Süße Not – Erotische Pee-Desperation

10 erregend-verzeifelte Kurzgeschichten

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Süße Not
Erotische Pee-Desperation

10 erregend-verzeifelte Kurzgeschichten

Rebecca Valentin, Magenta König

Die Blase ist randvoll, der quälende Druck unerträglich. In einer solchen Lage wird alles Andere zur Nebensache – außer dem Wunsch nach einer Toilette zählt nichts mehr. Doch nicht nur für den Betroffenen selbst, auch für den Beobachter und Liebhaber der desperaten Situation rückt jeder abweichende Gedanke in den Hintergrund. Lust kommt auf, breitet sich prickelnd von der Fußsohle bis in die Haarspitzen aus.

Süße Not

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Süße Not

Süße Not - Taschenbuch

Taschenbuch 12,7 × 20,3 cm
126 Seiten
ISBN: 978-1516938001
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Beschreibung

Artikelbeschreibung von „Süße Not“

Die Blase ist randvoll, der quälende Druck unerträglich. In einer solchen Lage wird alles Andere zur Nebensache – außer dem Wunsch nach einer Toilette zählt nichts mehr. Doch nicht nur für den Betroffenen selbst, auch für den Beobachter und Liebhaber der desperaten Situation rückt jeder abweichende Gedanke in den Hintergrund. Lust kommt auf, breitet sich prickelnd von der Fußsohle bis in die Haarspitzen aus.

Erleben Sie es hautnah mit. Genießen Sie das erotische Kribbeln, während Sie die Frauen und Männer zu den Schauplätzen unserer Geschichten begleiten. Geraten Sie gemeinsam mit ihnen in ausweglose Notlagen – werden sie in letzter Sekunde entkommen? Sobald es kein Halten mehr gibt, sind feuchte Höschen ebenso vorprogrammiert wie nasse Urinpfützen am Boden.

Um mich herum nahm ich das Besucheraufkommen wahr, das sich geräuschvoll durch die Präsentationshalle schlängelte, während ich mich noch immer verzweifelt zuhielt. Jeden verfügbaren Muskel spannte ich an, versuchte mit aller Kraft, den gewaltigen Wasserfall zurückzudrängen, der machtvoll aus mir herausschießen wollte. Vereinzelte Tropfen fanden den Ausgang, benetzten warm die Haut meiner Fingerkuppen. Ich kann nicht mehr, verdammt es läuft, war alles, was ich noch zu denken in der Lage war.

  1. Die Prüfung
    Arne führt die Aufsicht bei einer wichtigen Klausur, darf den Klassenraum nicht verlassen. Ausgerechnet jetzt muss er so extrem wie nie zuvor in seinem Leben. Der Druck der Blase steigt ins Unermessliche, die Minuten werden zu gefühlten Stunden.
  2. Überschätzt
    Ihr Freund begleitet sie zum Konzert. Schon auf dem Weg dorthin nimmt Kenneths Blasendrang massiv zu, der in der Warteschlange vor dem Club unerträglich wird. Hätte er doch nur Corinnas Vorschlag, vor der Abfahrt zur Toilette zu gehen, nicht leichtfertig abgetan …
  3. Livevorstellung
    Ihr Freund erwartet sie sehnsüchtig. Er muss kräftig pinkeln, da er trotz erheblich konsumierter Getränkemengen am Nachmittag nicht mehr im Bad war. Er kennt ihren Fetisch – seine Überraschung erregt sie, was beide für ein nass-erotisches Liebesspiel in der Küche zu nutzen wissen.
  4. Kaufhausqual
    Obwohl die Blase übervoll ist, probiert Mia die schicke Jeans an. Als sie sie wieder auszuziehen versucht, klemmt der viel zu enge Knopf. Was sie und ihre Freundin auch anstellen, er lässt sich nicht öffnen. Den Tränen nahe, weiß sie weder ein noch aus. Wird Mia es am Schluss schaffen und das unbezahlte Kleidungsstück trocken bleiben?
  5. Pee-Shy
    Es ist warm, die Kneipe gut besucht. Das Bier fließt üppiger als geplant. Nikolas begibt sich kurz vor dem Platzen zu den Toiletten des Irish Pubs. Dort jedoch dringt kein Tropfen aus ihm hervor, während es bei den Umstehenden hörbar plätschert. Glücklicherweise trifft er im Anschluss auf Jasmin, die mehr als Mitgefühl für ihn empfindet.
  6. Backstage
    Nicki hat die Karten für das gewonnene Meet and greet bereits eingesteckt, vergisst aber in der Eile und nach einigen Gläsern Prosecco, das WC aufzusuchen. Sie muss immer heftiger, bis ihre Verzweiflung hinter der Bühne die Oberhand gewinnt …
  7. Spät dran
    Clemens hat es eilig, will nach Hause, um den Jahrestag mit seiner Freundin zu feiern. Dass er zum Klo muss, ignoriert er anfangs – bald jedoch sorgen die Kollegin aus dem Vertrieb, überfüllte Straßen und johlende HSV-Fans dafür, dass dieses Versäumnis zur quälenden Pein wird.
  8. Nicht der kleinste Tropfen
    Sie verführt ihren Freund zu einem lustvollen Fesselspiel, auf das er sich verliebt einlässt. Der viele Wein und die Tatsache, dass er es zuvor nicht mehr ins Bad geschafft hat, gehören ebenso zu ihrem raffinierten Plan wie das Inkaufnehmen eines nassen Bettlakens …
  9. Self-Desperation
    Nach reichlich genossenem Tee freut Jördis sich auf das Spiel mit dem Druck, das sie so maßlos erregt. Inmitten vieler Menschen gerät sie voller Absicht in scheinbar ausweglose Situationen, bis sie schließlich loslässt und von ihren Emotionen überwältigt wird.
  10. Wetten, du traust dich nicht?
    Kim fordert ihn heraus – Finn will ihr seine Kühnheit beweisen. Als er feststellt, dass es nur ein Spaß war, ist es beinahe zu spät und er kann die Flut seines Urins nicht länger beherrschen. Eine Lösung muss her. Sofort!
Weitere Informationen

