidliche geschehen zu lassen. Der heiße Urin füllte mein Höschen, quoll durch den Baumwollstoff und tränkte meine Jeans komplett. Ein endlos scheinender, kraftvoller Strahl schoss aus mir hervor, der Stoff sog sich gnadenlos voll. Es prasselte dampfend zu meinen Füßen in den Schnee, der dunkelblaue Denim glänzte feucht, feine Tropfen drangen durch das feste Material nach außen. Obwohl ich mich schämte, da exakt das eingetroffen war, was ich seit dem frühen Nachmittag zu verhindern versucht hatte, ertappte ich mich doch dabei, dass ich das befreiende Gefühl genoss. Jeder Muskel entspannte sich; von wohliger Wärme erfüllt huschte ein Lächeln über mein Gesicht, das mich mit dem Tag versöhnte.
Schneeflocken schmolzen auf meinen erhitzten Wangen und nun, da das allumfassende Drängen vorüber war, schaffte sich eine weitere Emotion in mir Raum: Ich hatte Hunger. Schließlich war das Frühstück am Morgen meine letzte Mahlzeit gewesen und diese lag inzwischen ein paar Stunden zurück. Doch konnte ich mit der eingepinkelten Hose so mir nichts, dir nichts an einen der anderen Stände gehen, um mir einen Happen zu holen? Ich war mir unsicher, zudem warteten vor meiner kleinen Bude noch immer Menschen, die ich lange genug allein gelassen hatte. Also zog ich die Jacke in meiner Taille etwas weiter nach unten, atmete die kalte Dezemberluft tief ein und trat zurück in meinen hölzernen Verkaufsstand. In der Hoffnung, niemandem würde die durch und durch nasse Jeans auffallen, setzte ich darauf, dass der Schein der Lichterketten vieles verdecken und die restliche Zeit, in der ich noch geöffnet hatte, für ein zumindest notdürftiges Trocknen der Kleidung ausreichen würde. Doch spätestens nach Feierabend, das stand fest, wartete eine Bratwurst vom Grill gegenüber auf mich – hoffentlich zusammen mit einer bis dahin halbwegs trockenen Jeans.