Weitere Informationen über „Süße Not“

Verlag Edition Aurum
Erscheinungsdatum 20.08.2015
Autor Rebecca Valentin, Magenta König
Verfügbar als E-Book für Kindle, E-Book für Tolino, Taschenbuch
Amazon Prime Ja
Leseprobe

Die Leseprobe enthält ca. 10% des Buchinhalts.


Die Prüfung

Magenta König

 

Noch nie war ich derart in Nöten gewesen. Und dabei war abzusehen, dass ich diese Qual noch mindestens eine Stunde würde aushalten müssen. Wie ich das schaffen sollte, vor allem ohne dabei aufzufallen, war mir schleierhaft.

Nervös schob ich einen Stapel Zettel von einer Seite des Tisches auf die andere, musterte hierbei die gesenkten Köpfe des Kurses vor mir, der sich mit einer ziemlich komplizierten Matheklausur abmühte. Ich hätte mich selbst ohrfeigen können. Es war ein Fehler gewesen, den Klassenraum überhaupt zu betreten, ohne vorher noch einmal die Toilette aufgesucht zu haben; erst recht, wenn man bedachte, wie viel Kaffee ich heute Morgen bereits in mich hinein geschüttet hatte. Üblich war das nicht, doch die Geburtstagsparty eines Freundes hatte dafür gesorgt, dass ich nur wenige Stunden Schlaf bekam. Außerdem wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ich schon wenig später das Vergnügen haben würde, die Aufsicht über diese mehrstündige Klausur zu führen. Der zuständige Lehrer war verhindert, die Arbeit konnte nicht verschoben werden; da lag es nahe, den einzigen anderen verfügbaren Mathelehrer als Vertretung zu organisieren. Ich biss die Zähne zusammen. Eine neue Welle des verfluchten Harndrangs spülte über mich hinweg. Verkrampft saß ich auf dem unbequemen Stuhl und bemühte mich, mir nur ja nichts anmerken zu lassen.

 

Begonnen hatte es bereits kurz nach dem Läuten. Ich spürte, dass ich mal musste, verdrängte es allerdings schnell wieder. Die früheste Gelegenheit, ein Klo aufzusuchen, war nach Ende der dreistündigen Mathematikarbeit, die als Vorbereitung auf die Abschlussprüfung gedacht war. Das Gefühl nervte ein wenig, doch konnte ich es noch beiseiteschieben.

 

Eine halbe Stunde später sah es schon anders aus. Der Druck wurde heftiger, meine Konzentration schwand. Unruhig ging ich zwischen den Pulten herum, hoffte darauf, dass die Bewegung ein wenig Linderung schaffen würde. Einige Schüler hatten Fragen zu den gestellten Aufgaben, die ich gern beantwortete. Dann jedoch wurde es still, arbeitsames Schweigen breitete sich aus. Also sah auch ich mich gezwungen, meinen Platz hinter dem Lehrertisch einzunehmen. Eigentlich hätte ich die Zeit gern genutzt, um die Hausaufgaben meiner fünften Klasse zu korrigieren, doch meine Gedanken kreisten zwischenzeitlich mehr oder weniger verzweifelt um meine rebellierende Blase, die kurz vor dem Überlaufen schien. Niemals zuvor hatte ich dermaßen dringend pinkeln müssen. Ein Blick auf die Uhr sagte mir jedoch, dass der erlösende Gang zum WC noch in weiter Ferne lag. Also hielt ich es aus.

 

Hin und wieder spürte ich verstohlene Blicke auf mir. Natürlich wusste ich, dass der eine oder andere liebend gern auf die Unterlagen seines Sitznachbarn oder sogar auf einen Spickzettel geschaut hätte. Dazu musste derjenige allerdings sicher sein, dass ich selbst in meine Arbeit vertieft war – sich erwischen zu lassen war selbstverständlich keine Option. Dennoch kam es mir so vor, als ob jeder der Jugendlichen mir meine Not ansehen konnte. Neben der körperlichen Qual war es mir zutiefst unangenehm, ausgerechnet vor einer Klasse mit über zwanzig neugierigen Augenpaaren zu sitzen, während ich mich fragte, wie lange ich dem Drang überhaupt noch standhalten konnte.

In so eine peinliche Situation war ich innerhalb meiner gesamten Schullaufbahn bislang nie gekommen. Normalerweise achtete ich darauf, mich vor längeren Prüfungen zur Sicherheit zu erleichtern. Heute hatte ich es das erste Mal nicht getan – und bereute es außerordentlich.

 

„Herr Jensen?“ Ich schaute hoch. Eines der Mädchen hatte den Arm halb erhoben, um auf sich aufmerksam zu machen.

„Ich müsste bitte zur Toilette.“ Statt einer Antwort nickte ich nur. Neiderfüllt sah ich ihr nach, als sie zügig den Raum verließ. Ich schlug die Beine übereinander, presste meine Oberschenkel zusammen, während ich versuchte, einen möglichst entspannten Gesichtsausdruck beizubehalten. Wie gern wäre auch ich kurz verschwunden … Doch selbst, wenn es nur wenige Minuten dauern würde, wäre die gesamte Klausur damit hinfällig. Die Schüler allein zu lassen kam partout nicht in Frage. Genau so wenig, wie dem mächtigen Pinkeldrang nicht nachzugeben und zu riskieren, dass die Natur einfach ihren Lauf nahm.

Langsam begann ich mich zu fragen, ob ich eines von beiden überhaupt würde vermeiden können. Und was, im Fall der Fälle, die schlimmere der zwei undenkbaren Möglichkeiten war. Im Geiste sah ich mich, in gebückter Haltung und mit der Hand im nassen Schritt, aus dem Klassenzimmer eilen. Was für eine Zumutung; nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich. In Windeseile würde es sich in der Schule herumsprechen und der Spott, sowie die Erwähnung des Vorfalls in der Schülerzeitung wäre mir gewiss. Auf der anderen Seite gab es einfach keine Entschuldigung dafür, eine Prüfung vorzeitig abzubrechen und den Schülern damit potentiell die Noten zu versauen. Eine weitere Klausur war vor den Ferien nicht mehr umsetzbar – nur das war überhaupt der Grund, weshalb ich heute die Vertretung in diesem Grundkurs übernehmen musste.

 

Innerlich wand ich mich, während ich weiterhin versuchte, mir nichts anmerken zu lassen. Mir war heiß. Immer wieder wechselte ich die Sitzhaltung, lehnte mich zurück, ließ meinen Blick durch den Raum schweifen, rutschte dann wiederholt vor an die Stuhlkante, in der Hoffnung, dass niemand sah, wie ich mich zusammenkrümmte. Meine Hand zuckte mehr als einmal in Richtung meines Schwanzes, doch im letzten Moment beherrschte ich mich. Der Lehrertisch bot nicht ausreichend Sichtschutz, als dass ich hier, in dieser Position, meinen Penis hätte kneten können, obwohl der Gedanke sehr verlockend erschien. Vielleicht würde eine Erektion mir helfen, es weiterhin zu unterdrücken. Doch auch diese Vorstellung verbot ich mir.

 

„Herr Jensen?“ Ich blickte fahrig zu dem jungen Mann, der mich leise angesprochen hatte.

„Können Sie kurz kommen?“ Verzweifelt riss ich mich zusammen, stand dann langsam auf. Bei jedem Schritt spürte ich meine randvolle Blase. Nur mit Mühe gelang es mir, ein Lächeln zustande zu bringen.

„Wie ist diese Aufgabe gemeint? Ist das hier richtig, was ich geschrieben habe?“ Ich kniff die Oberschenkel zusammen, als ich mich zu ihm beugte, um sein Gekritzel besser deuten zu können. Im Normalfall hätte ich ihm die Aufgabenstellung noch einmal in anderen Worten erläutert, um ihm die Chance zu geben, selbst zu entscheiden, ob seine Ausführungen korrekt waren. Die Frage, ob er es richtig gelöst hatte, durfte ich ihm nicht beantworten. In meiner derzeitigen Lage blieb mir allerdings nichts anderes übrig. Ich musste so dringend, dass ich es nicht ertrug, noch länger dort zu stehen, die Blicke der Mitschüler im Rücken. Also nickte ich nur knapp. Seine erstaunte Miene ignorierte ich. Mit dem letzten, verbliebenen Rest meiner Selbstbeherrschung stakste ich zurück zum Pult. Dabei schaute ich auf die große Wanduhr über der Tür. Noch immer fünfzehn Minuten bis zum erlösenden Pausenklingeln, das diese Tortur beenden würde. Vor meinem inneren Auge sah ich bereits das rettende Klo. Und ich betete, dass kein anderer mehr um hilfreiche Ratschläge bitten würde.

 

Ich muss nur noch diese letzten Minuten überstehen, redete ich mir gut zu. Nur noch ein paar wenige Momente, dann würden die Schüler nach vorn kommen, ihre Zettel abgeben und dann, endlich, würde diese Quälerei vorbei sein. Ich verschränkte die Arme vor meinem Bauch, lehnte mich vor. Eine weitere Schülerin bat darum, die Toilette aufsuchen zu dürfen. Bevor sie ging, legte sie ihre Aufgaben vor mir auf den Tisch. Wie unsagbar gern hätte ich mit ihr getauscht.

Mein Blick klebte förmlich an den Zeigern der Uhr, die sich kaum zu bewegen schienen – zumindest aus meiner Sicht. Im Klassenraum machte sich jedoch langsam Nervosität breit. Erst ein weiterer Schüler hatte sich entspannt zurückgelehnt, alle anderen blätterten hektisch durch die Seiten, bemüht, wenigstens noch die letzten Ergänzungen unterzubringen. Eine Sekunde dachte ich daran, dass es eine nette Geste wäre, ihnen noch zusätzliche fünf Minuten zu genehmigen; meine Notlage machte es jedoch unmöglich. Ich tröstete mich damit, dass auch fünf Minuten keine solche Klausur retten konnten und ihr eigentlicher Mathelehrer, für den ich hier in Vertretung saß, ihnen sicherlich keine solche Chance geboten hätte. Dennoch: ein weiterer Grund, mich miserabel zu fühlen.

 

Als eine weitere Welle durch mich hindurchschwappte, und ich mir fast sicher war, es nicht mehr einhalten zu können, erklang endlich das ersehnte Geräusch der Schulglocke.

„Bitte abgeben“, presste ich zwischen den Zähnen hervor. Um keinen Preis würde ich noch durch die Reihen gehen und die Klausuren einsammeln. Steif verharrte ich in meiner Haltung. Inzwischen schwitzte ich vor Anstrengung, spürte, wie das T-Shirt, das ich unter dem Hemd trug, feucht wurde und an meiner Haut klebte. Die Ersten hatten bereits den Raum verlassen, den Nachzüglern riss ich die Arbeiten nun förmlich aus der Hand.

„Habe es eilig“, murmelte ich, während ich im Hinausgehen die Unterlagen in meine Tasche stopfte. Es kostete alle Kraft, nicht plötzlich loszurennen.

Bitte, nur noch einen kurzen Augenblick … Jetzt nur nicht aufgeben, flehte ich mich selbst an, den Flur herunterstolpernd, der sich schlagartig mit Menschen füllte.

Rempelnd manövrierte ich mich durch den vollen Gang. Die Lehrertoilette war zu weit entfernt, diesen Weg würde ich sicher nicht mehr schaffen. Es fühlte sich an, als ob mein Schließmuskel jede Sekunde seinen Dienst quittieren müsste, doch noch immer verbot ich mir, die Hand zu Hilfe zu nehmen. Es musste einfach gut gehen.

 

Ich hastete in das nächstgelegene Jungsklo. Erleichtert atmete ich auf: noch niemand da. Schnell feuerte ich meine Tasche auf den Boden, während die Finger schon am Verschluss meiner Jeans nestelten. Die ersten Tropfen rannen heiß die Harnröhre entlang. Jetzt, mit dem weißen Porzellan vor Augen, konnte ich mich nicht mehr beherrschen. Verzweifelt riss ich meinen Schwanz aus dem Slip, der zum Glück nur wenige Tropfen abbekam.

Die Tür stand weiterhin offen, doch das war mir gleichgültig. Und dann lief es, unhaltbar. Mit einem Gefühl unendlicher Erleichterung betrachtete ich den goldgelben Strahl, der in das Becken prasselte. Ich stöhnte auf. Die Befreiung war sagenhaft. Es war die härteste Prüfung meines Lebens. So gelitten, wie in den vergangenen Stunden, hatte ich wirklich noch nie. Und ich schwor mir, dass mir so etwas auch nie wieder passieren würde …

 

Überschätzt

Magenta König

 

„Corinna, ich müsste mal. Sind wir bald da?“ Bereits seit einer geraumen Weile war mir aufgefallen, wie unruhig mein Beifahrer auf dem Sitz herumrutschte. Mit einem kurzen Seitenblick stellte ich fest, dass er nun seine Hände zwischen die Oberschenkel schob.

„Jetzt schon so dringend?“, fragte ich amüsiert. Ein wenig Schadenfreude konnte ich mir nicht verkneifen; immerhin hatte ich ihn gewarnt. Weder hielt ich es für clever, vor einer längeren Autofahrt und dem Besuch eines Rockkonzertes mehrere Tassen Kaffee in sich hineinzukippen, noch mich dann auszulachen, wenn ich darauf hinwies, dass er sicherheitshalber vor der Abfahrt das Klo aufsuchen sollte.

„Ich bin doch kein Mädchen …, hatte mein bester Freund, den ich mühselig zum Besuch dieser Veranstaltung überredet hatte, getönt, „ich gehe nicht Sicherheitspinkeln.“ Inzwischen dürfte ihm die Großspurigkeit leidtun. Natürlich hatte er es als Mann deutlich einfacher, sich schnell irgendwo zu erleichtern. Oft beneidete ich ihn um die Fähigkeit, unauffällig an ein Gebüsch zu urinieren. Nur in meinem Auto mitten im abendlichen Großstadtverkehr nützte ihm dieser Vorteil in keinster Weise.

„Du wirst es einhalten müssen …“, bemerkte ich lapidar, „wir sind noch lange nicht dort und einen Parkplatz haben wir ebenfalls nicht.“

 

Etwa zwanzig Minuten später, während wir das dritte Mal den Club, in dem das Event stattfand, weiträumig umkreisten, um eine Parkmöglichkeit auszumachen, begann ich, Kenneth zu bedauern. Verkrampft saß er neben mir. So wortkarg kannte ich ihn überhaupt nicht.

„Wir sind ja gleich da. Hoffe lieber, dass die Türen zeitig geöffnet werden.“

„Mir egal …“, pampte er mich an, „irgendein Baum wird sich finden. Hauptsache, ich komme endlich aus dieser Karre raus.“ Während er seinem aufgestauten Frust Luft machte, entdeckte ich vor mir eine geeignete Lücke. Es war knapp, doch mit ein wenig rangieren schaffte ich es, meinen geliebten, alten Kleinwagen auf dem schmalen Seitenstreifen abzustellen.

Um uns herum ragten Häuserzeilen auf. Wir würden nur einen kurzen Fußmarsch benötigen, um unser Ziel direkt zu erreichen. Die Location, in der meine favorisierte Rockband aus Finnland heute auftreten sollte, lag mitten in der Innenstadt. Die lange Fahrt hierher hatte ich gern in Kauf genommen. Zwar kannten weder Kenneth noch ich den Club, doch ich war überzeugt, dass es ein grandioses Konzert werden würde. Selbst mein zweifelnder Freund, der für gewöhnlich eine andere Musikrichtung bevorzugte, würde die Jungs einfach lieben müssen. Das redete ich mir zumindest ein; andernfalls wäre es schade, dass er sich den Abend an der Stelle meiner Freundin um die Ohren schlagen musste, da diese mit einer widerlichen Erkältung im Bett lag.

 

Ich ließ den Rucksack im Auto, schob nur Geld, Ausweis und Schlüssel in die engen Taschen meiner Bluejeans. Die Luft war herbstlich kalt, also zog ich eine gefütterte Jacke über, zumal ich nicht damit rechnete, dass der Einlass bereits begonnen hatte. Wir waren früh dran. Absichtlich, da ich das Konzert am liebsten hautnah in der ersten Reihe erleben wollte.

 

Es dämmerte langsam. Vom Rücksitz kramte ich noch eine Packung Taschentücher. Kenneth musterte derweil die Umgebung. Die gekreuzten Schenkel, das ruhelose auf und ab wippen – seine Körperhaltung sprach Bände.

„Hast du’s jetzt?“ Ich nickte, verschloss die Wagentüren, folgte ihm dann fast rennend, als er schnellen Schrittes die Gasse entlanglief. Überall waren Menschen unterwegs, zu einem großen Teil strebten sie zum gleichen Event wie wir; so vermutete ich jedenfalls. Wir wichen den lachenden und johlenden Passanten aus, überholten sie in der Hoffnung, schleunigst eine Lösung für das Problem meines Begleiters zu finden. Dieser schwieg inzwischen beharrlich. Seine Not musste beachtlich sein.

 

Als wir in die nächste Straße einbogen, sahen wir einen freien Platz, bewachsen mit spärlichen Grasresten, der neben einem abbruchreif wirkenden Gebäude lag, dessen Fassade mit bunten Graffitis verziert war. Auf der leeren Stelle hatte irgendwann einmal ein weiteres Haus gestanden, jedoch war dieses lange verschwunden. Stattdessen prangte an der Seite der Name der Location, in der meine Lieblingsgruppe auftreten würde. Überhaupt machte die Gegend einen ziemlich verkommenen Eindruck, doch vermutlich waren die Mieten billig und es lag mitten in der City. Leerstehende Fenster sah ich keine, jede der Wohnungen schien bewohnt zu sein. Dafür aber trotz unserer frühen Ankunft Dutzende von Menschen, viele von ihnen schwarz gekleidet.

 

„Ach du Schande“, entfuhr es Kenneth. Hierbei wusste ich nicht, ob er die Masse gestylter Gothics mit grellem Make-up und schrägem Outfit meinte, die sich selbstverständlich zu dieser Gelegenheit einfanden und sich wahrscheinlich genauso wie ich auf die Band freuten. Sein Ausruf hätte ebenso gut der Tatsache geschuldet sein können, dass die gesamte Fläche von großen Strahlern taghell ausgeleuchtet wurde. Ich sah sofort, dass es hier keine Möglichkeit gab, heimlich zu pinkeln.

Ich schaute auf die Uhr. Sie verriet mir, dass wir circa eine halbe Stunde bis zum geplanten Einlass würden warten müssen. Mein Freund sah ebenfalls hin, stöhnte dann gequält auf.

Suchend irrte sein Blick umher. Noch hatte er die Hoffnung auf eine passende Gelegenheit nicht aufgegeben. Zu seinem Pech gab es allerdings nichts außer alten Häusern, einer Ansammlung begeisterter Fans und ein paar Leuten, die mit Plastikbeuteln herumgingen und leere Pfandflaschen einsammelten. Zwei Typen hielten Karten über ihren Kopf, um sie an Kurzentschlossene zu verkaufen. Unmittelbar vor dem Eingang parkte der große, schwarze Tourbus der Band. Sonst gab es nichts, lediglich das helle Licht, das allem Anschein nach für Ordnung sorgen sollte: weniger weggeworfener Müll auf dem Gelände, weniger Rempelei – tja, und weniger hemmungslose Männer, die unbesehen in die Ecken pinkeln konnten.

[…]


Ende der Leseprobe

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